fallen gelassen

ich bin hier aus dem takt geraten, denn ich habe mich völlig herausfallen lassen aus dem ticktack der uhr – zu viele frugale ereignisse & gegebenheiten. klein jasedow ist eine wunderbare wärmequelle. ich bin noch ganz erfüllt davon ganz woanders und weiß nicht, wo ich anfangen & was ich weglassen soll …

ich fang mal mit den gongs an, denn das war epochal – ich habe experimentelle ausflüge unternommen und fast nur mit bloßen händen gespielt. weil der zweimetergong eine einzigartige gelegenheit bietet, die ich nur alle zweidrei jahre wahrnehmen kann, habe ich mich bisher immer auf diesen gong konzentriert … es gibt davon nur sieben auf der ganzen welt!

dieses mal hatte sich dem ein neuer riesiger erdgong hinzugesellt – der erste & einzige seiner art. ich liebe die erdgongs, weil sie ein melodiöseres spiel ermöglichen, aber weil es sie bisher nur bis höchstens 1,20 m durchmesser gab, habe ich mich lieber auf die viel selteneren großen cosmosgongs konzentriert.

dieser neue gong paßte mir wie angegossen und ich konnte mich voll verausgaben …

neuerdings übe ich mich darin, dem klang ein elektrisches knistern & zittern hinzuzufügen und suche nach den besten werkzeugen dafür. gerade jetzt habe ich eine einleuchtung – bei nächster gelegenheit werde ich ganz normale dünne trommelstöcke ausprobieren.

12.06.2018 - 01:54

glückauf meistin

heute (10.06.) hatte freya geburtstag und ich hoffe, mir dieses datum nun für immer eingeprägt zu haben. ich hatte das vergnügen, ausführlich mit ihr am telefon zu sprechen – sie hatte auf dem display ihres smartfohns gesehen, daß ich versucht hatte, sie anzurufen und meine mit der hand geschriebenen glückwünsche und fliegenden teppiche noch nicht gesehen. also konnte ich ihr doppelt & dreifach gratulieren.

seit sie meine tour plant, ist sie auch meines glückes kunstschmiedin. und jetzt tritt sie in wiesbaden mit einem impulsreferat über „heilige wirtschaft“ auf. mit ihr erlebe ich immer wieder zeichen & wunder. sie hilft mir, mich dem leben & der arbeit ziemlich lokker hinzugeben und zwischendurch tiefen frieden zu empfinden. herzlichen dank.

11.06.2018 - 00:52

antipodisch

oszilliert es zwischen waren an der müritz & kalbe an der milde. in waren riecht es nach geld aus dem westen – es gibt keine leer stehenden geschäfte und die meisten häuser sind restauriert, aber der industrielle tourismus ist ein kolonialistischer überfall, von gnadenlosem wachstumszwang getrieben. es wird langsam eng hier und die ureinwohnerinnen können sich ihre wohnungen nicht mehr leisten.

am zweiten tag standen wir auf dem neuen markt. das wetter ist unwirklich schön. jaromir, ein 14-jähriger aspirant, der einen sehr aufgeweckten eindruck macht, hat für zwei tage bei uns reingeschnuppert und eine nacht im omnibus verbracht. unter angenehmen umständen können wir uns vom pausenlosen kampfsammeln in das antipodische paralleluniversum der „normalen arbeit“ einschwingen, das einen viel weiteren zeithorizont hat.

das ist mein gute-nacht-morfo dazu …

07.06.2018 - 01:29

salto mortale

nach einer kontemplativen fahrt durch schöne dörfer & landschaften sind wir in eine völlig kontrapunktische welt gepurzelt – waren am großen müritzsee, inmitten der mecklenburgischen seenplatte. direkt nach der übernahme haben sich die touristikkonzerne des westens auf diese zeitlos schöne attraktion gestürzt und ihre industrielle ausbeutung begonnen. ich war seit 15 jahren nicht mehr hier und muß mich ganz neu orientieren – ich erkenne kaum was wieder unter dem mantel der bequemlichkeiten des massentourismus.

wohlgemerkt: es ist weiterhin traumhaft schön hier und die verwaltung funktioniert wie geölt. ich frage mich nur, ob die ureinwohnerinnen auch etwas davon haben und versuche, die reichen rentnerehepaare aus dem westen samt ihren sündhaft teuren elektrischen fahrrädern & yachten wegzuabstrahieren.

außerdem ist unverhofft katharian zum omnibus gekommen, der im alter von drei jahren zusammen mit seiner mutter zum ersten mal mitgefahren ist. wir erinnern uns beide mit vergnügen daran, wie ich ihm während der fahrt das wort „exterritorial“ beigebracht habe. jedes mal, wenn er in den omnibus kommt, fühlt er sich sofort zuhause. so war es auch im letzten herbst in weimar, als wir uns nach acht jahren wiedergesehen haben. ich fühle mich mit ihm unmittelbar voll verbunden und freue mich schon auf die zusammenarbeit.

