Archiv der Kategorie: Allgemein

runde sache

unser aufenthalt in butzbach rundet die tour auf eine schöne weise ab – sogar die sonne ist rausgekommen:

wir sind noch mal ins kino gegangen, weil katharian & christopher „a star is born“ noch nicht gesehen hatten – der lief um sechs, sodaß wir nach dem kino noch ausgiebig zusammensitzen & ausklingen konnten.

08.11.2018 - 00:31

letzter auftritt

wir sind – zum ersten mal – in butzbach, einem hübschen fachwerkstädtchen. rechts im bild ist das rathaus, wo wir freundlich mit strom versorgt wurden. da steht ein spruch drauf, den sich alle gemeinderäte zu herzen nehmen sollten:

katharian ist für die letzten tage zu uns gestoßen und das wetter ist leidlich. die menschen sind schüchtern & freundlich. morgen kommt was in der zeitung. zur feier des tages haben wir heute mal wieder omnibus-kino genossen.

unsere bühne ist perfekt – wir haben noch drei etagen hinzugewonnen. ich streife herum und mache die seltsamsten entdeckungen …

rumble in the jungle & das haus gegenüber:

und kaskaden:

07.11.2018 - 01:35

der richthof

ist eine inspirierende haltestelle – ein heiliges dorf im wald. in besinnlicher stille sind wir unseren spuren gefolgt.

ich habe in einem buch über die edo-zeit gelesen, auf das mich enoch aufmerksam gemacht hat: das ist die zeit von 1603 bis 1868, bevor sie die westliche pest hereingelassen haben. wie die japaner 250 jahre lang gelebt haben, kam bolo‘ bolo schon ziemlich nahe. die bildung war freiwillig & allgegenwärtig. während in europa die alfabetisierungsrate bei 20 & lag, lag sie in japan bei 60 %. land- & forstwirtschaft wurden nach permakulturellen regeln betrieben. es gab fast keinen müll. die menschlichen ausscheidungen wurden in den ökologischen kreislauf eingespeist. die stadtbevölkerung verdiente sich damit ein zubrot, ihre scheiße über eine ausgeklügelte infrastruktur an die bauern zu verkaufen. vielleicht ist ja meine faszination im hinblick auf japan damit zu erklären.

jetzt schenkt enoch mir seine erfahrungen als anregende wegweiser für virtuelle reisen ins reich der aufgehenden sonne. durch yunus bin ich voriges jahr um die gleiche zeit schon mal bis pakistan gekommen.

sowas ging mir durch den kopf, als ich in dankbarer vergegenwärtigung diese beiden richthof-morfos gemacht habe:

06.11.2018 - 00:40

blauer sonntag

normalerweise fahren wir am sonntag mittag von unserer wochenendhaltestelle weg – dieses mal brauchen wir erst morgen mittag nach butzbach zu fahren, dem ort unseres letzten auftritts …

wir kommen in den genuß eines vollen sonntags – in goldener abgeschiedenheit:

ich kann nachsinnen über eisenach und die vielen fäden, an denen ich spinnen konnte. nach & nach sikkert ein, daß die letzte woche auf diese wunderbare weise angefangen hat – besser gehts nicht.

05.11.2018 - 00:14

goldener november

der tag der baumpflanzung hat uns jetzt was beschert, das der oktober bisher nicht hingekriegt hat: einen leuchtenden herbst zum wegschwimmen …

unsere band hatte hohen besuch: am donnerstag nachmittag ist gabriele für zweieinhalb tage zum omnibus gekommen – ein frohes wiedersehen für christopher & mich und ein erfreuliches kennenlernen für pia & pauline. es ergab sich ein munteres zusammenspiel, heute in der früh ergänzt durch enoch, meinen jüngsten bruder.

zur veranstaltung im kunstpavillon und zur pflanzung heute kamen dann unverhofft viele freundinnen, die schon jahre nicht mehr oder noch nie da waren – die alle aufzuzählen würde hier zu weit führen. ich bin noch ganz erfüllt von lebhaftem inter-esse und fühle mich frisch gewappnet für die letzte woche.

nach einem schönen langen abschied sind pia, christopher & ich bei strahlendem wetter gen westen gefahren, zum richthof – mitten im wald, an der jungen fulda – eine meiner lieblingshaltestellen, wo wir ganz bereitwillig empfangen wurden.

04.11.2018 - 01:03

„ich bin nichts“

sagte pia heute auf die frage, ob sie vegan oder vegetarisch sei …

… und wir (die mit ihr zusammenleben) haben schallend gelacht. sie ist unser aller sonnenschein in dieser anstrengenden zeit.

