digipathie

in so ein schwarzes loch haben mich meine digitalen gerätschaften gerissen – auch das noch, so kurz vor dem start. zuerst wurde mein schoßcomputer angegriffen und ich habe mich von meiner panik überrumpeln lassen und eigentlich alle meine geräte damit korrumpiert. und ich wußte ja, daß der rechner unglaublich zugemüllt war, weil ich spätestens, wenn ich mich in einer schleife verfangen habe, als opi da lang die hilfe meiner enkelinnen brauche.

kaskadenartig überrollten mich katastrofenszenarien mit ungeheurer tragweite: eine falsche handbewegung und die daten verflüchtigen sich und die fliegenden teppiche stürzen ab … die bilder sind zu einem integralen bestandteil meiner arbeit geworden. ich reagiere mit nervöser unbeholfenheit und male mir paranoid die übelsten konsequenzen aus – der gegenspieler von „immer schön lokker bleiben“ hebt sein irres haupt …

vorgestern kam jan zu meiner rettung und sagte immer wieder: „hör auf, dir sorgen zu machen – das ist nur die technik“ – wie so ein zen-mönch. jetzt ist mein fast zehn jahre altes meckbuck mit dem frischestmöglichen betriebssystem ausgerüstet, völlig entrümpelt und sauber und mir fiel ein ganzes gebirge vom herzen.

danke, lieber jan – du kannst dich jetzt papa da lang nennen – du hast mich befreit.

übrigens wird sich jetzt mit einem weichen übergang meine nummer ändern – das ließ sich nicht vermeiden. wie ich das am geschicktesten anstelle, können mir sicher meine enkelinnen erklären …

bei mir siehts aus wie kraut & rüben. übermorgen ziehe ich um. morgen habe ich noch einen termin bei saskia zum haareschneiden.

gestern nacht habe ich dann mit den neuen gerätschaften ganz selbständig enoch in tokyo angerufen und wir haben bis halb vier geredet – bei ihm war es früher nachmittag und die gerühmte kirschblüte ist gerade vorbei. er ist am weitesten weg und wir sind immer voll verbunden – das hat mir diesen winter glückliche momente beschert, auch weil ich brennend an japan inter-essiert bin und selbst höchstens noch auf dem landweg dahin reisen würde – mit der transsibirischen eisenbahn. was ziemlich unwahrscheinlich ist.

10.04.2018 - 01:23

christopher alexander

das ist die entdeckung meines winters – im vorigen winter war ich bei der lektüre von charles eisenstein auf sehr schöne zitate gestoßen. da hab mir aus amerika drei dieser vier bände schicken lassen und diese drei eigenartigen, großen & schönen & teuren bücher erwartungsfroh im omnibus herumkutschiert und mich in meiner wohnung gleich reingestürzt – es haben sich gedankengüter aufgetan. gestern habe ich mit dem vierten band angefangen …

hier als kleiner lekkerbissen: die 15 fundamentalen eigenschaften, die das dynamisch oszillierende leben aufweist – von der mikrobiellen bis zur galaktischen ebene: das war meine winterliche reise durch die innenwelt. die er-fahrungen werden sofort meine fahrt mit dem omnibus befruchten – ich scharre schon mit den nackten füßen.

es lohnt sich, den mal zu kugeln. für die letzte oya habe ich ein kleines „lied“ aus dem vorwort herausgeschrieben und mein freund matthias fersterer hat das mit ausdrücklicher erlaubnis aus californien kundig übersetzt – das ist eine schöne einstimmung auf seine arbeit.

09.04.2018 - 01:56

blindekuh

so fühle ich mich — gnadenlos marschiert die uhrzeit in mein leben ein und in einer woche ziehe ich um in den omnibus. obwohl ich aus erfahrung weiß, daß der zeitenwexel jedesmal überraschend schnell & leicht gelingt, habe ich leise panikattacken. es gibt noch so viele unwägbarkeiten, für die es, wenn ich einmal losgefahren sein werde, zu spät ist …

da war es sehr schön beruhigend, heute zum zweiten mal mit meiner geliebten alten dame zu fahren und mich nach ihrem befinden zu erkundigen. alles lief wie am schnürchen.

