der lauf der zeit

läßt sich hier im osten viel besser mit dem puls des lebens sünkronisieren. angesichts der astronomischen uhren in rostock & stralsund habe ich zum ersten mal von der „temporalen stundenmessung“ erfahren: dabei wird die zeit vom sonnenaufgang bis zum sonnenuntergang in zwölf gleiche stunden eingeteilt – ebenso für die nacht. die stunden werden elastisch & lebendig …

ich fühl mich verrückt in andere zeiten.

in den heiligen hallen von kirche & staat spinne ich eifrig fäden zum hier & jetzt.

die „temporale stundenzählung“ war eine bauernzeit – kosmisch gegliedert. da laß ich meiner fantasie freien lauf und finde auch skurrile zeitgenossen.

03.10.2020 - 02:17

rostock

unser auftritt in rostock war eine runde sache – alle administrativen klippen & potenziellen komplikationen haben wir lokker umschifft und lilith ist frisch & freudig eingestiegen. das wetter war prächtig und ich konnte so richtig schön verbindungen spinnen …

… und wunderfitzige zeitreisen unternehmen.

02.10.2020 - 00:42

doppelter salto rückwärts

wann immer ich in schwerin bin, versuche ich, christoph bai und seine wunderbare familie zu sehen und mich auf den neuesten stand zu bringen. dieses mal sind wir erst am freitag dazu gekommen, denn christoph stand vor der premiere eines klassenspiels mit der zwölften klasse und ist gleichzeitig noch klassenlehrer einer zweiten klasse.

wir hatten das glück, die zweite vorstellung am samstag abend aus der ersten reihe zu sehen: christoph hat da ein echtes meisterstück vollbracht – er war monatelang damit befaßt und hat alles allein verantwortet, womit bei einer theaterproduktion normalerweise etwa 20 menschen beschäftigt sind. in sichtlich vertrautem zusammenspiel mit den schülerinnen hat er ein kollossal vielschichtiges theater der herrschenden verhältnisse erarbeitet. mit offenem ausgang …

bravo bravissimo – dafür konnte ich es gern verschmerzen, meine anonymos-maske zu tragen. ich widme ihm in dankbarer erinnerung dieses „dokumentarische“ morfo, das in der nacht danach entstanden ist:

02.10.2020 - 00:14

mein sonnenschein

ich hab mich gefreut wie ein schneekönig, als virtuos überraschend pia wie eine fata morgana an meinem horizont erschien – ich nenne sie „meinen sonnenschein“. sie ist meine gute fee und befördert mich jedesmal sofort voll ins leben und heilt all meine wunden.

ich fühle mich wie ein ureinwohner der „pink republic“ und habe mir heute einen rosafarbenen kaschmirpullover gekauft.

obwohl pia nur kurz vorbeigehuscht ist, hat sie unsere lebensgeister geweckt und nachhaltig für beste laune gesorgt. mit lilith & hendrik habe ich so viele gemeinsame interessen, daß ich hier völlig aus dem takt gerate.

kurzer zeitsalto zum ursprung des erbarmungslosen tikkens.

kaum war pia weg, standen wir für den rest des tages in einer wundersam wärmenden sonne. wir haben die großeltern von hendrik kennengelernt und er hat uns alle zum essen in eine osteria ausgeführt, das wir in jeder hinsicht genossen haben.

hendrik hat sich übrigens seine mitfahrt am omnibus selbst zum geburtstag geschenkt, den wir am ersten abend gemeinsam gefeiert haben – eine jungfrau am übergang zur waage (interessante konstellation). er hat gerade seinen bachelor in soziologie gemacht. wir finden beide, daß cornelia koppetsch gegenwärtig in deutschland die interessanteste soziologin ist und leiden mit ihr unter dem medialen krieg, der gegen sie geführt wird. ich würde sie zu gern als meistin aushorchen.

für mich ist sie eine avantgardistische friedensforscherin.

wir sind drei tage in rostock und ich fühle mich glücklich geborgen im alltag. die ereignisse purzeln und vielleicht gelingt es mir noch, die vielen lükken nach & nach auszufüllen:

30.09.2020 - 00:38

wie im märchen …

wanja auf der ofenbank ist der held eines russischen märchens – „unser“ wanja hat uns – nach drei auch für mich kraftraubenden wochen im elend der großstadt – verlassen, an seinem letzten abend hat er uns noch feierlich zum essen ausgeführt. ich war froh, daß er hier die „normale“ arbeit unter freundlicheren bedingungen miterleben konnte, denn er hat sich wirklich heldenhaft bewährt und ich freue mich wunderfitzig auf weitere gelegenheiten, mit ihm zusammenzuspielen. derweil wünsche ich ihm alles mögliche …

die band ist auch ganz märchenhaft:

