die gemeinde sind wir

so hieß die veranstaltung, zu der michael von rené roco aufs podium eingeladen war. es war ein freudiges wiedersehen mit rené roco, den wir in bozen kennengelernt haben. und mit unserem alten freund stefan lausch aus alto adige. wir haben die frau von rené roco und die freundlichen menschen, die seit über 20 jahren alle zwei wochen die zeitschrift „zeitfragen“ herausbringen, kennengelernt – die hatten auf der buchmesse einen kleinen stand. das kann ich aus vollem herzen „ehrenamt“ nennen – die sind immun gegen mißliebige äußere einflüsse! ich hab die zeitschrift gleich für den omnibus abonniert und wir sind reich mit büchern & informationen beschenkt worden.

die veranstaltung hatte eine lebendige dramaturgie und endete mit einem praktischen beispiel, das den titel leibhaftig verkörperte: die bürgermeisterin einer kleinen sächsischen gemeinde, die sich ganz unverdrossen des schicksals dieser gemeinde angenommen und die kommunalen lebensgeister aufgeweckt hat. die gemeinde sind wir. tolle frau.

„kommunale intelligenz“ – dieses büchlein von professor hüther habe ich zehnmal für den omnibus bestellt und auf mein kindle geladen …

anschließend hatte rené für uns alle in dem unglaublichen gewimmel einen tisch reserviert, wo wir unser palaver bei lekkerem essen fortsetzen konnten.

und dann: jeder für sich – rein ins monumentale getümmel & schlaraffenland der bücher. das menschengewimmel war märchenhaft gesprenkelt mit aufwendig & bunt verkleideten & geschminkten manga & fantasy-enthusiastinnen – dafür gab es eine eigene halle. ich habe mich lieber auf die bücher konzentriert und interessante entdeckungen gemacht und antiquarische schätze gefunden. am stand des fischer verlags habe ich mich persönlich über die vergewaltigung von naomi klein beschwert.

das messegelände ist ein großkotzig auftrumpfendes westbauwerk, das ich als bewußte demütigung empfinde. leipzig ist wahrscheinlich schon viel länger ein messestandort als zum beispiel frankfurt oder düsseldorf. leipzig ist gleich nach der wende von westlichen aasgeiern für den massenkonsum zugerichtet worden. dabei wirkt die mit westkohle gebaute neue architektur ziemlich gesichtslos & gleichgültig & langweilig gegenüber den eleganten altbaupassagen der innenstadt und den charaktervollen außenbezirken.

diese ubahnstation fand ich allerdings gelungen zeitgenössisch. apropos ubahn: da hatten wir bei der anfahrt tokyotische zustände – vollgestopft mit menschen auf tuchfühlung. enoch ist am samstag abend zurück nach erfurt gefahren – er hat mir umsichtig mitfühlend ein wichtiges kleines buch zurückgebracht: „nach hause kommen“ von der initiative „neustart schweiz“.

michael & ich sind am sonntagvormittag mit dreimal umsteigen nach hause gefahren – ereignisvoll-besinnlich.

27.03.2019 - 03:28