aus meiner winterwerkstatt, in der sich mir wieder innere kontinente erschlossen haben, gilt es jetzt, alle wichtigen werkzeuge für das zusammenspiel mit dem omnibus zu inspizieren & auszuwählen & einzupacken.

dies war – wie ja viele vielleicht bemerkt haben – mein einsiedlerischster winter bisher. ich habe selten meine höhle verlassen, habe hier nicht geschrieben und bin in der ganzen zeit nur ein einziges mal in köln gewesen.

dann aber richtig. zuerst war ich bei frau taha, meiner kostümbildnerin. wir haben den afrikanischen strampelanzug begutachtet, den ich im vorigen jahr nicht mehr ausziehen wollte, als es schon viel zu kühl dafür war. gemeinsam haben wir den schnitt aus meinen er-fahrungen weiter entwickelt. sie hat mir den wie vereinbart geänderten anzug schon schön verpackt per post geschickt, damit ich den auf jeden fall mit auf die reise nehmen kann. und ich habe zwei weitere anzüge nach dem neuen schnitt bestellt, einen afrikanischen und einen europäischen, damit die farben nicht so schnell in der sonne erbleichen.

anschließend war ich bei max & milla, meinen enkelinnen, die im abstand von einer woche geburtstag haben – milla am ersten april, wie meine jüngere schwester. wir hatten viel freude aneinander.

so freundlich & gelassen sind übrigens alle meine seltenen ausflüge & menschlichen kontakte geraten – ich nehme das als zeichen dafür, daß meine eremitage gelungen ist.

und schwupps – ist es viertel vor drei!

05.04.2018 - 02:47

morfose

das ist einer meiner liebsten sandteppiche – er versinnbildlicht, wie ich mich im winter im fluß der zeit treiben lasse – mit dem freudigen eifer des ewigen studenten, ohne pflichten & äußere ablenkungen. ich kann biografische spuren & spezialinter-essen weiter verfolgen & erforschen und mich dabei ganz frei von meiner aufmerksamkeit leiten lassen.

diesen winter habe ich wieder eine innere reise unternommen, die ich als kontrapunkt zur omnibustour empfunden habe. ich habe mich der digitalen malerei hingegeben …

… und könnte jetzt einen teppichladen aufmachen (das nur am rande).

jetzt fange ich ohne wehmut an, von diesen traumhaften zeiten abschied zu nehmen, wie in einem oszillierenden rollentausch mit mir selbst.

heute bin ich zum ersten mal mit dem omnibus gefahren – mit brigitte als lotsenfisch. und schnips war alles wieder da …

28.03.2018 - 03:11

testbild

ich muß mal langsam ausprobieren, ob hier alles noch normal läuft – nach monatelanger abstinenz und vielen updates. ich erwache aus meinem wintertraum seeliger zeitlosigkeit. wohlgemerkt: nicht winterschlaf. der omnibus, beginnt, sich in meinem bauch zu regen und ich kehre – passend zu zeitumstellung gestern – mehr und mehr in die uhrzeit zurück.

jetzt nur noch schrift wieder fett …

enoch hat zwei japanische schreibweisen meines namens herausgefunden:

und ich stelle fest, daß das schreiben hier während meiner fahrt auch so eine art tägliche traumarbeit ist und die gleiche aufgabe erfüllt, die der winter für mich insgesamt erfüllt. deswegen wintertraum – das gefällt mir.

ich freue mich auch schon auf die analoge sinnlichkeit des omnibuslebens und die vielen menschen.

hier noch ein ganz frischer „fliegender teppich“:

gute nacht zusammen …

26.03.2018 - 01:40

winter is comin‘

ich bin völlig abgetaucht in meiner höhle und geb mir die liebe mühe, mich treiben zu lassen – ich bin wieder stammkunde bei herrn schade vom copyshop witten und es häufen sich die erstaunlichsten bilder

gestern habe ich meinem herz einen stups gegeben und bin einer einladung von prinz yunus gefolgt, mir den trimesterabschluß der eurythmistinnen im institut für waldorfpädagogik anzuschauen – und das schönste war: zusammen mit freya, meiner erst jüngst zu meinem persönlichen schutzengel erkorenen meistin. ich habe es nämlich wahrgemacht und ihr poster von außen auf meine zimmertür geklebt

wir sind mit dem omaauto von jan gefahren und haben das auf der suche nach einem parkplatz erstmal in den sand gesetzt – die räder drehten durch und wir kamen da nicht raus! am ende haben uns vier menschen angeschoben und wir haben die fußmatten unter die hinterräder gelegt – ach, wie aufregend.

