wir sprechen japanisch

aussichtslos, alle auf dem laufenden zu halten – heute ist die omnibus wie eine diva auf dem laufsteg in die mitte von rom stolziert, bewacht von soldaten & polizisten und flankiert von alten steinen & den ausgeburten des massentourismus, den die eleganten ureinwohnerinnen kaum noch ertragen können.

das alte rom – ich bin verliebt in die gassen der altstadt & die römische eleganza – und das bezieht sich auf die menschen & die urbane atmosfäre und schließt ausdrücklich die polizisten & die soldaten mit ein. wir hatten einen unglaublich reichhaltigen tag. das spinnrad lief auf vollen touren.

gestern abend durfte ich am eigenen leib erleben, was „la piazza“ für die italienerinnen bedeutet. am nachmittag gab es für die gäste des global forum eine offizielle führung durch das italienische parlament, nachdem sich alle in einem freudigen trubel kennengelernt & wiedergesehen hatten. für die herren gab es krawattenzwang, während die frauen wahrscheinlich am liebsten halbnackt erscheinen sollten. ich habe es weidlich ausgekostet, daß ich mit meinen nackten füßen des hauses verwiesen wurde. mein jüngster bruder enoch hat sich mir mit vergnügen angeschlossen und wir sind zusammen mit andreas, der mir im vergangenen herbst die frohe botschaft verkündet hat, daß das global forum 2018 in rom stattfindet, zu einem restaurant gelaufen, in dem sich später alle treffen sollten. auch edda & markus, unser zusätzliches filmteam, hat sich uns freiwillig angeschlossen. dieses restaurant lag auf einer intimen piazza, die nur durch schmale gäßchen zu erreichen war. das restaurant hatte noch nicht geöffnet. also sind wir in eine kleine, zur piazza geöffnete bar gegangen, deren chefin resigniert die augen rollte, als sie realisierte, daß wir auf den ersten blick touristinnen waren, keinen wein tranken und kein essen bestellten. mit ihrem mann haben enoch & ich gleich angebandelt, weil er wirklich rauskriegen wollte, wer wir waren – und die sprache dabei eine sehr untergeordnete rolle spielte. wir haben uns augenzwinkernd verständigt, als immer mehr nachzügler unsere runde vergrößerten. er hat uns dann alle zwischendurch mit lekkeren knabbereien versorgt – und wir haben die bar in bestem einvernehmen verlassen …

inzwischen hatte das restaurant geöffnet und es wurden fix lange tischreihen arrangiert und gefühlte 100 menschen aus aller welt saßen in quirliger lebendigkeit zusammen, geborgen im schoß der piazza in einer art meta-intimität, in der sich oszillierende konstellationen intensiv füreinander inter-essierten & gebannt lauschten. nebenbei wurden laufend tische für das einheimische publikum umgebaut, das die piazza im alltag bevölkerte und uns mit leichtigkeit und römischer eleganz assimilierte – das ist für mich der inbegriff von urbaner fruchtbarkeit – sowas läßt sich nicht am reißbrett planen. die piazza verschmolz mit den menschen zu einem viel größeren ganzen.

es bleiben noch riesige lücken zu füllen. ich bitte um geduld.

26.09.2018 - 02:01