gut erholt & dankbar

bin ich von altenburg weggefahren – elementare bedürfnisse wurden gesättigt und vom offiziellen irresein war wenig zu spüren. ich bewundere den lässigen groove von kilian’s bande und die praktischen konsequenzen – im osten wartet so viel potenzial …

pioniere

das ist ein blick aus kilians gegenwärtiger wohnung auf den „roߟplan“: das ist der platz, den sie bespielen …

rechts betreiben sie ein „mitglieder späti“ – eine lustige einkaufsgenossenschaft – da quirlt das leben. sie haben zwei lastenfahrräder mit akkus – in der stadt geht es rauf & runter …

das ist das kleine – das groߟe hat eine geräumige ladefläche – ich hab es nur aufrecht stehend in einem dunklen treppenhaus gesehen. die lastenräder stammen aus einem raffinierten baukasten aus standardteilen, die verschraubt und jederzeit austauschbar sind – das sind richtige bolo transporter. leider habe ich den namen vergessen.

und an der stirnseite des platzes als krönung: das „casino“, in dem sie schon die tollsten sachen veranstaltet haben. auߟerdem haben sie noch fünf parzellen in einer kleingartenanlage zu ihrer freien verfügung. da haben wir gemeinsam die zutaten für ein geselliges abendessen geerntet.

mir war das alles sehr sympathisch und ich werde die weitere entfaltung wunderfitzig verfolgen. und über ein praktisches zusammenwirken nachdenken.

ein bolo nistet sich ein: wunderbar !

jubel trubel heiterkeit

wir haben ein perlend lebendiges wochenende auf dem wohnmobilplatz am groߟen teich verbracht. ganz unverhofft haben sich von samstag auf sonntag emil & clara & joshua mit einem wohnmobil zu uns gesellt, die sich gleichzeitig sehr dafür interessierten, was kilian mit seiner band hier auf die beine gestellt hat – es entstand ein vielseitig oszillierender netzknoten, in dessen gebrumm ich mir die namen aller beteiligten nicht merken konnte. ich habe alle fühler ausgefahren und viel sympathische resonanz & nützliche informationen empfangen.

den namen meines neuen urenkels werde ich natürlich nie mehr vergessen:

„koko“ – die koseform von „aren kolo“

er hat bei mir alle lebensgeister mobilisiert und ich habe ihn staunend bewundert … koko klingt afrikanisch & afrika ist die wiege der menschheit.

morgen erzähle ich wahrscheinlich weiter …

kleiner zeitschlenker

mit altenburg verbindet mich eine süߟ melankolische erinnerung:

hier wurde mir vor vielen jahren mein berühmter verkrumpelter ledermantel gestohlen, in dem ich jahrelang gewohnt hatte. der groߟvater der umhängetasche, die ich immer mit mir herumtrage. ich hab das als harten schicksalsschlag empfunden und mir den mantel von der seele gerissen.

„was, DER mantel ?“ haben alle entsetzt gefragt, denen ich von meinem verlust erzählt habe.

monate später ist ein wunder geschehen: die polizei von altenburg hat mich angerufen und mitgeteilt, daߟ der mantel wieder aufgetaucht sei und ich ihn dort abholen könne (ich war da etwa 600 kilometer entfernt). der mantel war unversehrt – es fehlte nur die sternschnuppe, die ich als handschmeichler in der tasche hatte. ich hoffe, der dieb hat sie nicht weggeworfen.

heute lasse ich meiner fantasie freien lauf und stelle mir vergnügt vor, wie der dieb vergeblich versucht, den mantel anzuziehen, der nämlich voll mit mir verwaxen war. deshalb sah jeder auߟer mir automatisch wie ein stück scheiߟe aus.

wieder winzig

anderthalb tage in altenburg – auf einem der längsten marktplätze deutschlands. eine tausendjährige sehr ehemalige residenzstadt, die nach der „wende“ wahrscheinlich ein drittel ihrer einwohner verloren hat. leerstände ohne ende. üppiges potenzial, das nach entwicklung und praktischen impulsen ruft. wer aus dem rattenrennen aussteigen will, hat hier tausend möglichkeiten, sich mit dem puls des lebens zu synkronisieren und heilend auf mutter erde einzuwirken.

genau das hat kilian, dem ich mich brüderlich verbunden fühle, mit seiner band hier praktisch unternommen. ich habe mich sehr darauf gefreut, den entwicklungen meine volle aufmerksamkeit zu schenken und so viel zu lernen wie möglich …

salto rückwärts

in der band gab es flieߟende wexel – am montag mittag ist regine aus weimar nach gotha gekommen, um danilo am dienstag den einstieg zu erleichtern, mit dem ich mich voriges jahr in hamburg kurzgeschlossen habe. er hat eine italienische mutter und wäre der ultimative dolmetscher für die romreise gewesen. wir haben viele gemeinsame interessen und ich habe mich sehr auf ihn gefreut. er studiert kognitionswissenschaften in osnabrück und weiߟ noch nicht so recht, was er davon halten soll.

