unter der bahn

haben wir ein skurriles wochenende verbracht – bis samstag fünfzehn uhr hat uns niemand begrüߟt oder instruiert. nachts vibrierte der omnibus mit dem rattern endloser güterzüge – ich mag das.

eine anarchistische oase im irrsinnig teuren münchen – ganz in meinem sinne.

regine hat die freie zeit genutzt, den omnibus blitzsauber zu machen – die scheiben waren unsichtbar und unsere diva strahlt von innen & auߟen.

das „frühlingsfest“ war dann schön lebendig und ein leuchtendes beispiel für wiederbelebte nachbarschaftliche beziehungen – sehr sympathisch.

das ist der omnibus mit der beuys-esche – eine „persönliche postkarte“. und der baum sieht sorgfältig gehegt & gepflegt aus:

die krönung unseres aufenthalts war dann eine einladung von yutta & gerd, die gleich um die ecke wohnen und mit denen ich immer gleich auf einer schönen wellenlänge bin – ich fühle mich verstanden. es gab lekker zubereiteten spargel – in einem türmchen im sexten stockwerk auf der stadt schwimmend – traumhaft – am ende habe ich noch den letzten teil des endspiels liverpool gegen real madrid mit den beiden angeschaut.

sonntag mittag sind wir durch regenwetter nach marktoberdorf gefahren. seit pullach ist es immer kälten geworden – und jetzt ist es wirklich scheiߟkalt – und meine füߟe freuen sich.

dreigliederung

carl hat mir erzählt, daߟ sich viele junge menschen aus seinem umfeld sehr für die idee der dreigliederung des sozialen organismus interessieren. während ich ihn schmerzlich vermisse, ist er unterwegs zu allen möglichen treffen, wo es darum geht, einen freien studiengang zu diesem thema zu basteln, also noch mehr theorie anzuhäufen, während wir am omnibus immer ganz praktisch an der verwirklichung der dreigliederung des sozialen organismus und der ausbildung der menschlichen voraussetzungen arbeiten.

carl kommt hoffentlich noch für ein paar wochen, aber ab august ist er weg und macht in der schweiz ein praktikum. ab anfang august bis zum tourende hat brigitte den personalnotstand ausgerufen: wir haben keine mitspieler:innen – dabei kann mensch am omnibus das ultimative dreigliederungspraktikum machen und vielleicht auch die bachelaurette …

wer sowas lernen will, ist hier immer herzlich willkommen !!!

null solar

wir stehen jetzt zwei tage auf einer ehemaligen bushaltestelle, direkt unter einer bahnlinie, wo ab morgen mittag ein frühlingsfest der bürgerinitiative „mehr platz zum leben“ zur feier des umgestalteten platzes stattfindet. zum 100. geburtstag von joseph beuys wurde eine „blumenesche“ (ein klimawandelgehölz) gepflanzt.

die gesamte dachfläche des omnibus liegt im dunklen – also kein input. wir haben jetzt seit über fünf wochen an keiner steckdose gehangen – das kommt mir vor wie ein wunder. die leute vom tiny pop up haben die installation begutachtet und mir versichert, daߟ diese anlage „state of the art“ ist und sie sich das leider nicht leisten könnten.

tanzende temperaturen

es hat zeitweise heftig geregnet und die temperatur ist abgestürzt – nachts ist es richtig kalt. seit wir bei nikolaus sind, scheint wieder die sonne – mit erfrischenden schatten.

meine füߟe sind begeistert und bleiben schlank. auf einem ausgedehnten spaziergang mit regine konnte ich sie sogar in der isar kühlen.

regine sorgt emsig für sauberkeit & ordnung. heute hat sie die fenster geputzt. vor allem füttert sie mich reichlich – auch mit ihrem lachen. wegen meines derzeitigen kostüms hat sie mich „flamingo“ getauft und ich finde das lustig, weil ich von allen seiten komplimente bekomme.

alles in allem eine heilige oase.

mit nostalgischen gefühlen

haben wir zum seele baumeln lassen bei nikolaus teixeira in pullach angedockt. wenn ich helden wollen würde, wäre nikolaus ganz prominent in meiner galerie vertreten: er war einer der protagonisten des legendären „bienen volksbegehrens“, das ein quantensprung der direkten demokratie in deutschland war und den machthabern einen ebenso mächtigen schrecken eingejagt hat.

beim unterschriftensammeln für die volksinitiative haben wir uns angefreundet und zum ersten mal in pullach ganz in seiner nähe ein wochenende verbracht. seitdem bin ich sein bedingungsloser bewunderer.

hier habe ich auch die letzte nacht vor unserer italienfahrt verbracht – auslöser vieler schöner erinnerungen.

