wo lang

ein vietnamesischer junge beim studium der 95 thesen zur befreiung der arbeit …


31.10.2017 - 21:36

uhrzwang

in einer stürmischen nacht wurde die uhr umgestellt – unsere kerzen flackerten wild und im schlaf wurden wir von heftigen böen geschaukelt.
wir haben uns mit einem geruhsamen sonntagsfrühstück – eine stunde später – neu kalibriert und sind auf ausgesuchten umwegen in die stadt spaziert, um uns das bauhaus museum anzuschauen, das noch gegenüber von goethe & schiller in einem ziemlich kleinen pavillion untergebracht ist.




dort haben wir einige schätze entdeckt. die ausstellung befand sich in einem raum und bot einen guten überblick über die entstehungsgeschichte in weimar mit ausblicken auf die gesamte bauhauszeit …




auf dem heimweg habe ich dieses graffito an einer wand entdeckt. und überhaupt: auf meinen spaziergängen habe ich so viele kleine kostbarkeiten gefunden, daß ich mit unserem aufenthalt hier glücklich & zufrieden bin.




zum beispiel

diese kleine skulptur, die ich abends im schaufenster einer galerie entdeckt habe, hat mich voll ins herz getroffen. tagsüber bin ich in die galerie gegangen und habe ein sehr aufschlußreiches gespräch mit der galeristin geführt. sie hat die skulptur aus dem fenster geholt (mit weißen baumwollhandschuhen) und ich durfte sie aus der nähe betrachten & fotografieren …




yunus würde an dieser stelle sagen:

adieu weimar

& ich schicke noch einen gruß





31.10.2017 - 01:22

gastspiel

das ist ein fliegender teppich von katharian mit tränenblech wie bei mir zuhause. was hat sich karl heinz wohl bei müller gekauft?

gestern nachmittag hat uns katharian auf unserem wochenendplatz besucht. er ist sofort zuhause im omnibus und mir total vertraut – unmittelbar volle bandbreite. zusammen mit yunus entspann sich das schönste palaver. mit dieser band würde ich jederzeit ins studio gehen. 

nebenbei haben wir uns aus lauter kleinen lekkereien ein köstliches mahl bereitet. ich habe meinen kannenförmigen tomcat (so heißt der auf dem bildschirm des eifohns) heruntergeholt und wir haben uns reihum musik vorgespielt und auch sonst lebhaft die dateien kreisen lassen. endlich mal ein digitaler eingeborener ohne feehsbukk & wottsäpp & sowas.




mit kußhand biehme ich ihm diesen remix und wünsche mir von herzen, daß er nach wiesbaden zu unserer geburtstagsfeier kommt.

als krönenden abschluß haben wir uns vergnügt in der spätvorstellung „fack ju göhte 3“ angeschaut, einen hemmungslosen klamauk mit selbstironischen obertönen. angenehm kontrapunktisch zu diesem mekka des bildungsbürgertums und der pensionierten oberstudienräte aus dem westen, die hier die gentrifizierung & den konsum anheizen.



30.10.2017 - 01:08

yunus & ich



seit gabriele gestern nachmittag abgereist ist, sind yunus & ich wieder zu dritt und lassen lokker unsere eurhythmystische improvisation laufen.

und die heizungen im omnibus, denn es ist draußen stürmisch & kalt geworden. nach einem friedlichen frühstück kam rené bestvater mit dem auto vorbei und hat mit yunus zusammen zwei gasflaschen ausgetauscht, so daß wir am wochenende sicherlich nicht erfrieren werden (heute war die letzte gelegenheit).

yunus hat dann ein kunstvolles mahl komponiert. er könnte auch mahlerei studieren!




mangold & schwarzwurzeln – ganz schlicht & elementar.


28.10.2017 - 19:10

unverhofft

& freundlich unbeschwert hat uns karl heinz tritschler am omnibus besucht und abends zum essen ausgeführt. yunus hat bei ihm geduscht und dabei auch schon einmal einen blick auf katharian erhascht, der jetzt 19 jahre alt ist und ein eigenbrötler nach meinem geschmack.

er hat kein abitur gemacht und treibt gerade milieustudien in einer beruflichen orientierungsmaßnahme – er ist künstler geblieben und hat sich in seiner entwicklung überhaupt nicht beirren lassen. gestern habe ich ihn endlich wiedergesehen. er war uns gleich ein lieber artgenosse und ein wunschkandidat für jede band.

ich habe mich so über diese wiedersehen gefreut, daß ich nicht mal ein volkfoto von den beiden gemacht habe.

im angesicht von katharian steht mir der zeitraum meiner fahrt als gigantisches gebilde vor augen. als er drei jahre alt war, ist er zum ersten mal mitgefahren und ich habe ihm vorn im omnibus während der fahrt das wort “ ex terri tori ahhhl“ beigebracht. jetzt überragt er mich und paßt perfekt in die riege der „gutartigen riesen“.




schon vor zehn jahren waren wir kämpferische weggenossen – mit blanken transparenten draußen vor dem schwarzen loch von joseph beuys in düsseldorf.