06.06.2018 - 02:09

genußvoller abschied

in schönstem einvernehmen haben wir heute das pfarrhaus zur omnibus-haltestelle gekürt und allerlei pläne geschmiedet …

die unermüdliche corinna als treibende kraft hinter dem regionalentwicklungsprojekt „künstlerstadt kalbe“ sucht händeringend studentische hilfe und hat ziemlich einmalige konditionen zu bieten: 500 euro im monat und kostenloses wohnen in der ehemaligen bademeisterwohnung im freibad, das auch zugänglich ist. außerdem gibt es noch 1.000 euro für die entwicklung eines eigenen projekts und viele dankbare aufgaben & freiheiten. wir haben dieses städtchen richtig liebgewonnen und sehen tausend potentiale für die fachrichtungen kunst, musik, ppö, kulturwissenschaften, architektur & raumplanung, regionale ökonomie … usw.

wer konsequent und in himmlischer ruhe seinen fragen folgen und seine eigenen potentiale entdecken will, kann hier unter optimalen bedingungen angewandte wissenschaften betreiben.

05.06.2018 - 01:24

mea culpa

ich habe den tod einer üppigen hortensie auf dem gewissen – sie akzentuierte perfekt die märchenhafte atmosfäre. ich habe mich damit getröstet, daß ich nun seit zwei jahren keine rosen mehr gemordet habe, seit die rose, ohne die wir es bekanntlich nicht tun, eine von frauen aus dem erzgebirge vor langer zeit in heimarbeit kunstvoll angefertigte rose ist, an der ich meine helle freude habe, weil sie beweist, daß wir heilung in der kunst finden können.

dankbar schenke ich den lebendigen artgenossinnen meine volle aufmerksamkeit und fertige meine eigenen morfos an.

05.06.2018 - 00:24

volksstimme

steht auf dem zeitungsschuber rechts …

04.06.2018 - 23:51

die letzte nacht an der milde

ist jetzt angebrochen und die teilnehmer des potentiale festivals haben sich in alle winde zerstreut.

da ganz hinten in der großen scheune habe ich gestern nacht getanzt – im innenhof brannte ein feuer in einer großen metallenen schale, die wie ein wok aussah.

heute mittag gab es dort ein veritables abschlußkonzert der „all stars“, die bedauerten, daß sie nicht schon früher alle zusammen gespielt hatten. in bester stimmung haben sich alle verabschiedet und gabriele & ich hatten zeit für uns und unsere ortserkundungen.

04.06.2018 - 01:19

archetypisch

sieht das nicht aus wie eine szene aus „herr der ringe“ ?

heute habe ich mich mit dem pfarrer der uralten feldsteinkirche angefreundet – er ist hier in seiner heimat seit 28 jahren dorfpfarrer und hatte nie weiter gehende ambitionen. sein vater war bauer – später in der ddr war er in der lpg der einzige studierte agronom, hat sich aber damit zufrieden gegeben, als melker zu arbeiten. da ist es kein wunder, daß sein sohn ein echter seelsorger geworden ist.

als wir uns kennenlernten, hatte er erst mal die langweiligen standardargumente der sogenannten politikwissenschaftler abgespielt – war aber total hilfsbereit & freundlich. er hat uns an den strom angeschlossen und den weg zu den toiletten gezeigt. wir durften seine waschmaschine nutzen und er hat in unserem gespräch ernsthaftes interesse gezeigt und dankbar unsere informationen mitgenommen.

heute hat er dann vorsichtig & höflich gesprächsbedarf angemeldet und wir haben im omnibus zwei stunden intensiv miteinander über gott & die welt geredet und unser wesen abgeglichen. als erforscher von ddr-biografien habe ich viel gelernt und er hat meine arbeit verstanden und mir herzlich glück & erfolg gewünscht.

die kalber können sich glücklich schätzen, so einen friedfertigen & hingebungsvollen pfarrer zu haben.

04.06.2018 - 00:36

ein sinnenschmaus

das potentiale festival ist ein sinnenschmaus und die milde macht ihrem namen alle ehre. ganz viele rheinländerinnen aus dem dunstkreis des moerser jazzfestivals sind hier und die genauso unbekannte partnerstadt in nordrhein-westfalen heißt neukirchen-vluyn das ist in meiner alten heimat. gemeinsame bekanntschaften tun sich auf und neue eröffnen sich. virtuose musikerinnen sind hier. aber die ersten konzerte, die ich gehört habe, klangen abgehackt & akademisch verkrampft – als ob die musiker schmerzen oder verdauungsstörungen hätten. untanzbar.

während wir beschwingt vor dem pfarrhaus standen und ich das buch von gandalf über den ballengang gelesen habe. hier hatte ich das beste pflaster zum üben …

in der schönen alten feldsteinkirche habe ich dann gestern nacht ein orgelkonzert angehört – links oben in dem hellen streifen ist unten ganz klein der kopf des organisten zu sehen:

heute wurden die konzerte immer besser und die musiker, die zum teil noch nie miteinander gespielt hatten, stimmten sich ein und sind frei & wild abgeflogen.

und haben mich im grauen zweireiher zum tanzen gebracht, vor allem meine nackten füße, denn nun konnte ich praktisch anwenden, was ich von gandalf gelernt habe. meine fesseln lösen sich und ich spüre einen neuen dynamo. horizonte öffnen sich.

03.06.2018 - 01:22