
auf dem weg nach jena bin ich schon wieder mit nostalgischem vergnügen über meine urkilometer auf der a 4 gefahren …
… und durch den modernsten tunnel europas.


auf dem weg nach jena bin ich schon wieder mit nostalgischem vergnügen über meine urkilometer auf der a 4 gefahren …
… und durch den modernsten tunnel europas.


mit carl mit zeh bin ich sonntag nachmittag bei strömendem regen nach gotha gefahren, wo der „gothaer“ herstammt, das verzeichnis der adligen personen. es gibt eines der größten barockschlösser überhaupt – ein unglaubliches monster – ein eiterpickel auf der haut von mutter erde.
und:
hier wurde die sozialdemokratische partei gegründet. jedenfalls hat die stadt ihre blütezeit schon lange hinter sich. seit ich in thüringen bin, erlebe ich wahre massen von über 60-jährigen touristen, die durch diese städte geschleust werden und frage mich, was sie da suchen ? und die städte übertünchen in dem bemühen, wirtschaftlich zu gesunden, häufig ihren organisch gewachsenen charakter – das einzig interessante – mit westlicher schminke. das ist eine tragödie, an der ich mit leide. mein ddr blues, dem ich mich mit melancholischer freude hingeben kann. wäre es nicht besser, wenn die wessis zuhause blieben und sich alle daheim auf ihre besonderheiten besinnen und ihre jeweiligen spezialitäten gemeinschaftlich weiter entwickeln würden ? dann wäre es nicht überall gleich häßlich.





wie schön & lebensnah dagegen die orte, die ich in diesem jahr besucht oder gefunden habe …
auf der kommunalen ebene sehe ich überall die größten demokratischen spielräume, die nach direkter praktischer teilhabe rufen.


in erfurt war dann wieder hochbetrieb und wir waren voll bei der sache. langsam schlich sich ein schauderhaftes nieselwetter in die arbeit ein – und wir luden die menschen in den omnibus ein. im sitzen sind die meisten menschen zugänglicher & aufmerksamer und vielleicht deshalb waren wir ziemlich erfolgreich. unser zusammenspiel gelang ganz mühelos.
und es waren leider schon die beiden letzten tage mit johannes. in anbetracht seines jurastudiums haben wir unser festival mit „erin brockovic“ beendet. für mich war es besonders interessant, johannes in der stadt zu erleben, in der sein busenfreund enoch studiert hat …

das ist die berühmte krämerbrücke von der seite gesehen.
freitag abend bin ich mit carl nach „drei gleichen, ortsteil cobstädt“ ungefähr in der mitte zwischen erfurt & gotha zu freundinnen, gefahren, die dort geduldig versuchen, landwirtschaft mit sozialarbeit zu verbinden und ein dörfchen heilend zu beleben.

wir sind herzlich empfangen und mit allem versorgt worden, obwohl irmhild, unsere kontaktperson, irgendwo am bodensee war. leider hat es die ganze zeit in strömen geregnet, sodaß wir keine geländebegehung machen konnten. ich habe mir diesen ort als interessantes beispiel von regionalentwicklung vorgemerkt und werde bei jeder gelegenheit diese haltestelle ansteuern …

in der endphase von „abstimmung21“ müssen wir jetzt unsere ergebnisse möglichst zeitnah in eine tabelle eintragen und brigitte zufliegen lassen. weil wir so erfolgreich waren, habe ich zum ersten mal diese aufgabe übernommen. mein schoßcomputer ist 12 jahre alt und hat mehr & mehr kompatibilitätsprobleme – und stürzte ab, ehe ich mir angewöhnen konnte, jeden datensatz einzeln zu speichern – da glaubte ich schon, mehr als die hälfte der arbeit geschafft zu haben. zurück auf anfang! das passierte dann noch einige male, aber dann hatte ich nur einen datensatz verloren. am ende war ich erleichtert & stolz, meine zwanghaften neigungen produktiv instrumentalisiert zu haben – der regen hatte also auch was gutes.




eisenach wird immer westlicher. hier habe ich vor einundzwanzig jahren den berühmten „ersten blick“ auf den omnibus geworfen und war hin & weg. ein schneckenhaus mit vertauschten rollen. ideal für einen bekennenden spinner …



hier kam der betrieb endlich wieder auf touren – wobei viele der menschen, mit denen wir gesprochen haben, touristinnen waren. haha.
carl & johannes habe ich frei gegeben, damit sie sich – jeder an einem tag – das automobilmuseum anschauen konnten – das ist für mich die „perle“ von eisenach.

und das ist die schattenseite – da wird bestimmt nichts schönes reingebaut.

