theo

theo hat seine bewährungsprobe mit bravour bestanden: er hat in zwei durchgängen den goldenen gürtel auf hochglanz poliert, der zuletzt für das talhof-fest in bawü poliert wurde. bei dreißig grad im schatten. er ist mir ein vergnügliches rätsel: er hat nie eine schule besucht, französisch ist seine muttersprache und er ist viel in europa herumgekommen. im moment lebt er mit seinem vater in einem winzigen kaff in der nähe von uslar. besonders interessant finde ich, was für wirkungen die digitalisierung bei ihm gehabt hat. sein medium ist ein smartphone, das ihm jemand geschenkt hat – er lebt damit in einer für mich unbegreiflichen symbiose – hat immerzu kopfhörer an und schaut zum beispiel bis spät in die nacht serien damit.

die langen fahrten und das kontrastprogramm in klein jasedow sind natürlich auch ein ganz seltsamer einstieg in die omnibus arbeit. dabei ist er freundlich & bereitwillig.

inzwischen hat er sich als der perfekte lotse erwiesen, denn jetzt sind wir schon zwei stationen weiter.

02.09.2019 - 01:14

ausflug

am freitag mittag habe ich kristoffer mit matthias‘ auto nach anklam zum bahnhof gefahren. dort ist eine profanisierte kirche dem andenken von otto lilienthal & dem traum vom fliegen gewidmet.

vor dem bahnhof stand dieses schild:

02.09.2019 - 00:31

klein jasedow

mein aufenthalt war ein seliger purzelbaum in zeitlupe und hat mir einen produktiven drall gegeben. ich habe meine bücher aufgefüllt und mit matthias, johannes & lara konzentrierte gespräche zum thema „muster des commoning“ geführt – in der knappen zeit von menschen, die mitten in einem leben leben, das mich völlig asynkron immer begleitet. wir haben uns zweimal für 2 – 3 stunden zusammengesetzt und über das thema improvisiert – das kann jetzt in ruhe reifen & blühen.

weil alle beschäftigt waren, konnte ich ganz für mich herumstöbern & schmökern: das buch von silke helfrich & david bollier zu ende lesen (das habe ich auch für den omnibus bestellt). außerdem habe ich ein manifest gefunden, das christopher alexander 1964 unter dem titel „a city is not a tree“ veröffentlicht hat. das hat einen tsunami in der akademischen welt ausgelöst und wirkt bis heute nach.

jede nacht habe ich ausgiebig den wie für meine spielweise geschaffenen gong gespielt – mit den über meine hände gezogenen weichen ärmeln meiner „gongjacke“ oder meinen nackten händen. ich konnte ziemlich lokker in eine von mir selbst erzeugte, lebendig pulsierende strömung eintauchen & wegschwimmen …

01.09.2019 - 23:55

himmlisch

am nachmittag türmen sich gewaltige cumulonimben auf – es grummelt in der ferne und die hitze ist bedrückend. alles ist in gespannter erwartung:

die gewitterchen lösten diese spannung nicht auf und vor allem brachten sie nicht den regen, nach dem die bäuerinnen sich wegen der pflanzen so sehnen.

als es gestern nacht gewitterte, habe ich im klanghaus mein eigenes gewitter entfesselt und nichts davon mitbekommen.

der aufenthalt hier ist ungemein erholsam für mich – ich kann die seele baumeln lassen & sinnieren. keine überflüssigen wörter schwirren herum.

ich fühl mich pudelwohl !?

30.08.2019 - 00:15

zweite etappe

sind die unverhofften einkehrtage in klein jasedow. zum ersten mal sind wir aus dem norden durch abenteuerlich schmale alleen gekommen. während der fahrt haben wir erfahren, daß theodor ein paar jahre ganz in der nähe gewohnt hat …

obwohl er mitten in der vorbereitung eines rituellen fests für seine beiden kinder steckte, hat uns matthias freundlich empfangen & eingewiesen.

wir stehen wieder an der „hauptstraße“ gegenüber vom klanghaus und der wunderbaren demokratischen schule.

theo hat herausgefunden, daß der omnibus bei google maps genau an der stelle beim holunderfest im frühsommer vor einem jahr zu sehen ist:

schon wieder so ein wink des himmels.

bei schönstem wetter konnten wir ganz entspannt ankommen und nach & nach die schönsten willkommen erleben.

besonders willkommen geheißen fühlte ich mich von dem riesigen erdgong. mit 1,5 meter durchmesser ist er der einzige seiner art und fühlt sich an wie für mich gemacht.

da kann ich mich voll verausgaben in der nacht & heilsame anwendungen machen, denn das klanghaus ist ein heiliger ort.

29.08.2019 - 01:08

erste etappe

auf unserer reise zum wasser volksbegehren in schleswig holstein. wie die heiligen drei könige folgen wir unserem stern.

nach einem lekkeren abschiedsessen im heimathafen sind wir – kristoffer, theodor & ich – sonntag bis zu einer autobahnraststätte auf der a 20 in mecklenburg-vorpommern gefahren und haben dort die nacht verbracht.

theodor ist ein siebzehnjähriger freilerner, den ich wunderfitzig beäuge.

und so sah es in der nacht an meinem arbeitsplatz aus:

oh wunder – ein zeichen des himmels.

