back home

nach zwei nächten, die ich bei brigitte in witten verbracht habe, bin ich jetzt wieder zurück im omnibus, dem jetzt nur noch ein reifen fehlt:

   
 
„mäus’chen“ kümmert sich darum. 

genau: der hat mir doch am anfang der tour dieses wunderbare alte werkzeug geschenkt (ich habe darüber berichtet und auch erklärt, daß sein spitzname daher rührt, daß er der einzige „normal“ große, etwas füllige mann unter den riesen hier in der werkstatt ist)

   

 

also werde ich noch mindestens zwei nächte hier in der werkstatt sein, ehe ich montag irgendwann den omnibus wieder rüber zum michael stellen kann. 

draußen braut sich ein orkan zusammen und es ist wirklich ungemütlich. aber ich habe jetzt eine doppelte haut – und damit eine beruhigende distanz zur außenwelt. ich habe ein paar milliarden kleiner helferinnen versprüht, um ein schönes heimkommen zu erleben. ich habe ein- & aufgeräumt, die gasflasche gewechselt und den ersten teil (circa 250 seiten) der tagebücher von ruth andreas-friedrich (1938 bis 1948) zuende gelesen: ein funkelndes zeugnis einer todesmutigen & tatkräftigen auseinandersetzung mit den nazis. ganz persönlich. gewaltlos, aber zupackend und unermüdlich improvisiert. ein ehrlicher & klarer bericht über eine verschüttete zeit, mit der wir uns nicht auseinandersetzen wollen. hochinter-essant. 

  
der erste teil endet mit der eroberung berlins durch die rote armee – ich bin jetzt ganz gespannt auf die unmittelbaren nachkriegsjahre, die tunlichst ganz verschwiegen werden und so wichtig sind, weil sie soviele ungenutzte chancen bergen. ich würde gern die heutige und die damalige zeit ausführlich vergleichen und möglichst viele irrtümer entlarven und zweifel beseitigen, als hilfe für die jetztzeit – es geht um die wirksame lebenspraxis heute und jeden tag.

  
jetzt fühle ich mich hier wieder wohlig zuhause.

in der zwischenzeit habe ich noch analogen abschied genommen von sofia: sie hat mich am freitag vormittag zusammen mit leon bei brigitte abgeholt und wir sind bei zunehmend heißem wetter zu meiner wohnung gefahren, für die ich die kündigung zum 30. september 2015 erhalten habe. dort sind noch meine sachen – und viele bücher. ich liebe diese wohnung und wollte sie sofia zeigen (auch als zufluchtsort). da stand dann das auto des mannes, der mir die kündigung ausgehändigt hat. dem wollte ich nicht begegnen. also haben wir erstmal einen schönen spaziergang am rhein entlang gemacht. wir haben flache steine auf der wasserfläche springen lassen. für mich ist es immer seltsam, die landschaft mit der üppigen vegetation des sommers wahrzunehmen – ein völlig anderes bild !

dann war der vermieter weg und wir konnten in die wohnung. ich habe sofia & leon alles gezeigt und erklärt und sofia den schlüssel übergeben. im haus habe ich noch cynthia getroffen, die meine liebe vermieterin clara in der letzten zeit betreut hat, bevor sie ins altersheim geschoben wurde. sie hat mich auf den neuesten stand gebracht und will clara von mir grüßen. 

wir haben in rodenkirchen am rhein noch etwas gegessen & getrunken, dann haben die beiden mich am kölner hauptbahnhof abgesetzt und ich habe mich noch ein wenig um den dom herumgetrieben und war im laden des museum ludwig

  
anschließend bin ich mit dem zug nach witten zurückgefahren und habe jan im (….) besucht. dann begab es sich, daß jan mir einen peugeot aus den achtziger jahren angeboten hat, mit dem ich ab heute herumkutschieren kann wie ich will !!!

  
die wohnungsfrage rückt mir immer mehr auf die pelle. ich kann jeden monat 300 euro zahlen und wäre nur etwa vier monate da. der raum kann von der wie auch immer gearteten  gemeinschaft genutzt und zeitweise vermietet werden. ich habe viele bücher, die allen zur  verfügung stehen. es muß auch keine gemeinschaft sein – ich kann sehr gut alleine leben und bin ein ziemlicher eigenbrötler. und ich will auf jeden fall rauchen in meinem zimmer. das ambiente bevorzugt urban, jedenfalls was die mobilität und verbindung nach außen angeht – weil ich kein auto habe und flexibel sein muß. am liebsten wäre mir ein mensch, mit dem ich in gutem einvernehmen stehe und der sich deshalb eine großzügigere wohnung leisten kann. da können wir meinethalben alles vergesellschaften!

vielleicht hat das netzwerk ja was zu bieten ?

während ich das schreibe, sitze ich zuhause und fühle mich pudelwohl.

   
 

25.07.2015 - 23:32