wir hatten die einmalige gelegenheit, vier jahrgänge hintereinander – eins zwei drei vier – ausgiebig zu begutachten, und ich bin sehr froh, das gemacht zu haben, obwohl ich mir schon mehrfach geschworen habe, keine eurythmie-aufführungen mehr anzuschauen.

es war sehr schön, die körperliche ausdrucksfähigkeit in so vielen höchstpersönlichen spielarten zu beobachten – ich habe auf alles geachtet. die stellung der finger und die schwerelosigkeit und die rundumorientierung im raum und im ensemble. sehr anregend.

anschließend gab es noch lauter lekkere sachen zu essen und ich habe die tänzerinnen & tänzer dann auch noch in zivil erleben können und ganz viele freundinnen & freunde getroffen.

oje, viertel nach drei – das wars jetzt erstmal …

17.12.2017 - 03:17

beethoven drift

so nenne ich meinen solo groove. ich lasse mich ohne uhrzeit auf den schönsten abwegen treiben – stehe gegen mittag auf und gehe ins bett, wenn es fast schon wieder hell wird …

ich hab mir nochmal „the ascent of humanity“ vorgenommen und genieße die originalstimme von charles eisenstein – seine gelassene & humorvolle selbstironie hilft mir sehr, seine verwandlung praktisch mitzuvollziehen.

zwischendurch gebe ich mich anwandlungen hin, in das hintere zimmer zu gehen und kisten auszupacken und nach & nach meine schätze einzugliedern – dabei falle ich mehr oder weniger tief ins reich meiner erinnerungen …

ach ja – und ich war beim herrn schade und habe mich zurückgemeldet und einen stapel bilder abgeholt – das hat mich inspiriert, meine digitale schiefertafel herauszuholen …

23.11.2017 - 02:49

traumhafte landung

auf der letzten fahrt hat es geschneit – gabriele, milena, yunus & jürgen haben mich begleitet. draußen ist ein wunderschöner spätherbst – so war es im osten vor zwei/drei wochen. ich habe zwei tage geräumt & sortiert. kolja hat am dienstag schon die erste fuhre rübergekarrt. mittwoch mittag bin ich sanft & wohlbehalten in meiner wohnung gelandet, auf die ich mich schon sehr gefreut habe …

zwei nächte habe ich nun schon hier geschlafen. ich achte nicht auf die uhrzeit und trödle behaglich herum. wenn ich am schreibtisch sitze, sind meine fenster wie zwei gigantische eckige brillengläser genau vor meiner nase:

das linke auge (pink republic)

das rechte auge (rückwand des gymnasiums)

ich mache mir gemächlich alles zu eigen und führe meine neuen mitbewohner herum

das hintere zimmer, das übers jahr von verschiedenen menschen genutzt worden ist, erweist sich als wunderbare pufferkammer, aus der ich nach & nach die ausbeute der tour bergen & eingliedern kann. leicht & unbekümmert lebe ich mich ein.

ich ruf noch mal lauthals DANKE für alle mitspielerinnen & mitspieler – was wäre ich ohne euch ?

18.11.2017 - 02:55

oh wie schön

das wird jetzt, wo ich siebzehn bin, das poster für mein jugendzimmer – oder vielleicht eine wandtapete.

11.11.2017 - 02:38

finale

heute haben wir souverän unseren letzten auftritt hingelegt und glücklich unsere tour zuende gebracht.

um halb zwei sitzen yunus & ich einträchtig bei musik & kerzenschein und arbeiten. draußen ist es still & stockfinster. ich bin zuversichtlich, daß yunus bei wo lang über den lauf der ereignisse berichtet und nehme mir die freiheit, nur ein paar bilder zu liefern.

10.11.2017 - 01:32