brüllende sonne

die letzten tage brannte uns die sonne auf die pelle, wenn wir keinen schatten hatten. die kleider klebten. jeden tag habe ich zwei kugeln bio blutorange mit sahne verspeist.

ich sehe märchenhafte bilder:

gute nacht allerseits

20.06.2019 - 01:48

heinrich & helene

das sind meine eltern, heinrich & helene, freundlich & zuversichtlich dreinblickend – wenn ich an sie denke, versuche ich, mich in ihre vormalige gegenwart zu versetzen und ihre entwicklung wohlwollend nachzuvollziehen.

am anfang der diesjährigen tour habe ich die siebzehnjährige helene kennengelernt, die mir erzählte, daß sie in den wochen im hambacher forst mehr gelernt habe als in ihrer gesamten schulzeit. sie war mir ungemein sympathisch und ich habe mir auszumalen versucht, wie sie sich wohl unter den lebensumständen meiner siebzehnjährigen mutter (nazis & krieg & unangemessen viel verantwortung für den rest der familie einschließlich der traumatisierten eltern) entwickeln würde. und umgekehrt …

jetzt kann ich dieses gedankenspiel im hinblick auf heinrich, meinen vater, vollziehen mit dem sechzehnjährigen heinrich aus saxen. das hilft mir sehr, jeglichen groll gegen meine eltern fahren und sie in frieden ruhen zu lassen.

20.06.2019 - 01:08

die erlösung

kam dieses jahr erst am wochenende nach pfingsten …

am sonntag kam heinrich aus dem erzgebirge, sechzehn jahre alt. und mir fiel ein stein vom herzen. er erinnert mich sehr an christopher, der auch als sechzehnjähriger zuerst aufgetaucht ist und zur zeit in meinem zimmer wohnt. heinrich war sofort voll da, hellwach & wunderfitzig. im lauf der jahre werden mir die säxinnen & saxen immer sympathischermeine zeit mit yunus in saxen und meinen besuch der leipziger buchmesse habe ich in lieber erinnerung. als ich so alt war wie heinrich, waren die saxen für meine erfahrung unerreichbar wie auf einem anderen stern. mit heinrich lerne ich gerade ein wahres prachtexemplar kennen.

am montag abend kam pia und wärmte unsere herzen mit ihrem sonnigen gemüt. diese einmalige band hat einen brasilianischen groove. mir fällt dazu „the girl from ipanema“ ein und der bossa nova.

besser gehts nicht!

19.06.2019 - 01:12

vollmond

das will ich zum anlaß nehmen, mich noch einmal ausdrücklich bei wilma zu bedanken für ihre mutige bereitwilligkeit & schnelle auffassungsgabe, was die praktischen notwendigkeiten des lebens angeht. sobald sie die abläufe verstanden hat, brauchte ich ihr nichts mehr zu erklären und konnte mich wunderfitzig dem leben & der welt überlassen. ich hätte sie am liebsten mal als viertes rad am wagen mit einer eingespielten band beim „praktischen sammeln“ (friedfertig für „kampfsammeln“) dabei und bin mir sicher, daß sie aufblühen und total hilfreich sein würde.

ich habe jedenfalls schwesterliche gefühle entwikkelt …

dieses mal ist michael für johannes eingesprungen und hat am freitag abend unter der überschrift „identität“ einen vortrag gehalten, der interessante turbulenzen hervorgelockt und veranschaulicht hat, wie ideologisch der begriff „identität“ besetzt ist – drei menschen haben lauthals protestierend den raum verlassen, obwohl michael vor aller augen ein aus vollem herzen kommendes lied gesungen hat. sie konnten ihn nicht hören.

ich bin immer froh, wenn michael mal im omnibus schläft – wir sind in fast komplementärer weise jeweils voll auf unseren posten, mit wenigen analogen berührungspunkten, die dann umso kostbarer sind. wenn wir gemeinsam entwürfe machen, sind wir gleich ein trio und im omnibus ist er sofort voll synkronisiert.

nach dem ringgespräch am samstag vormittag sind wir noch entspannt durch die altstadt gebummelt und haben in der besten gelateria ein lekkeres eis gegessen (ich zwei kugeln bio blutorange mit sahne). anschließend hat michael wilma bis nach düsseldorf in seinem auto mitgenommen.

lebt wohl, ihr beiden & danke für alles.

