ganz schnell weg aus der hauptstadt

ich habe ein paar heftige raum/zeit kapriolen – dem himmel sei dank – hinter mir.

auf einem pflasterstein habe ich eine versteinerte flechte (?) gefunden.

das wochenende habe ich in einer meiner lieblingskarawansereien verbracht: auf dem gelände der klinik havelhöhe – dieses mal allerdings wegen corona (was sonst?) ohne toilette und stromversorgung. vor allem konnte ich nachts nicht wie bisher im eurhythmiesaal klavier spielen.

am morgen habe ich meine tasche in einen rucksack verwandelt, mich auf mein faltrad geschwungen und war im nu bei egon in alt kladow, der uns liebevoll betreut hat, obwohl er wegen eines todesfalls in der familie total eingespannt war. ich habe ihn schon lange in die riege meiner klansgeschwister aufgenommen. samstag abend hat er mich zu „unserem“ italiener eingeladen und wir hatten zeit & ruhe für ein inniges gespräch über gemeinsame möglichkeiten, das wir am sonntagnachmittag resümiert haben.

am sonntagmorgen hatte ich noch die gelegenheit, ausführlich mit jan zu sprechen, dessen rapide reifung ich staunend bewundere. wir hören uns mit reziprok ausgespannter aufmerksamkeit zu.

dann kam berlin und es war furchtbar: alle, die sich für bedeutsam hielten, haben sich freiwillig mit masken verstümmelt und den ellbogenstoß zelebriert. die parteifuzzis haben automatischen flachsinn verzapft. die architektur rundum wie ein eiskalter hochsicherheitsknast. wegen corona durften nur wenige menschen rein und der omnibus war das selbstorganisierte public viewing, denn unter einem pavillon war ein großer bildschirm installiert, der von uns mit strom versorgt wurde.

einziger lichtblick war susanne, die wie immer ehrlich & klar & tief begründet ihr anliegen vorgebracht hat – sowas sollte als erstes in jeder tagesschau gesendet werden! sie hat keinen zweifel daran gelassen, daß sie die auftraggeberin aller politikerinnen ist und sie fürstlich entlohnt. ich hoffe sehr, daß es eine aufzeichnung des events gibt, die blütenstaubmäßig freigesetzt werden kann.

der omnibus stand als tote dekoration dabei und niemand hat sich auch nur im geringsten für seine arbeit oder meine unmaskierte person interessiert. „me too“ kann ich da nur anmerken.

diesem ungesunden ambiente wollte ich so schnell wie möglich entkommen, wobei ich das fahren in berlin jedesmal wie ein städtebauliches seminar empfinde …

es endete – wie bei lucky luke mit einem ritt in den sonnenuntergang.

27.10.2020 - 23:51