Archiv der Kategorie: Allgemein

flugträume

ich war im otto-lilienthal-museum und habe erfahren, daß er glaubte, mit dem fliegen würde frieden über die welt kommen, weil grenzen dann sinnlos wären …

in der marienkirche, die bereits in den 30-er jahren restauriert wurde, habe ich wieder diese morgenländisch-frohsinnigen farben gefunden und mußte an christopher alexander denken – da paßte auch dieses alte modell der stadt perfekt:

die kasematten & mauern, in die die altstadt eingeigelt war, hat der alte fritz einebnen lassen und durch kleingärten ersetzt, weil sie so mühsam zu erobern und nach der hansezeit immer heftig umkämpft war von schweden, dänen, pommern, brandenburgern & preußen.

endgültig zerstört wurde die altstadt im april 1945 durch die luftwaffe der nazis, weil sich die stadt ohne blutvergießen der sowjetarmee ergeben wollte.

im lauf der jahrhunderte ist sie mehrmals abgebrannt und dreimal von der pest heimgesucht worden – zuletzt am anfang des 18. jahrhunderts.

an der stelle, an der einst das gotische rathaus stand, befindet sich nun dieser springbrunnen. insgesamt war unser gastspiel sehr aufschlußreich und ich werde gern immer wieder kommen, wenn ich anschließend meine heilige oase in klein jasedow besuchen kann.

09.10.2020 - 00:10

anklam

anklam beflügelt meine sinne und hat mein tiefes mitgefühl – eine vom schicksal schwer gebeutelte hansestadt, die ihre blütezeit vor 500 jahren hatte.

in den drei tagen habe ich alle tentakel ausgefahren und ganz viel neues über ihre geschichte und ihren berühmtesten sohn, otto lilienthal, erfahren …

ich bin froh, instinktiv diese kleine stadt „am arsch der welt“ ausgesucht zu haben – statt greifswald, wo sie mit corona-maßnahmen drohten. wir wurden freundlich empfangen und mit allem versorgt. ohne gebühren!

einen greif haben sie hier auch.

08.10.2020 - 00:53

hugoldsdorf

eine bessere eremitage hätten wir uns nicht wünschen können. wir wurden von einer wunderfitzigen kinderschar empfangen …

… die sich unbedingt den omnibus anschauen wollte. abends haben wir am feuer gesessen. in einem kessel köchelte eine lekkere bohnensuppe. enoch hat einen eisvogel gesehen und ich so viele schmetterlinge wie im ganzen jahr nicht.

ich könnte auf dem gelände wochenlang herumstromern …

auch hier wieder ein völlig anderes raum/zeit-kontinuum.

04.10.2020 - 23:53

stralsund

stralsund ist eine stadt des industriellen tourismus – das essen ist doppelt so teuer wie in der großstadt. zum ersten mal durften wir wieder auf dem alten markt stehen (nachdem wir die nacht im hafen verbracht hatten).

gegenüber das weltberühmte rathaus und hinter uns das ddrazionale gewerkschaftshaus.

ich kann hier schön über die hansezeit nachsinnen. ich liebe die backsteingotik. fast überall gibt es eine nikolai- & eine marienkirche. die fungierten auch als navigationshilfen. die fenster sind oft atemberaubend hoch. leider haben sie die nikolaikirche durch einen protzigen barockaltar verdorben – den würde ich da herausreißen. denn die wiederhergestellte original-farbgebung mutet schön orientalisch an:

das würde ohne den später aufgepfropften pomp viel besser zur geltung kommen. das gleiche gilt für das rathaus, wobei die zeitgenössische rückseite irgendwie exotisch wirkt.

am freitag wurde auf dem platz die technik für den tag der deutschen einheit aufgebaut. wir haben uns auf die abgeschiedenheit der kleinsten gemeinde mecklenburg vorpommerns gefreut, in die wir erleichtert am abend entfliehen konnten.

04.10.2020 - 23:02

endlich

in stralsund ist mein heißersehnter jüngerer bruder enoch zu uns gestoßen. dieses bild hat lilith zur begrüßung von uns jungs aufgenommen.

hier vor dem polieren unseres goldenen gürtels – sie hat sich ausdrücklich darum beworben und als erste losgelegt.

mit enoch hab ich mich blitzartig sünkronisiert – wir haben uns viel zu erzählen und lassen uns auch gern in ruhe. ich finde keine zeit zum schreiben und arbeite lieber an meinen bildern. unsere abende sind perlend lebendig. während ich normalerweise meine musik mit kopfhörern höre, spiele ich mittels meines vasenförmigen drahtlosen zaubergeräts meine musik für alle und sie bitten mich, die musik laufen zu lassen, wenn sie ins bett gehen. ich kann hinten sitzen & arbeiten – gepolstert von den gesprächen im hintergrund. besser gehts nicht.

