ausgeflogen

heute habe ich pia in pforzheim zum bahnhof begleitet – damit sind jetzt beide engel in ihre jeweiligen welten ausgeflogen.

dieses bild habe ich zum abschied von simone in calw aufgenommen – als ich die beiden aufgefordert habe, mal ernst zu schauen, sah das so aus:

wir waren ein herz & eine seele – unisono – besser gehts nicht!

mir wird immer deutlicher, daß unser unternehmen für alle beteiligten am besten gelingt, wenn meine mitspielerinnen – unabhängig von alter & geschlecht – meine überhaupt nicht altersgemäße sehnsucht nach mütterlicher fürsorge erfüllen. dann läuft der laden unerschütterlich.

jetzt bin ich schon wieder ganz woanders – und riesige lükken klaffen in der kronologie.

global forum

wir standen zusammen mit der „european public sphere“ in eisigem schatten weitab vom geschehen. am anderen ufer war wohlig warmer spätsommer.

andererseits ziemlich zentral: gleich neben dem beliebtesten postkartenmotiv und dem gigantischen hyperbahnhof in der anderen richtung.

dadurch im gesamtgeschehen auch wieder klitzeklein & unbedeutend. das lebendigste, was da entstehen konnte, sah etwa so aus:

wir alle – der omnibus & meine engel & ich – fühlten uns wie besucher aus einer parallelwelt, auch & besonders weil unsere unschuldige einreise in die schweiz zu einem kafkaesken alptraum eskalierte: ein paar kilometer nach der grenze forderte uns ein polizeiwagen auf, ihm zu folgen – und lotste uns auf komplizierten wegen zu einem technischen untersuchungsamt der polizei. wir wurden gewogen & vermessen. ich wurde in die grube zitiert und auf verschiedene technische mängel hingewiesen. alle papiere (auch die ausweise der engel) wurden geprüft und es stellte sich heraus, daß die vignette, die mir freunde am goetheanum mit der versicherung geschenkt hatten, damit könne ich das ganze jahr über in die schweiz einreisen, lächerlich unzureichend sei. ich müsse eine tageweise schwerlastabgabe zahlen, die etwa 150 euro betrage. ich könne mir eine äpp runterladen und mit meiner mastercard digital bezahlen. meine mastercard funktionierte nicht. pia hat versucht, mit der kreditkarte ihres vaters zu bezahlen, aber der war gerade wandern. am ende hat simone’s mutter bezahlt … und wir dachten, jetzt sei alles erduldet … ich wollte nur noch unsere papiere & die quittung abholen … da erklärte mir der „bad cop“ ( der „good cop“ hatte sich schon längst verzogen) ohne mit einer wimper zu zukken, der omnibus sei einen zentimeter zu hoch und er müsse die angelegenheit an die staatsanwaltschaft weiterleiten – er hielt mir wie einem analfabeten verschiedene diagramme vor, um mir den weiteren gang dessen, was nun auf mich zukommen würde, zu erklären. damit ich weiterfahren könne, müsse ich allerdings noch eine kaution von etwa 500 euro bei ihm hinterlegen, wovon mir eventuelle differenzen erstattet würden. und ja, die könne ich auch mit der ezehkarte bezahlen, mit der ich meine tankrechnungen begleiche. meine fantasie galoppierte mir davon: ich bin schon öfter in die schweiz gefahren – ich bin bis nach istanbul gefahren, nach holland & nach frankreich. und durch dänemark. und zweiundzwanzig jahre durch deutschland. als gast eingeladen zum „global forum on modern direct democracy“ ins mutterland der direkten demokratie – und dann sowas!

ich vermute, dies ist der längste beitrag überhaupt geworden – das gegenteil von epistemologischer askese – aber ich mußte das loswerden. ohne meine engel hätte ich das nicht heil überstanden. sie haben mich quasi nach luzern getragen und ich konnte die schweiz bestaunen und alle hirngespinste vergessen.

das ist noch längst nicht alles.