ramon

jonas hatte mir schon einiges über seinen freund ramon erzählt. wir hatten verabredet, daß er (jonas) derjenige sein sollte, der ihn einarbeitet in unser komplexes zusammenspiel.

wenn die beiden nicht kurzfristig & freiwillig eingesprungen wären, wäre die absurde situation entstanden, daß ich beim sammeln allein gewesen wäre. jonas mußte dann gleich dienstag nach berlin weiter.

ich hatte mir einen temperamentvollen argentinischen lockenkopf mit mehr oder weniger starkem spanischen akzent vorgestellt und war einigermaßen verwirrt, als er sich als „normaler“ deutscher entpuppte – darüber hinaus noch als rheinische frohnatur & geborener verkäufer, der hemmungslos & beharrlich erstaunlich viele unterschriften sammelt – wir haben gerade ganz allein zu zweit in zwei tagen „glückstadt“ fänomenale 310 unterschriften gesammelt und damit jeden tag eine freudige überraschung erlebt – besser gehts nicht.

der zeitungsartikel mag geholfen haben:

salto rückwärts

husum und humus haben die gleichen buchstaben – diese urtümliche stadt hat unsere arbeit sprießen & gedeihen lassen – wir konnten entspannt unser bestes geben – bei wild wexelndem wetter & industriellem tourismus in der hochsaison. wir haben hier im norden einen besonderen sinn ausgebildet für dänen & touristen, die zwar nicht unterschreiben können, aber durchaus unsere volle aufmerksamkeit verdient haben und ein paar freundliche wortwexel, die unseren groove aufs schönste beleben.

die häuser wenden ihre höchstpersönlichen gesichter der straße zu und schlängeln sich zu lebendigen silhouetten aneinander.

unser platz war optimal – wir standen mit dem rücken zu einem belebten marktplatz vor einem großzügigen bürgersteig. dort hatten uns norbert & andrea schon geduldig erwartet und fürsorglich willkommen geheißen. norbert ist einer der ersten förderer, die ich für meine arbeit geworben habe, als wir uns im rahmen der startaktion von „menschen für volksabstimmung“ in berlin kennengelernt haben – im mai 2001. damals lebte er im stockkatholischen eichstätt und praktizierte als gestalttherapeut. sein haus ist eine beliebte OMNIBUS haltestelle geworden, wenn wir in der gegend waren.

ich hatte ihn mindestens 10 jahre nicht mehr gesehen, aber von seiner damaligen frau gerda, mit der ich auch verschwistert bin, erfahren, daß er in den hohen norden zurückgekehrt ist, weil er seine ganz große alte liebe andrea wiedergetroffen hat. eine echte romanze – ich hab mich damals sehr für ihn gefreut. endlich konnte ich die beiden mal in fleisch & blut erleben. wir waren gleich in einem friedlichen einklang. norbert hat uns jeden tag bei der arbeit geholfen …

als ich ihm meine wunde gezeigt habe, hat er das ganz wörtlich genommen und spontan seinen förderbeitrag verdoppelt und mir die hälfte für dieses jahr bar in die hand gegeben. am zweiten abend sind wir zu einem lekkeren abendessen bei einem edlen italiener eingeladen worden. anschließend hat uns andrea ein gemeinschaftsatelier gezeigt & erklärt, das sich auch als stadtentwicklungsprojekt in einem problemviertel versteht …

und so weiter und so fort. ehe ich mich in schwärmereien verliere: ich will nur sagen:

husum war humus für meine seele.

zwei schwellen

heute – 24.07.23 gab es in neumünster zwei schwellenereignisse:

mit 2.119 unterschriften haben wir die 2.000er hürde deutlich übersprungen

und

mit 214 unterschriften hatten wir das bisher beste tagesergebnis.

wir hatten lebhafte unterstützung von lokalen aktiven menschen und eine gut bevölkerte pressekonferenz am morgen.

ramon hat an seinem ersten tag ein beeindruckendes ergebnis erzielt.