03.11.2018 - 22:41

charlie‘s angels

wenn ich es recht überlege, sind meine tauglichen enkelinnen wirklich meine engel – und ich bin fein raus und brauche nicht mehr manieristisch zwischen alfamädchen & gutartigen riesen zu unterscheiden – alle sind sie engel. ich verstehe, daß wir ihnen die führung in die hände legen sollten und damit in einem komplementären sinn ihre engel sein könnten, indem wie ihnen demütig unsere er-fahrungen schenken.

in diesem jahr war das leben am omnibus unter extrem wexelnden umständen unglaublich reichhaltig – die überraschendsten frischlinge sind aufgetaucht – und wir haben in hundert besetzungen alles gegeben. wenn wir die hoheit über das geschehen hatten, ist es immer friedlich zugegangen und wir haben viel freude aneinander gehabt und einen völlig lokkeren umgang gefunden …

ich bin mitten in diesem flüchtigen schwarm – spinner & knotenpunkt eines netzwerks, das sich ständig erneuert und – was raum & zeit angeht – heftig oszilliert. unmöglich, mit allen engeln analog in verbindung zu bleiben. ich übe mich darin, mich dem netzwerk anzuvertrauen und mich tragen zu lassen …

damit fahre ich am besten.

02.11.2018 - 00:28

halb fünf

und dann wird es rapide zappenduster. heute hat eine sturmbö unsere ganzen mappen, broschüren, blumen & steine weggefegt und weiträumig über den platz verteilt – da kam leben in die bude: freundliche passantinnen haben beim zusammenklauben geholfen und es entstand eine mitfühlende stimmung …

übrigens:

nach endlosen zwei jahren ist endlich pauline wieder im omnibus – einmal hatte ich mich schon vergeblich auf sie gefreut. ihre freigiebige gegenwärtigkeit ist das beste heilmittel für diese knochenwoche – sie war sofort mit pia & christopher ein herz & eine seele. die drei halten mich bei laune und lassen mich gleichzeitig in ruhe opa sein. ich kann nur hoffen, daß sie im umgang mit mir mein alter wegabstrahieren können.

der omnibus entwickelt erste zipperlein, nachdem er doch die italien-tour so lokker & fehlerfrei geritten ist. bisher hatte es fast nie geregnet und am sonntag sind wir sozusagen unter wasser nach erfurt gefahren – jetzt knatscht es unter dem tränenblech und überall sind pfützen & rinnsale, deren herkunft unklar ist. beim anlassen macht er komische geräusche. jetzt ist es an mir, ihn bei laune zu halten, indem ich die ruhe bewahre.

31.10.2018 - 00:47

da bin ich wieder

das frieren hat mich vollkommen fertiggemacht – in der nacht & am morgen habe ich gehustet wie ein wildgewordener hirsch und womöglich hatte ich auch ein leichtes fieber. immer mehr klamotten, icebreaker unterwäsche – alles hat nicht geholfen und abends konnte ich nur noch vor meinem kamin sitzen und lesen …

das wochenende haben wir da verbracht, wo wir auch schon am vorigen wochenende gewesen sind: auf halber höhe über meiningen, nur zu erreichen über eine straße mit 15 % gefälle, die wir also auf keinen fall in der gegenrichtung fahren könnten. vor einer woche war ich da noch barfuß unterwegs.

pia & christopher haben mich tapfer durch die woche getragen, die auch vom ergebnis her ziemlich deprimierend war. den ganzen tag über gab es heißgetränke und sobald die türen des omnibus zu waren, wurden alle heizungen angeschmissen. ich habe keine abendspaziergänge gemacht und bin abends um elf ins bett gegangen.

ein erfreulicher tupfer war, daß holger auerswald mich besucht hat, ein engagierter & bestens vernetzter protagonist der beiden thüringer volksbegehren. vor elf jahren war er für kurze zeit der halter des omnibus, weil jemand uns ein nummernschild geklaut hatte und wir auf keinen fall unsere arbeit unterbrechen wollten. wir haben ihm anschließend den kfz-schein und die nummernschilder geschenkt. das war in suhl, wo er zu der zeit fraktionschef der linken war. in suhl hatte ich schon ausschau nach ihm gehalten und erfahren, daß er inzwischen aufs land gezogen war.

umso mehr habe ich mich gefreut, als er uns in meiningen besucht hat. er hat geheiratet und ist der glückliche vater von zwei kindern. als männliche rollenvorbilder kenne ich ja sonst nur die „gutartigen riesen“ vom omnibus und meine brüder. ihn würde ich als gutmütigen bär bezeichnen. unser wiedersehen war ganz herzlich & warm.

das gute an meinem kaputten rhythmus war, daß ich eine umfangreiche biografie von leonard cohen gelesen habe.

heute dann: der endgültige einbruch: die zeitumstellung – jetzt wird es um halb fünf dunkel. wir sind über den rennsteig nach erfurt gefahren. durch die wolken. oben hat es geschneit. ansonsten graue suppe.

und ich habe das gefühl, ich bin über den berg – mach meinen abendspaziergang und sitze ohne heizung und mit nackten füßen um viertel nach eins bei kerzenlicht und schreibe …

29.10.2018 - 01:17