mein ausflug

am ziel habe ich diese kindliche variante des motivs gefunden – wie ein geschenk des himmels. da hatte ich schon alle möglichen „attraktionen“ abgeklappert. fischmarkt / landungsbrücken / hafencity / speicherstadt und vor allem „elphi“, die in aller maskierten munde und angeblich voller sensationen ist. ich habe schlagartig jedes interesse an ihr verloren und mir ging zum ersten mal der begriff „kulturelle gewalt“ durch den kopf als kennzeichen dessen, was gerade heranrollt. jetzt verstehe ich, wieso meine enkelinnen kulturwissenschaften studieren …

ich bin einen halben tag mit meinem faltrad rumgesaust und konnte nach gutdünken verweilen. am ende war ich dann ganz lange in einem riesigen kulturtempel – alt & neu durch einen unsichtbaren unterleib verbunden.

mein besuch war sehr inspirierend & ertragreich, aber in die menschenleeren hallen kam ich nur mit maske und am ende hatte ich die schnauze gestrichen voll von kultur. um diesen preis soll sie mir in zukunft gestohlen bleiben. frei tastend habe ich mir den rückweg gesucht und am abend eine fette beute bearbeitet und über „kulturelle gewalt“ als steigerung von „struktureller gewalt“ nachgesonnen.

mir fiel noch „ellbogen-gesellschaft“ ein und ich habe mich gefragt, ob der alberne ellbogenstoß das unverblümte bekenntnis dazu und ab wann die verweigerung eine straftat ist, weil wir doch alle so schön „vernünftig“ sein wollen …

oder lieber wild bleiben

ohne mein faltrad hätte ich den ausflug nicht geschafft.

18.09.2020 - 00:31