Archiv für den Monat: November 2017

traumhafte landung

auf der letzten fahrt hat es geschneit – gabriele, milena, yunus & jürgen haben mich begleitet. draußen ist ein wunderschöner spätherbst – so war es im osten vor zwei/drei wochen. ich habe zwei tage geräumt & sortiert. kolja hat am dienstag schon die erste fuhre rübergekarrt. mittwoch mittag bin ich sanft & wohlbehalten in meiner wohnung gelandet, auf die ich mich schon sehr gefreut habe …

zwei nächte habe ich nun schon hier geschlafen. ich achte nicht auf die uhrzeit und trödle behaglich herum. wenn ich am schreibtisch sitze, sind meine fenster wie zwei gigantische eckige brillengläser genau vor meiner nase:

das linke auge (pink republic)

das rechte auge (rückwand des gymnasiums)

ich mache mir gemächlich alles zu eigen und führe meine neuen mitbewohner herum

das hintere zimmer, das übers jahr von verschiedenen menschen genutzt worden ist, erweist sich als wunderbare pufferkammer, aus der ich nach & nach die ausbeute der tour bergen & eingliedern kann. leicht & unbekümmert lebe ich mich ein.

ich ruf noch mal lauthals DANKE für alle mitspielerinnen & mitspieler – was wäre ich ohne euch ?

18.11.2017 - 02:55

oh wie schön

das wird jetzt, wo ich siebzehn bin, das poster für mein jugendzimmer – oder vielleicht eine wandtapete.

11.11.2017 - 02:38

finale

heute haben wir souverän unseren letzten auftritt hingelegt und glücklich unsere tour zuende gebracht.

um halb zwei sitzen yunus & ich einträchtig bei musik & kerzenschein und arbeiten. draußen ist es still & stockfinster. ich bin zuversichtlich, daß yunus bei wo lang über den lauf der ereignisse berichtet und nehme mir die freiheit, nur ein paar bilder zu liefern.

10.11.2017 - 01:32

in den wolken

über nacht hatte sich die wolkendecke ganz tief über die stadt gelegt – es hat ganz fein genieselt und die luft war voller wasser – oft ist die spitze des messeturms im atmosfärischen dunst verschwunden und die menschen sind unter ihren regenschirmen noch gehetzter unterwegs gewesen als am ersten tag.

„in den wolken“ heißt aber auch, daß unser trio im schönsten einklang improvisiert hat – die gasflaschen wurden angeliefert (!) und ein mitfühlendes zelttheater versorgt uns mit strom. ich kann ausgiebig über das leben in der großstadt nachsinnen und bilder machen auf dieser fährte.

wir verwöhnen uns mit gutem essen und drehen abends die heizungen voll auf bei kerzenschein und ausgesuchter musik. auf wundersame weise haben wir heute das „orfeo“ gefunden, wahrscheinlich das beste kino von frankfurt. ein saal und ein sehr zeitgenössisch eingerichtetes restaurant mit exquisiten speisen & getränken, wo wir in ruhe geschmaust haben vor dem film „weit“: ein junges paar mit waldorf-vergangenheit reist einmal um die welt, sie gehen nach osten und kommen nach vier jahren mit einem auf der reise geborenen sohn aus dem westen in die heimat zurück. die ozeane haben sie einmal mit einem gigantischen containerschiff und einmal mit einem kreuzfahrtschiff, das nach europa überführt werden mußte, überquert. ansonsten sind sie mit dem zelt und ohne viel geld losgezogen und haben so wenig wie möglich öffentliche verkehrsmittel genutzt. sie waren per anhalter und zu fuß unterwegs, und als ihr sohn in mexico geboren wurde, haben sie sich einen vauwehbus ausgebaut und sind damit in mittelamerika unterwegs gewesen.während des films haben wir jegliches zeitgefühl verloren …

wie ich jetzt auch wieder beim schreiben.

09.11.2017 - 01:51

zum abgewöhnen

drei tage bockenheimer warte, frankfurt am main, westlicher gehts nicht.

es ist bitter kalt und ein administrativer alptraum: die stadt wollte siebenhundert euro für den stromanschluß und wir müssen uns dringend gasflaschen organisieren, ohne uns hier weg bewegen zu können. heute morgen weit & breit keine lösung in sicht.

unser wieder durch gabriele angereichertes trio gibt ganz lässig zum abschluß noch einmal vollgas und die lösungen finden sich …

… und während ich abends in bockenheim durch gesichtslose nebenstraßen streife, stelle ich mir vor, ich würde hier leben (müssen) …

fack ju göhte kann ich da nur sagen. und die ganzen irren geisteswissenschaften gleich dazu. rund um uns herum ist die uni und massen hasten an uns vorbei.

immer wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein lichtlein her … das kann ich in der herzlosesten großstadt erleben – da sind auch die perlen der menschlichen spezies zu finden, die wahren zeitgenossinnen.

in einer uni-buchhandlung habe ich in der wühlkiste draußen einen roman von hubert selby gefunden, in gebundener ausgabe. für einen euro! da steht vorn diese wundervolle widmung drin:

dieses buch ist bill gewidmet,

der mir lernen half,

daß man nicht siegen kann,

ohne sich zu ergeben.