04.10.2020 - 22:25

der lauf der zeit

läßt sich hier im osten viel besser mit dem puls des lebens sünkronisieren. angesichts der astronomischen uhren in rostock & stralsund habe ich zum ersten mal von der „temporalen stundenmessung“ erfahren: dabei wird die zeit vom sonnenaufgang bis zum sonnenuntergang in zwölf gleiche stunden eingeteilt – ebenso für die nacht. die stunden werden elastisch & lebendig …

ich fühl mich verrückt in andere zeiten.

in den heiligen hallen von kirche & staat spinne ich eifrig fäden zum hier & jetzt.

die „temporale stundenzählung“ war eine bauernzeit – kosmisch gegliedert. da laß ich meiner fantasie freien lauf und finde auch skurrile zeitgenossen.

03.10.2020 - 02:17

rostock

unser auftritt in rostock war eine runde sache – alle administrativen klippen & potenziellen komplikationen haben wir lokker umschifft und lilith ist frisch & freudig eingestiegen. das wetter war prächtig und ich konnte so richtig schön verbindungen spinnen …

… und wunderfitzige zeitreisen unternehmen.

02.10.2020 - 00:42

doppelter salto rückwärts

wann immer ich in schwerin bin, versuche ich, christoph bai und seine wunderbare familie zu sehen und mich auf den neuesten stand zu bringen. dieses mal sind wir erst am freitag dazu gekommen, denn christoph stand vor der premiere eines klassenspiels mit der zwölften klasse und ist gleichzeitig noch klassenlehrer einer zweiten klasse.

wir hatten das glück, die zweite vorstellung am samstag abend aus der ersten reihe zu sehen: christoph hat da ein echtes meisterstück vollbracht – er war monatelang damit befaßt und hat alles allein verantwortet, womit bei einer theaterproduktion normalerweise etwa 20 menschen beschäftigt sind. in sichtlich vertrautem zusammenspiel mit den schülerinnen hat er ein kollossal vielschichtiges theater der herrschenden verhältnisse erarbeitet. mit offenem ausgang …

bravo bravissimo – dafür konnte ich es gern verschmerzen, meine anonymos-maske zu tragen. ich widme ihm in dankbarer erinnerung dieses „dokumentarische“ morfo, das in der nacht danach entstanden ist:

02.10.2020 - 00:14

mein sonnenschein

ich hab mich gefreut wie ein schneekönig, als virtuos überraschend pia wie eine fata morgana an meinem horizont erschien – ich nenne sie „meinen sonnenschein“. sie ist meine gute fee und befördert mich jedesmal sofort voll ins leben und heilt all meine wunden.

ich fühle mich wie ein ureinwohner der „pink republic“ und habe mir heute einen rosafarbenen kaschmirpullover gekauft.

obwohl pia nur kurz vorbeigehuscht ist, hat sie unsere lebensgeister geweckt und nachhaltig für beste laune gesorgt. mit lilith & hendrik habe ich so viele gemeinsame interessen, daß ich hier völlig aus dem takt gerate.

kurzer zeitsalto zum ursprung des erbarmungslosen tikkens.

kaum war pia weg, standen wir für den rest des tages in einer wundersam wärmenden sonne. wir haben die großeltern von hendrik kennengelernt und er hat uns alle zum essen in eine osteria ausgeführt, das wir in jeder hinsicht genossen haben.

hendrik hat sich übrigens seine mitfahrt am omnibus selbst zum geburtstag geschenkt, den wir am ersten abend gemeinsam gefeiert haben – eine jungfrau am übergang zur waage (interessante konstellation). er hat gerade seinen bachelor in soziologie gemacht. wir finden beide, daß cornelia koppetsch gegenwärtig in deutschland die interessanteste soziologin ist und leiden mit ihr unter dem medialen krieg, der gegen sie geführt wird. ich würde sie zu gern als meistin aushorchen.

für mich ist sie eine avantgardistische friedensforscherin.

wir sind drei tage in rostock und ich fühle mich glücklich geborgen im alltag. die ereignisse purzeln und vielleicht gelingt es mir noch, die vielen lükken nach & nach auszufüllen:

30.09.2020 - 00:38

wie im märchen …

wanja auf der ofenbank ist der held eines russischen märchens – „unser“ wanja hat uns – nach drei auch für mich kraftraubenden wochen im elend der großstadt – verlassen, an seinem letzten abend hat er uns noch feierlich zum essen ausgeführt. ich war froh, daß er hier die „normale“ arbeit unter freundlicheren bedingungen miterleben konnte, denn er hat sich wirklich heldenhaft bewährt und ich freue mich wunderfitzig auf weitere gelegenheiten, mit ihm zusammenzuspielen. derweil wünsche ich ihm alles mögliche …

die band ist auch ganz märchenhaft:

24.09.2020 - 22:54