durch wundersame wendungen des lebens lebt nikolaus hier inmitten stinkreicher nachbarn auf einem grundstück, das auf dem immobilienmarkt 10 millionen euro einbringen könnte. er hat einem sehr sympathischen jungen paar (feli & jonas) erlaubt, sich mit ihrem tiny house bei ihm anzusiedeln und ein tiny biotop zu bauen, das der öffentlichkeit als beispiel präsentiert werden kann – ich fühlte mich tief im herzen angesprochen und habe wunderfitzig alles aufgesogen,

heute nachmittag hatten wir einen anregenden gesprächskreis mit etwa 20 leuten auf dem gelände rund um „wohnen“ & „geld“ & „demokratie“. fast alle wollten anschlieߟend auch den omnibus sehen und uns ausfragen …

das ist meine „persönliche postkarte“, die ich dankbar den erbauerinnen widme.

dialog raum geld

das war die überschrift eines dreitägigen konvents, der im kongreߟzentrum augsburg stattfand. peter war einer der hauptverantwortlichen für die organisation & vorbereitung und hat auch während der veranstaltung überall nach dem rechten gesehen. wen das programm interessiert, der kann hier klikken.

kurt wilhelmi hat einen workshop zum thema „unternehmen grundeinkommen“ angeboten. drauߟen leuchtete der omnibus magisch wie ein raumschiff aus einer parallelwelt und hat in den pausen viele interessierte & interessante menschen angelockt. als spinner von netzwerken war ich voll in meinem element.

am montag ist regine angereist, mit der ich jetzt für einige zeit zu zweit unterwegs sein werde. ich bin gespannt, ob aus uns ein trio wird: das ist der kleinste superorganismus. ihr weithin hörbares lachen wirkt wie ein traktorstrahl mit magnetischer anziehungskraft …

alexandra aus brasilien war begeistert vom omnibus und hat mir einen schweren buchklotz geschenkt mit dem titel: „1000 peace women across the globe“

jetzt bin ich wieder leidlich synkron und kann erleichtert ins bett gehen.

schon wieder

das ist schon das vierte mal, daߟ wir in einem schloߟ pausiert haben: im schloss blumenthal, das sich als ideale omnibus haltestelle erwies. eine lebensgemeinschaft mit vielen kindern, die das potenzial dieser groߟzügigen anlage gut zu nutzen weiߟ und eine art bolo bildet – wie ein kleines dorf. es lohnt sich, die mal zu gugeln.

diesen wunderbaren wochenendort hatte uns peter frommherz verschafft, der uns fürsorglich empfangen und zum abendessen unter bäumen und zum frühstücksbuffet im hotel eingeladen hat. wir waren gleich auf einer wellenlänge und haben uns wunderfitzig ausgefragt. er hat uns geduldig auf dem ganzen gelände herumgeführt und die verschiedenen unternehmerischen aktivitäten erklärt …

… deren lebensfreundliche vielfalt & verwirklichung mich schwer beeindruckt hat. und die inneneinrichtung war eine lebendige improvisation über die räumlichen gegebenheiten – was ich im schloߟ freudenberg besonders schön & verheiߟungsvoll finde (ewige baustelle) war auch hier überall zu finden:

ein schöner ort für eine winterklausur.

autsch

zeitsprung in die gegenwart:

heute ist mir carl amputiert worden – oder wie heiߟt das, wenn einem von auߟen ein symbiont entrissen wird ?

meister schüler meister schüler meister

memmingen

in memmingen hatten wir endlich schatten bei der arbeit und standen neben kühlenden wasserspielen, in denen die kinder planschten. ich fühle mich in memmingen immer wohl aufgehoben. die altstadt ist sehr gepflegt und von viel wasser durchflossen. der süden ist nah. die menschen sind freundlich und sprechen mit einer schönen melodie, die gut mit den schönen stimmungen & malerischen ansichten zusammen klingt.

ich bewundere jedesmal diese junge orgel, die ende der neunziger jahre in eine uralte kirche mit achteckigem turmaufsatz gebaut wurde.

es stellte sich heraus, daߟ wir auf dem platz standen, den die stadt den allwöchentlichen coronaprotesten zugewiesen hatte. am zweiten abend gegen 18:00 uhr versammelten sich viele sympathische menschen um den omnibus herum, um dann mehr als eine stunde lang trommelnd & schreiend durch die stadt zu ziehen wie soldaten in den krieg. es war kaum auszuhalten.

danach verwandelten sich alle wieder in sympathische einzelwesen. wir hatten vorher & nachher einige interessierte gespräche, aus denen alle aggressivität verflogen war.

am ende meines abendspaziergangs …

zwiespalt

ich fühle mich hin & her gerissen zwischen dem bedürfnis, die kronologie aufzufüllen und stationsweise zu berichten und dem starken impuls, mich in die pralle gegenwart einzuklinken und lükken zu lassen …

hier bin ich ganz aktuell bei dem versuch zu sehen, kurt*s workshop mit dem omnibus zu verschmelzen …

die arbeit an den bildern hält mich vom schreiben ab – seit dem formatwexel sinne ich nach über „persönliche postkarten“ von jeder station und nebenbei entstehen so verrückte morfos.

und in der kronologie käme als nächstes memmingen mit diesem beispiel einer „persönlichen postkarte“:

titel: „endlich schatten“ – vielleicht gehts damit morgen weiter …