regine & carl haben danilo in die täglichen abläufe eingeweiht und wir haben uns flüssig eingespielt. es war sehr hilfreich, daߟ regine eingesprungen ist, um den endspurt von „abstimmung21“ zu bewältigen. wie immer hat es mein herz erfreut, von weitem ihr lachen zu hören.

nachdem ich die daten von gotha an brigitte geschickt hatte, ist das netzteil meines mekkbukks nach 12 jahren endgültig kaputt gegangen, genau in dem moment, in dem der computer unbedingt funktionieren muߟte. ich fiel in ein loch von negativen spekulationen, aus dem mich carl erlöst hat, indem er das unmögliche wahrgemacht und in einem chaotisch vollgestopften handyladen mit einem sympathischen betreiber ein neuwertiges originalteil zum halben preis gefunden hat. ich hatte schon alle hoffnung fahren lassen.

unverhoffte überraschungen sind typisch für unser zusammenspiel und praktische beispiele intrinsischer motivation. ohne viele worte. danke.

als boygroup sind wir dann nach altenburg gefahren … und von kilian & anton herzlich willkommen geheiߟen worden.

und

mein alter freund emil hat mich am tag seiner einschulungsfeier noch mal sehen wollen, bevor es losgeht. clara & joshua wollen ihm so wenig schule wie möglich zumuten und haben ihn in der ersten freien schule der neuen bundesländer eingeschult, wo er – wenn er will – vier jahre im sand spielen kann.

er hat mir diese hochelegant minimalistische zeichung geschenkt:

die entfaltung eines künstlers …

jena

geburtsstadt der optischen gerätschaften und objektive. damit auch ursache der aggressiven bilderfluten, die über uns hinwegrollen – werbeindustrie & virale propagandastürme. auf den ortsschildern steht „stadt der wissenschaft“. der jena tower soll ein sinnbild dafür sein – bei näherem hinsehen sieht der schäbig & zerlebt aus.

es ist interessant, daߟ die stadt unter allen machthabern ein perfekt untertäniger & eilfertiger wissenschaftsstandort war, der ganze stolz der jeweiligen regimes. auch jetzt witterte ich überall razis, nach neuester mode westlich geschminkt und natürlich voll verstümmelt mit den giftigen kaffeefiltern. sonnengebadet waren wir quantitativ weniger erfolgreich als im düsteren & verregneten gotha.

eine heilige berührung hat mich gerettet: am ersten tag kam ivonne (mit i) zu mir – eine schöne vierzigjährige mit kahlem schädel – und wir haben uns gleich wunderfitzig angestrahlt und ohne umschweife kurzgeschlossen. ich habe sie mit material versorgt und mich an ihren fragen gelabt. am stehtisch vor dem omnibus unter einer warmen sonne. mein herz hüpfte, als sie am zweiten tag mit noch präziseren fragen wiederkam. ich habe sie in den schattigen omnibus eingeladen und wir haben uns ausführlich verschwistert. ich habe mich bemüht, ihr nicht zu viele bücher zu schenken und fühle mich innig verbunden. irgendwann wird sie in unserer band mitspielen …

pommes für meinung

in gotha hatte sich übrigens gleich gegenüber ein fernsehteam des mitteldeutschen rundfunks aufgebaut. sie hatten einen imbiߟwagen engagiert, wo unter dem motto „pommes für meinung“ die passantinnen mit den köstlichsten snacks angelockt wurden. das waren alles ganz normale freundliche menschen. nachdem wir offline ins gespräch gekommen waren, haben sie uns gleich drei freie kostproben spendiert und regine hat den koch kennengelernt, der diesen job geangelt hatte und sich als echter meister seines fachs entpuppte – seine happen waren echte gaumenkunstwerke und viel mehr wert als das ganze drumrum.

ich kann deutlich mitempfinden, was für ein glücksfall dieser auftrag für ihn ist – in diesen irren zeiten. er beschenkt so viele menschen wie möglich mit den früchten seiner kunst. wir alle können aufmunterung gut gebrauchen.

als medienabstinenzler schaue ich staunend den bodentruppen der propagande bei der arbeit zu und kann mich durchaus solidarisch mit ihnen fühlen – nichts liegt mir ferner, als mit ihnen zu streiten.