08.11.2017 - 01:10

zurück in die zukunft

in den zehn tagen, die ich nun mit yunus zu dritt unterwegs war, haben wir aufschlußreiche biografische zeitreisen unternommen … die darin gipfelten, daß wir mit dem omnibus als zeitmaschine in zwei etappen in seine vergangenheit gegondelt sind und gleichzeitig zwei regionen, zuerst den vogelsberg und dann die wetterau, in jeweils traumhaft schönen fahrten entjungfert haben.




die erste station war die lebensgemeinschaft altenschlirf, wo yunus für seine jahresarbeit praktisch in der landschaftsgestaltung gearbeitet hat. wir konnten dort neben dem kuhstall die nacht zum sonntag verbringen und ich habe einen alten freund seiner familie kennengelernt, heinrich möller, einen archetypischen indigenen bäckermeister, tief verwurzelt in dieser region. seine handwerkskunst hat er zu höchster meisterschaft ausgebildet, auch indem er in anderen ländern bei den besten seiner zunft in die lehre gegangen ist. er hat uns eingeladen zu einem lekkeren abendessen im schloß eisenbach, wo die drittgrößten waldbesitzer deutschlands residieren. bei denen hat sein vater als waldarbeiter sein brot verdient. er konnte so schön von land & leuten & familie & arbeit erzählen, daß ich ihm tagelang zuhören könnte. er war das lebenskluge gegenteil eines intellektuellen. da wurde mir ganz warm ums herz.




am sonntag sind wir dann durch die wetterau bis zu yunus geburt zurückgeflogen – in die lebensgemeinschaft bingenheim. er hatte es so eingefädelt, daß ich dort auch seine familie kennengelernt habe.


 

wir wurden alle schlaraffenlandmäßig verwöhnt & umsorgt …




… und haben zwei neue omnibus haltestellen gefunden – mit lauter verbindungen zum richthof, nach sassen, zu den bauckhöfen usw.




ich bin sehr froh, daß yunus bei wo lang zur reihenfolge der ereignisse beiträgt, denn ich komme in so prallvollen zeiten leicht mit der kronologie ins schleudern.
deshalb kommentarlos hier noch ein paar bilder zu eisenach und zum baumkreuz – und dann ab ins bett.






07.11.2017 - 00:44

allerheiligen

die vorherrschende stimmung ist schon kein blues mehr – das ist ein trauermarsch. viele menschen bekennen sich dazu, afd gewählt zu haben, in hilfloser wut. „die merkel muß weg!“ giften sie ohne gnade. als ob das was verändern würde. alle sehen gespenster: marodierende vergewaltiger & terroristen, die unmittelbar bevorstehende einführung der scharia, die reichtümer, mit denen flüchtlinge übergossen werden. sie fühlen sich von „der merkel“ höchstpersönlich beleidigt. da hilft nur der rituelle muttermord. und vielleicht so ein smartie wie in österreich.

passend dazu höre ich gerade „you want it darker“ von leonard cohen, ein album, das er in seinem todesjahr als über achtzigjähriger gemacht hat. das hatte ich gestern abend yunus vorgespielt.




ein stück heißt „almost like the blues“ …



03.11.2017 - 01:21

unisono



ich arbeite in so einem schönen einklang mit yunus, daß mir diese zeit zu kostbar ist, um hier den reporter zu spielen. beruhigend ist dabei, daß er ja auch wo lang in poetische erregung versetzt und gleichzeitig den reporter spielt und über die laufenden ereignisse berichtet. so können wir beide schön lokker lassen.


 

er ist immer voll auf seinem posten und über alltagsdinge können wir uns wortlos verständigen. umso schöner sind unsere palaver. wir ergänzen uns zu einem trio mit dem leben – in jeder umgebung. seit katharian uns besucht hat, hören wir uns abends die perlen aus meiner musiksammlung in unglaublicher qualität über den tomcat an, der kaum größer als eine literflasche & kleiner als unsere teekanne ist. 

das ist luxusfluxus und öffnet neue dimensionen & arbeitsweisen.




02.11.2017 - 01:41