sonntag 23.07.23

den wexel von sabine & elias zu jonas & ramon nehm ich zum anlaß, mal einen aktuellen zwischenstand zu vermelden:

bis dato haben wir eintausend neunhundert fünf unterschriften gesammelt – bei wild wexelndem wetter – kaum zu glauben.

wenn wir abends unsere urne auskippen und den papierberg in zehnerpäckchen sortieren, freuen wir uns bisher immer über das ergebnis. an manchen tagen befürchte ich nämlich, daß wir zu zweit oder zu dritt keine hundert unterschriften zusammen bringen wegen sturm, platzregen, gewitter, brüllender sonne oder mangels publikum.

am freitag in heide kam alles zusammen und wir hatten einhunderteins unterschriften im kasten. wenn wir uns keine sorgen machen, sind wir eben glückspilze.

wir konnten das wochenende im hinterhof eines kulturzentrums verbringen, etwa 200 meter luftlinie zu unserem standort modimi. wir hatten einen schlüssel für toiletten und wasseranschluß. von da sind elias & sabine abgereist.

heute hat die famose ramona mir nachschub gebracht und unsere ausbeute abgeholt. ich genieße jede gelegenheit, mich mit ihr voll analog zu sinnkronisieren und bewundere ihre pragmatische kompetenz. anschließend bin ich guten mutes.

endlich

bin ich dazu gekommen, ein OLK-bild von elias zu machen, dem ich zu verdanken habe, daß ich unsere arbeit aus vollem herzen genießen kann – sinnvoller gehts nicht.

meine spontanen ahnungen vom „artisten“ erfüllen sich nach & nach und ich bin voll begeistert von ihm. wenn ich unser zusammenspiel beschreiben will, taucht das schöne wort „kongenial“ auf – ich wußte nie, was es genau bedeutet.

weil wir so in der gegenwart aufgehen, komme ich natürlich hier zu nix mehr und es entstehen riesenlükken, weil ich nachts oft lieber an meinen bildern arbeite, die jedes für sich viel zu erzählen haben. das sind meine verdauungsprodukte und mein bescheidener versuch, aus scheiße gold zu machen.

seit ich das bild von elias gemacht habe, ist schon wieder soo viel passiert und das zusammenspiel ist immer besser geworden. morgen wird er mich für eine woche verlassen und ich vertraue darauf, daß die vorfreude auf ihn mich bei laune halten wird. es gelingt mir im moment, immer schön lokker zu bleiben und das beste aus mir raus zu holen.

das ist mein remix eines bildes, das norbert in husum von mir aufgenommen hat – hier noch ein suchbild von husum zur nacht:

und noch ein promi

heute habe ich gelernt, daß theodor storm, der berühmteste sohn von husum, sein weltbekanntes meisterwerk „der schimmelreiter“ erst in hohem alter kurz vor seinem tod geschrieben hat – nach einer dramatisch mäandernden biografie, die mich ganz wunderfitzig macht.

fanfare

in schönstem einvernehmen mit serpil midyatli, der landesvorsitzenden der spd, die kostbare stunden ihres vollen terminkalenders geopfert hat, um uns am zweiten tag in husum publikumswirksam beim sammeln zu unterstützen.

mit ihr kann ich so schön von instanbul schwärmen …

groovy

die drei tage in flensburg waren ein „fest der arbeit“ – elias & ich waren allein im OMNIBUS und haben mit hilfe der lokalen band vom vorigen jahr, die stundenweise eingestiegen ist, 581 unterschriften zusammengebracht. wenn wir voll besetzt gewesen wären, hätten wir leicht doppelt so viele unterschriften sammeln können.

die unverschämte frechheit, mit der unsere repräsentanten unsere geduldig erkämpften rechte zu demontieren versuchen, scheint die demokratie-bewegten nicht weiter zu berühren – es fehlen freiwillige sammler aus dem theoretischen überbau. übernäxte woche kommt es zu der absurden situation, daß ich ganz allein im OMNIBUS bin.

inzwischen ist mir das egal und ich genieße lieber das perfekte zusammenspiel mit elias und lasse gelassen alles mögliche auf mich zukommen, ohne mir den kopf zu zerbrechen.