24.09.2020 - 22:54

salto vorwärts

ich hab mich dankbar von einem komplementären raum/zeit kontinuum mitnehmen lassen und mich im leerlauf dem viel gesünderen rhythmus hier im osten angeglichen.

die band hat einen lässig souveränen groove und das wetter läßt nichts zu wünschen übrig, obwohl wir den ganzen tag in der sonne stehen. der herbst ist schon zu spüren und meine abendlichen expeditionen spielen sich im dunkeln ab. hendrik & wanja lernen wunderfitzig unsere „normale“ arbeit kennen.

erleichtert arbeite ich an meinen bildern …

… und morfos

24.09.2020 - 00:15

fliegender wexel

endlich wieder im osten – unter freiem himmel. wir haben die banner abgeschnitten & alles freigeräumt. unsere bühne hier ist majestätisch …

passend zu dem obzön protzigen parlament der kleinsten landeshauptstadt:

23.09.2020 - 00:33

mummenschanz in schnöseldorf

wir haben erfahren, daß es in hamburg etwa 42.000 millionäre gibt und pro jahr etwa 400 obdachlose in der gosse verrecken.

am samstag abend lief nämlich eine demonstration an uns vorbei – ein total vermummter appell an die reichen, sich an den coronakosten zu beteiligen. ich mochte meinen augen nicht trauen.

die asozialen medien sind ja der ultimative maskenball und die digitalen eingeborenen kommunizieren sowieso hauptsächlich virtuell und ohne fleisch (igitt) & blut (igittigitt). also unterwerfen sie sich ganz brav dem maskenzwang und werden womöglich am eigenen atem autistisch verblöden. das nenne ich dann popkulturelle gewalt.

ich habe die demo wie einen asozialen porno an mir vorbeiziehen lassen und mußte an die müllhalde des schlechten gewissens von freitag denken …

die schnösel blieben vollkommen ungerührt.

22.09.2020 - 23:43

kommunale wurzeln

in allzunah ist mir klar geworden, daß ich mit den „camouflage“ bildern den grad der verwurzlung des omnibus an seinem jeweiligen ort in zeit & raum ausdrücken wollte.

wie eine glucke hat er sich dort eingenistet und schützend die flügel ausgebreitet. im nachsinnen fällt mir murray bookchin ein mit seinem modell des „libertarian municipalism“, was ich mit „freiheitlicher kommunalismus“ übersetzen würde. seit zwei jahren übe ich das, was ich von ihm gelernt habe, praktisch in meinem alltag – allzunah war – ganz unabhängig von der campagne, der wir treu & eifrig gedient haben – die intensivste herausforderung, die WIR bravourös gemeistert haben.

wie ich einst meinen bruder enoch tabak kennengelernt habe, ist danilo musso aufgetaucht: 20 jahre alt, italienische mutter, nach seinem abitur in einer gesamtschule mit der transsibirischen eisenbahn nach china – dort nach drei monaten wegen corona ausgereist worden – im begriff, in osnabrück „kognitionswissenschaften“ zu studieren usw. ich war hin & weg und hab ihm angeboten, von freitag morgen bis sonntag abend in den omnibus zu kommen, mit uns zu arbeiten, nach moorburg zu fahren und uns samstag nachmittag nach schnöseldorf zu begleiten, wo das finale von „volksabstimmung21 – bundesweit“ zelebriert wurde.

so konnte er dabei sein, als der omnibus womöglich zum letzten mal über die köhlbrandbrücke gefahren ist.

wir haben uns wunderfitzig kurzgeschlossen und erfreuen uns jetzt schon an einer breitbandigen verbindung …

in dankbarer erinnerung widme ich ihm diesen „fliegenden teppich“.

22.09.2020 - 00:32

nix wie weg

freitag abend sind wir zum letzten mal durch unsere schleuse zum „alten land“ gefahren.

san alfredo’s hausstand mußten wir so zurücklassen, ohne ihn noch einmal in fleisch & blut zu erleben. lisa & ich hatten mehrmals am telefon mit ihm geredet, ohne genaueres zu erfahren. bei dem netten polizisten haben wir noch eine gnadenfrist bis montag herausgeschlagen – dann kommt die müllabfuhr.

vor unseren und der armen seelen ungläubigen augen hat sich freitag nachmittag ein absurdes spektakel abgespielt.

volt, die junge paneuropäische partei, hat eine sammlung für die flüchtlinge von moria über die asozialen medien ausgerufen und in wenigen stunden wucherte dort wie krebs eine riesige müllhalde, für die die laster zu klein waren. das machen sie in allen großstädten …

da hilft nur zen, um meine fantasie im zaum zu halten.

oder fahrräder.

20.09.2020 - 23:28