17.06.2019 - 01:33

sono solo

ich bin allein in neustadt an der weinstraße nach zwei prall gefüllten tagen und gebe mich einer seltsamen stimmung hin mit oszillierenden ambivalenzen.

im vorigen sommer war ich auch hier und habe stefanie, olaf & yonas kennengelernt (johannes hatte in der „kantine 16“ neben dem hauptbahnhof einen vortrag mit einem gespräch am nächsten tag). ich habe meinen aufenthalt – trotz widriger umstände – als anregend & lebendig in erinnerung. viele bilder sind entstanden und ich habe ausführlich über den eigenartigen bahnhof berichtet.

da stehen wir: der omnibus & ich, allein auf weiter flur. morgen kommt ein 16-jähriger schüler, den ich nicht kenne, um mich über die runden zu retten.

jetzt stehen mir noch drei tage bevor – der sonntag hier an der „kantine 16“, ein weiterer tag auf dem marktplatz und ein tag vor dem hauptbahnhof …

16.06.2019 - 01:33

im muli modus

seit der kaa ell peh bin ich im muli modus und funktioniere gleichmütig. die szenerie hat sich rapide verändert. anne & yunus sind am pfingstwochenende abgereist und wilma ist gekommen – eine frau anfang sechzig, total motiviert und hilfsbereit, die einfach beherzt eingesprungen ist, weil ich sonst alleine am omnibus gewesen wäre. es beschämt mich, zu sehen, welche mühe sie sich gibt, eine eingespielte band zu ersetzen – ein unmögliches unterfangen. ich überlege, wieviel schmerzensgeld sie erhalten soll.

trotz allem war neu darchau ein traum. und überhaupt die ganze kaa ell peh – ein echtes wunschkonzert. dafür werde ich freya immer dankbar bleiben.

am montag mußten wir fünfzig kilometer herumirren auf der suche nach einer tankstelle, ehe wir nach celle fahren konnten. der zweiten hauptstadt der lüneburger heide. bei der einfahrt haben wir uns total verhaspelt mit schrägen wendemanövern und barfüßigen erkundungsgängen.

wir standen auf dem „großer plan“, umgeben von fünfhundert jahre alten individuellen fachwerkhäusern, von stolzen baumeistern errichtet – in harmonischem ensemblespiel. ohne architekten organisch gewachsen.

ein türkischer schneider hat mir die lederjacke gerettet, die ich zu meinen farbigen strampelanzügen am liebsten trage. derweil habe ich den gehrock dazu angezogen, den ich sonst immer anhabe – mit aufgekrempelten ärmeln. auch dem sieht man sein alter und seine beliebtheit zunehmend an.

in zwei etappen sind wir aus der lüneburger heide nach neustadt an der weinstraße gefahren, wo wir im vergangenen jahr interessante anknüpfungspunkte gefunden haben.

14.06.2019 - 00:46

pfingsten

dieses mal habe ich pfingsten unbeschadet eine gelassenheitsprüfung gemeistert. drei katastrofen & lauter widrige umstände haben mich nicht erschüttert. ich habe mich an das letzte jahr erinnert und an mein filosofieren über den heiligen geist.

wieder war mein aufenthalt die festliche krönung der kaa ell peh – ein heiliger ort, den ich zufrieden verlassen habe mit der gewißheit, immer willkommen zu sein. ich habe mich mit einem travestie künstler und einem jungen schmied angefreundet, die mir bereitwillig aus den patschen geholfen haben.

leider konnte ich dieses mal den spektakulären sternenhimmel nicht sehen. dafür majestätisch kreisende milane und kreuzende störche. die elbe & die tanja, an deren rampe wir standen.

ganz winzig läßt sich die silhouette des omnibus erahnen. die tanja ist akut vom artensterben bedroht – durchgeknallte technokraten wollen das land mit einer brücke über die elbe und den zugehörigen trassen zerschneiden – ohne rücksicht auf verluste.

es gibt eine bürgerinitiative gegen diesen plan, die ich an tim weber verwiesen habe, um auszuloten, auf welcher hoheitsebene es da einen direktdemokratischen hebel geben könnte. mir fällt da „wir sind die matrosen von der tanja“ ein, ein lied, daß wir als pfadfinder gesungen haben.

hoffentlich gibt es wegen der tanja einen aufstand im wendland – ich bin dabei.