28.10.2017 - 18:32

das ist emil

mit dem ich mich behutsam anfreunde. er ist drei jahre alt und hat zuhause ein klavier zur freien verfügung. seine mutter clara habe ich in kassel während der documenta kennengelernt.

an unserem ersten tag in weimar ist sie zusammen mit joshua conens in einem bus an uns vorbeigefahren – volltreffer. sie studiert hier in weimar kunst und hat uns vorgestern abend zum essen & zum duschen zu sich nach hause eingeladen. sie hatte bei karl heinz tritschler kunstunterricht und war schülersprecherin an der waldorfschule. sie wohnt auch gleich bei karl heinz um die ecke auf der lisztstraße.

das abendessen war ein wunschkonzert aus wirsing & lauch. dazu gab es ein laibförmiges serviettenknödel, das, als wir ankamen, formvollendet in ein tuch eingehüllt seiner bestimmung harrte.

und bei dieser gelegenheit konnten emil & ich uns umkreisen & beschnuppern.


28.10.2017 - 16:53

zeitreise



brigitte wollte nur ein paar bilder von der tour – und ich habe arglos am anfang begonnen und wurde mitgeschwemmt vom strom der erinnerungen und war die halbe nacht damit beschäftigt, tausend bilder durchzusehen und eine halbwegs gerechte auswahl zu treffen.




erst gegen mitternacht kam ich dazu, an meinen neuen bildern zu arbeiten und will jetzt gleich ins bett.  

es gäbe noch viel zu erzählen …



28.10.2017 - 01:16

heimspiel



unsere auftritte in weimar kommen mir immer mehr wie heimspiele vor. dieses mal war ich wieder live aus dem studio von radio lotte zu hören. und der mdr hatte einen dreißigsekündigen fremd moderierten spot in einem nachrichtenmagazin gesendet, für den ein team ausgerechnet in gera gefilmt hatte – der hintere teil des omnibus sah aus wie eine verführerische verkaufstheke. 

das und die ankündigung in der tageszeitung haben uns einen lebendigen betrieb beschert – gesprenkelt mit den schönsten wiedersehen & erlebnissen. und mit zeitlosen neuen entdeckungen.


hier könnten wir auch ruhig mal ne woche bleiben. dieses mal werden wir in fußläufiger entfernung vom zentrum das wochenende auf einem wohnmobilplatz mit strom & wasser verbringen. wir haben also noch zeit für streifzüge.




wir werden von menschen, die wir gerade erst kennengelernt haben, zum essen & duschen eingeladen. das wetter ist außergewöhnlich warm, denn im augenblick stehen wir in der morgendämmerung auf und arbeiten bis zur abenddämmerung. am wochenende wird die zeit umgestellt – dann wird es ab sechzehn uhr dunkel.



wir wollen versuchen, uns stilistisch darauf einzulassen und mit dem wandel der stimmung zu synkronisieren …



27.10.2017 - 01:02

rolle rückwärts

schon am samstag mittag haben wir erleichtert die grenze zu thüringen überquert und sind gleich auf die „eventfläche“ vor der kultur & kongreßhalle in gera gefahren – allein auf weiter flur:




während ich am sonntag langmütig die kassenbücher für das ganze jahr geschrieben und die belege monatsweise sortiert & zugeheftet habe, haben gabriele & yunus auf jeweils eigenen wegen die stadt erkundet. die stadt ist eigenartig abgelegen am äußersten östlichen rand des landes, sie war mal die residenzstadt der reußen und ihre blütezeit liegt offensichtlich lange zurück. 




wir haben uns bereitwillig in diesen „eastern blues“ fallen gelassen und das trio hatte einen schönen melancholisch mitfühlenden groove.




die arbeit lief wie am schnürchen. wir hatten einen schönen zeitungsartikel unter einer fürchterlichen schlagzeile, in der das wort „stimmenfang“ vorkam. scheint aber keiner bemerkt zu haben, denn die gespräche, die sich daraus ergaben, waren produktiv & freundlich.

am ende sind auf märchenhafte weise zwei neue talismane bei uns gelandet.



26.10.2017 - 00:22

purzelbäume

saxen hat mich schön ins schleudern gebracht. ich bin aus der kronologie herausgefallen und habe mich voll auf das leben konzentriert. auf das wesentliche & notwendige. totales inter esse. ich habe liebevoll & friedfertig ausschau gehalten nach schönheit & lebendigkeit …




gleichzeitig habe ich mich so gut es ging in die welt entäußert, unter der maßgabe: immer schön lokker bleiben.




dazu gehört eben auch, hier nicht zwanghaft irgendwelche reihenfolgen einzuhalten, wenn das trio miraculoso gerade breitbandig analog mit dem leben improvisiert. omi & opi da lang & der prinz aus dem morgenland. einfach zauberhaft.





ali baba fällt mir da ein und die märchen aus tausendundeiner nacht. so zauberhaft kann also arbeit sein. in den wenigen stunden, die mir blieben, habe ich lieber an bildern gearbeitet & gelesen: „qualityland“ von marc uwe kling. über dessen „känguru chroniken“ im netz kriegen sich leute, die zu faul zum lesen sind, vor begeisterung nicht mehr ein. das buch kann ich denen allen wärmstens empfehlen – es ist geschrieben wie ein schneller comic und geht rein wie butter.



25.10.2017 - 23:20