dieses bild, das mich schon vor zwei jahren fasziniert hat, hing immer noch im gleichen schaufenster – das soll mir mal eine gendern.

ach ja: güsen – da haben johannes & ich unser filmfestival begonnen …

sonntag mittag sind wir sauber & aufgeräumt runter nach thüringen gefahren. wir haben auf der a 4 die stelle gestreift, an der ich mich zum ersten mal hinter das lenkrad des omnibus gesetzt habe. vor 21 jahren war die a 4 noch eine holprige zweispurige autobahn mit viel auf & ab – jetzt ist sie dreispurig, glatt & eben. ungeheure erdmassen müssen da bewegt worden sein.
bevor wir auf unseren platz in creuzburg gefahren sind, habe ich den jungs noch das baumkreuz gezeigt und wir haben auf dem rückweg an der tankstelle getankt, an der ich oft vor der baumpflanzung schnatternd die nacht verbracht habe.

ein tag creuzburg war die perfekte einstimmung auf unsere thüringen-tour. zum einstieg sind wir auf die creuzburg gestiegen und haben stilvoll getafelt – ich hatte wildgulasch. nachher sind wir auf mäandernden trampelpfaden um die burg herum zum omnibus gelaufen.
am morgen nahm der tag dann ganz sanft fahrt auf und carl hatte endlich gelegenheit, sich in gesprächen mit fremden menschen zu üben und sein neues wissen praktisch anzuwenden.
bernd burkhard hat uns mit einer üppigen käseplatte bewirtet und den jungs von der „wendezeit“ erzählt, die beide bisher noch keines der neuen bundesländer „befahren“ haben und wunderfitzig lauschten. auf unseren fahrten habe ich ihnen von meiner dankbaren verneigung vor dem osten erzählt und wie ich es liebe, der ddr nachzuspüren.

die uralte werra brücke soll jetzt als überleitung nach eisenach dienen …

demnächst in diesem theater.

mit einem schlag auf „meinen“ gong läute ich die lükkenfüllerei ein, denn seit klein jasedow habe ich den faden verloren – allein über die zeit dort gäbe es noch viel zu erzählen.
keno & die mädels waren eine echte all star band – unisono bienenfleißig & zufrieden.

simone hat mich nach kalbe (milde) gelotst. unterwegs haben wir in stendal am bahnhof carl aufgelesen und zwei junge menschen abgesetzt, die wir von klein jasedow mitgenommen hatten. so konnte simone carl noch eine blitzausbildung angedeihen lassen. es macht mir jedes mal viel freude, die entfaltung ihrer persönlichkeit mitzuerleben.



in kalbe war es dann wieder verwunschen wie im auenland und die uhrzeit machte ferien. wie vor drei jahren beim „potenziale festival“ standen wir vor dem pfarrhaus und ich hatte ausgiebig gelegenheit, meine freundschaft mit dieter borchert zu vertiefen, der als pfarrer 21 dörfer seelsorgerisch betreut und mit ganzem herzen bei der sache ist. er hat sich nie etwas anderes gewünscht & keinerlei hierarchische ambitionen. auch die jungs haben gespannt seinen geschichten gelauscht, denn er ist ein weltläufiger dorfpfarrer & eingefleischter bücherwurm. zum abschied hat er mir die hand aufgelegt und mich gesegnet, was ich als nichtkrist wie ein heiliges sakrament annehmen konnte – es war eine labsal in dieser irren razizeit.



die entschleunigung hielt dann auf eine andere weise auch in güsen an, wo wir auf dem ehemaligen bahnhofsgelände standen. in güsen ist frank jansky als anwalt niedergelassen. ich kenne ihn seit fast zwanzig jahren. er hat in sachsen-anhalt den urstromtaler als regiogeld ins leben gerufen und jahrelang den dachverband der regiogeld-initiativen in ganz deutschland geleitet. regionalentwicklung ist seine herzensangelegenheit und er hat damit begonnen, den „bahnhof 17“ in ein kulturzentrum zu verwandeln – während wir da waren, lief eine ausstellung namens „glänzende aussichten“ mit „99 karikaturen zu klima, konsum und anderen katastrophen“. die wurde tagsüber von der ganzen beträchtlich angewachsenen familie (eltern & 5 kindern, die gerade sommerferien hatten) betreut. wir wurden liebevoll bekocht und haben abends alle zusammen im freien gegessen. die kinder haben sich gleich in den omnibus verliebt und wir in die kinder – und obwohl wir wenig publikum hatten, herrschte ein wundervoller trubel.



mit katy, einem pflegekind, das frank unter seine obhut genommen hat, habe ich mich besonders gut verstanden. carl ist mit einem sohn zum einkaufen nach magdeburg gefahren und johannes, der fußballprofessor, hat einem anderen sohn zu seinem ersten stadionbesuch verholfen. der hat sich übrigens schon für eine mitfahrt im nächsten jahr beworben.