12.06.2019 - 01:15

beluga dreieck

ich habe versucht, unseren vierundzwanzig stunden besuch beim gorleben tag in bildern zu verdauen …

das beluga dreieck liegt im zentrum der streng bewachten riesigen atom anlagen.

die beluga, ein ausgedientes greenpeace schiff, hat ein adliger waldeigentümer als denkmal gestiftet.

erst freitag mittag ging „der gorleben tag“ richtig los – ein festliches kulminationsdatum der kaa ell peh.

die quantitative ausbeute ist bei solchen großen festen komplementär zur qualitativen – ich kann wunderfitzig in der menge baden und meine anthropologischen studien betreiben. ich kann es niemandem mißgönnen, hier den widerstand zu feiern. die bäuerinnen des wendlands sind von anfang an meine heldinnen & vorbilder.

voriges jahr habe ich mich hier mit gandalf angefreundet und den ballengang eingeübt – das hat mir die praktische bedeutung von friedfertigkeit in der kommunikation enthüllt und ich kann immer besser gespräche entkrampfen und mit blauen wundern beschenkt werden.

uns haben eltern, schülerinnen & lehrkörper der freien schule hitzacker besucht und ich habe moria kennengelernt, in deren geburtsnacht ich 2003 zum ersten mal auf dem bauck hof in stütensen war.

ich habe mit allen geredet, wie mir der schnabel gewachsen ist und gleite wunderfitzig durch den alltag …

erst gegen mitternacht konnten wir uns dem menschengewimmel rausmanövrieren und uns für die pfingsttage auf die landzunge in neu darchau zu begeben, wo die tanja

auf der elbe hin & her fährt – das nördliche tor zum wendland, wo ich im vorigen jahr begriffen habe, daß der heilige geist jederzeit dienstbar bereitsteht.

am horizont zukkten grelle blitze – dann überholte uns ein auto namens HE:XE und ein heftiger gewittersturm prasselte los. gegen halb zwei haben wir uns provisorisch auf den parkplatz vor der landzunge gestellt und sind erschöpft ins bett gefallen …

11.06.2019 - 01:11

freie schule hitzakker

unser besuch war eine runde sache: die schülerinnen haben, nachdem ich vor dem omnibus meinen vorstellungstanz aufgeführt und gleichzeitig vor meinem redeschwall gewarnt habe, im musiksaal spontan einen stuhlkreis gebildet. alle drei klassen waren lebendig & offen. nur ganz selten und stets auf augenhöhe haben die lehrerinnen etwas gesagt. yunus war der exotische prinz aus dem morgenland.

mich freut, daß diese dem widerspenstigen geist der wendländerinnen entsprungene schule sich bei der gründung nicht „waldorfschule“ nennen durfte. die castortransporte verliefen direkt daneben und katharina von bechtolsheim war in ihrer punk-phase lehrerin dort. es gab überlegungen, die schule „joseph beuys schule“ zu nennen. mir alles voll sympathisch.

das schönste war, daß die lehrerinnen sich gewünscht haben, daß wir ihnen am nachmittag unsere arbeit vorstellen. sie haben auch ganz selbstverständlich einen stuhlkreis gebildet, den ich wie ein offenes ohr empfunden habe. sie haben uns wunderfitzig begutachtet und wollten auch unbedingt yunus & anne hören. alle beteiligten haben sich einhellig gewünscht, unsere verbindung auszubauen zu einer neuen wärmequelle und ich freue mich schon auf die nächste gelegenheit.

09.06.2019 - 01:42

nachträglich

will ich mich bei jakob schererz für das aufschlußreiche & inspirierende wochenende auf dem bauckhof in stütensen bedanken. das wetter war traumhaft schön.

am sonntag hat uns jakob den betrieb gezeigt und uns nachhaltig beeindruckt. ich freue mich über jede bäuerin! nach & nach spinne ich mir permakulturelles netz, das eine höhere bandbreite hat als das straßennetz. auch mit jakob habe ich mich spontan angefreundet (stephan ging es genauso). für mich ist damit der bauckhof auch im zusammenhang mit der kaa ell peh zu einem wichtigen knotenpunkt geworden.

mich hat der aufenthalt inspiriert zu einigen wilden anthropogenen morfos:

also: danke für alles, lieber jakob !!!

07.06.2019 - 00:12