28.08.2019 - 22:25

ich sinne nach

über die tour dieses jahr. das zusammenspiel am omnibus hat ein virtuoses niveau erreicht, das ich nicht für möglich gehalten habe – ein mütterlicher organismus mit unzähligen stimmen, in dem ich mich geborgen fühle und meine volle aufmerksamkeit auf das leben & die arbeit richten kann.

im moment denke ich darüber nach, ob ich die beiden banner für das volksbegehren in schleswig-holstein zum schutz des wassers am omnibus lassen soll. mein herz sagt ja, denn sie sind ja ein schönes sinnbild für unsere praktische arbeit und für die stimmung, die wir dieses jahr vorgefunden haben.

heute habe ich aufgeräumt, ballast abgeworfen & freiraum geschaffen. die technik scheint gut verarztet zu sein. am sonntag fahren wir für ein paar tage zeitfrei nach klein jasedow. zum auftanken …

24.08.2019 - 01:02

zeitfrei ?!

wenn ich allein bin, versuche ich, meine zeit ganz naseweis & frei laufen zu lassen. so habe ich mich an beiden tagen in der werkstatt tief in das neue buch von silke helfrich & david bollier hineingelesen:

kann ich nur wärmstens empfehlen.

währenddessen hat „mäuschen“ mit beharrlicher geduld & gründlichkeit meine liste abgearbeitet und nach & nach alle probleme gelöst. gestern mittag haben wir uns in bestem einvernehmen verabschiedet, nachdem ich eine 45 kilometer probefahrt gemacht hatte. vorn sind zwei neue reifen drauf – da mußten die radmuttern noch mit einem riesigen drehmomentschlüssel nachgezogen werden.

heute morgen stellte sich dann heraus, daß der boiler immer noch die störung hatte, wegen der er auf meiner liste gelandet war, obwohl „mäuschen“ einen mechanischen schaden repariert hatte. das hat mich voll aus meiner zeitspur geworfen. im endeffekt war ich gezwungen, mit dem omnibus zu dem ultimativen caravan heizungsspezialisten ins 80 kilometer entfernte mönchengladbach zu fahren, nachdem ich vorher mit brigitte’s auto kristoffer in witten abgeholt hatte – ich wollte nicht ohne lotsen fahren.

ich war so genervt, daß ich leider kein bild von der skurrilen firma gemacht habe – in wohnwagen untergebracht. den meister, der mir am telefon zu verstehen gegeben hatte, daß ich mich gefälligst mit dem omnibus zu ihm begeben müsse, um der sache kompetent auf den grund zu gehen, habe ich nicht zu gesicht bekommen. obwohl seine präsenz wie ein orakel deutlich zu spüren war. am telefon hatte er auch gesagt, er könne nicht garantieren, daß der omnibus auf seinen hof paßt.

sein gehilfe hat fachmännisch das problem begutachtet und mir beiläufig einige wertvolle tips für den umgang mit dem gerät gegeben. am ende hat er die steuerung ausgetauscht – wie meine schwäbischen getriebespezialisten. ich will mich wieder mal beim omnibus für seine zweckdienlichen hinweise bedanken – so geht das schon das ganze jahr und ich bin immer schlauer herausgekommen, als ich hereingefallen war.

nebenbei haben wir noch einige sachen erledigt, aber meine zeit war dahin – ich hatte mir einiges vorgenommen für heute. wie war noch mal die devise?

immer schön lokker bleiben !

vielleicht hilft ja johanniskraut.

23.08.2019 - 00:40

sono solo

jetzt bin ich schon drei tage allein im omnibus. acht unglaublich intensive wochen in weiblicher atmosfäre klingen in mir nach …

… und ich versuche, zu ergründen, was genau mein beitrag war und wie ich das gelernte weiterhin wirksam anwenden kann. diese wochen waren für mich ein praktisches beispiel von „sacred activism“ – mit dem omnibus als heiligem ort.

jetzt wohne ich wieder mit dem omnibus in der werkstatt und „mäuschen“ kümmert sich um unser wohlergehen.

zufrieden kann ich meine aufmerksamkeit nach innen schwenken und die vielen eindrücke abebben lassen.

21.08.2019 - 00:45

viva brandenburg

neuntausendeinundneunzig unterschriften sind in diesen fünf wochen zusammengekommen – ich bin restlos begeistert. so ein intrinsisches zusammenwirken habe ich noch nicht erlebt. das ist wohl mit „commoning“ oder „gemeinschaffen“ gemeint. das scheint eine weibliche qualität zu sein.

für diese erfahrung werde ich lisa, simone, lilith, lucia, brigid, cäcilia, deva, camilla, pauline, paula & wilma immer dankbar sein. das sahnehäubchen war dann stephan, für mich schon immer der inbegriff von intrinsischer motivation.

besonders hat mich gefreut, daß wir in kleinen städtchen die besten ergebnisse hatten – das war in prenzlau wieder so. ein fulminantes finale.

der touristische slogan heißt „prenzlau – stadt küsst see“ und wir konnten am abend & zwischendurch stimmungsvolle spaziergänge machen.

da ist auch dieses morfo entstanden:

ich habe brandenburg herzlich lieb gewonnen …

18.08.2019 - 01:24