genug für heute – ich geh ins bett!

in der kronologie habe ich der neuen band zuliebe lükken entstehen und sich anstauen lassen …

links im bild ist carl mit zeh, der so mutig war, sich aus dem stand für fast zwei monate zum dienst zu melden. das traut sich kaum einer. er hat die praktischen abläufe sofort begriffen und in güsen mit affenartiger geschwindigkeit den goldenen gürtel auf hochglanz poliert …

inzwischen hat er die volle bandbreite unserer arbeit erlebt und fügt sich beflissen & brüderlich in das geschehen ein und stellt wunderfitzige fragen, an denen ich mich laben kann – nicht von ungefähr trägt der omnibus auf der stirn das goldene fragezeichen.

und johannes, den wir gestern schon wieder verabschiedet haben, ist ein ganz besonderer solitär, den ich von anfang an wunderfitzig bestaunt habe. ich habe ihn als busenfreund von enoch vor fünf oder sechs jahren kennengelernt. obwohl wir uns sehr selten sehen, fühlen wir uns ständig friedlich verbunden. manchmal überrascht er mich mit handgeschriebenen briefen, die ich wie kostbarkeiten hüte. er hat gerade sein erstes staatsexamen der jurisprudenz hinter sich und ist mein professor der fußballsoziologie. als er mir erzählt hat, daß er sich kontrapunktisch zum sturen büffeln bei filmen entspannt, haben wir einmütig beschlossen, ein intimes filmfestival zu veranstalten: ich habe ein dutzend meiner lieblingsfilme herausgesucht und wir haben an neun abenden jeweils einen film angeschaut. weil wir sein meckbuck mit meiner vasenförmigen zauberbox verbunden haben, gab es keinen kabelsalat und keine umständlichen auf & abbauten.
alle filme und auch die reihenfolge waren volltreffer und wir saßen bis in die nacht hinein bei anregenden gesprächen zusammen. ich habe die zeit mit ihm voll ausgekosten und freue mich schon auf das nächste mal.

hier verspeise ich gerade eine sowjetische köstlichkeit, die seine oma zubereitet hat.

ich hatte keine zeit, ausführlich über diese prallvollen tage zu berichten und werde mich wohl demnächst mit einem bilderbogen bescheiden …

400 kilometer später zeigte sich, daß der verbrauch wieder „normal“ bei 37 litern lag. und ich habe bei etwa 3.000 km bereits zweimal öl nachgefüllt. an mir kann das nicht liegen, denn ich bin so zart & einfühlsam gefahren wie möglich. bin ich etwa zu vertrauensselig?
da geht meine fantasie in der falschen richtung mit mir durch und ich spreche beschwörend auf mich ein:
immer schön lokker bleiben!

der niedrigste verbrauch aller zeiten – ich dachte erst, das sei ein rechenfehler oder die anzeige in der säule sei kaputt.
ich bin mit dem neuen motor jetzt etwa 2.500 kilometer gefahren und hab ihm gleich meinen besten willen gezeigt, indem ich ihn möglichst frei hab laufen lassen, bis er zufrieden brummte. ich hab brav öl & kühlwasser vermessen und dem neuen klang gelauscht: etwas rohrender – wie eine harley davidson, aber durchaus sympathisch.
er scheint mich auch zu mögen und ist als treibende kraft in unsere band eingestiegen.

halleluja


die rasselbande auf der ladefläche und mein bruder matthias sind mit mir im omnibus durch die rumpelige kleine allee und einmal links bis zur hauptstraße gefahren. meine liebe namensvetterin beate hat uns mit dem fahrrad begleitet und mein bruder johannes, der übrigens der erste war, für den ich diese verwandtschaftliche metapher verwendet habe, ist mit dem alten fendt hinter uns her getukkert und hat alle wieder heimgefahren.

ich habe mich während meines aufenthalts ohne viele worte ganz daheim gefühlt und ausgiebige heilbäder in dem urwüchsigen klang „meines“ gongs genossen – direkt mit meinem körper moduliert …

ich bin dann vom äußersten nordosten 400 kilometer um berlin herum in den westen des ostens gefahren, habe in stendal am bahnhof carl aufgelesen, den bruder von brigid (die mich vor zwei jahren als „gute-laune-sammlerin für das „bienen-volksbegehren in brandenburg begeistert hat) und bin bei einbruch der dunkelheit in kalbe (milde) gelandet, auch so ein „dorf“, auf das ich mich gefreut habe.
da beginnt ein neues kapitel mit einer neuen band und ich muß einige lükken lassen.