fünf stunden

bin ich mit freya unter praller sonne & mit offener tür zu diesem ankerzentrum gefahren – in neustadt an der weinstraߟe, wo alle in ein heilloses rechts/links dilemma verstrickt sind und unbedingt das hambacher schloߟ als gesinnungssymbol für sich reklamieren & ausschlachten wollen. deshalb dürfen wir über nacht nicht auf dem marktplatz stehen und müssen jeweils morgens dort anfahren. mir gefällt es hier besser als auf dem touristisch bewirtschafteten marktplatz, wo wir nach einem ersten stadtbummel unser begrüߟungsessen für dorothee & jonas zelebriert haben. sie sind beide ganz neu am omnibus und ich bin sehr froh, daߟ freya sie morgen in den omnibus-alltag einweisen und dafür sorgen wird, daߟ wir uns wohlbehalten auf diesem ominösen marktplatz installieren können.

morgen fängt dann auch passend ein neuer lebenszyklus in unserer blumenvase an. apropos lebenszyklus: auf der fahrt habe ich mich mit freya auch über das siechtum des wo lang blogs unterhalten – ich hatte befürchtet, daߟ ich mich mit meinem digitalen gefummel da rausgeschmissen hatte, weil ich schon so lange keinen beitrag mehr mitgekriegt habe. aber da war auch tatsächlich so lange nichts mehr los. traurige sache, weil die verbindungen zu mir, die sich dadurch nebenbei ergeben haben, gleich mit gekappt werden.

prompt kam dann heute ein beitrag von enoch, der durchblicken lieߟ, daߟ er durchaus ein bedürfnis hat, sich da zu öffnen und die potenziale dieses mediums zu erkunden. also spreche ich hier mal die grundsätzliche einladung aus, zum schatz der er-fahrungen beizutragen, denn ich verfolge ohnehin diese spur und sehe da viele möglichkeiten. stichwort: verbundenheit unabhängig von zeit & raum. da sind wir ja schon weit vorangekommen.

diese bilder habe ich auf meinem abendspaziergang gemacht: wer denkt denn da an neustadt an der weinstraߟe?

erleichtert

… weil mir erspart bleibt, daߟ enthemmte deutschland-fans den omnibus attackieren, schaue ich mir im afrikanischen strampelanzug die achtelfinalspiele der weltmeisterschaft an, von weit auߟen. ich kapiere zum beispiel überhaupt nicht, daߟ es schlagartig nirgendwo „public viewing“ gibt. ich schaue mir das an wie die „documenta“ und hätte mir zum beispiel heute gewünscht, daߟ die japaner gewinnen.

mir fallen enoch & johannes ein, die intelligentesten & sympathischsten fuߟballfans, die ich bisher kennengelernt und mit vergnügen studiert habe. hallo, hallo – ich sende die wärmsten grüߟe und würde mich gern mit euch über die wm unterhalten.

morgen ist meine halbzeit zu ende und freya – die mich überhaupt dazu gebracht hat, fuߟballspiele anzuschauen – wird mich nach neustadt an der weinstraߟe geleiten, berühmt für gutes wetter. mir ist das wetter unheimlich – als ob die sonne dem omnibus folgen würde. paar wolken wären mir lieber. im omnibus läߟt es sich nur aushalten, wenn ich gleich morgens alle fenster & türen aufreiߟe.

langsam aber sicher mühe ich mich mit der endgültigen inbetriebnahme & synchronisation des neuen eifohns herum, die schon lange hätte vonstatten gehen sollen.

meine aufenthalte hier im heimathafen sind immer wieder kleine erholungen & gelegenheiten, mich zwischendurch mal zu sortieren. ich fühle mich gastlich aufgenommen & beschenkt.

dieser erste anblick, der sich mir beim aufwachen bot, illustriert sehr schön, wie ich mich fühle.

sommerhitze

mit dem vollmond ist auch hier im revier die augusthitze ausgebrochen, die den omnibus im norden & osten begleitet hat, während wir vom süden & westen ganz andere berichte gehört haben – zum beispiel von rinnsalen, die sich blitzartig in reissende flüsse verwandelt haben. in den letzten tagen in friesland hatte es hie & da genieselt und der himmel wurde grau. war mir ganz recht.

während am omnibus die letzten arbeiten gemacht wurden, bin ich mit voll runtergedrehten seitenscheiben erst mal zum haareschneiden zur saskia gefahren und habe das grafitto besucht, das mich beim letzten mal so fasziniert hat.

dieses mal bin ich in den laden reingegangen und habe mich nach der künstler erkundigt – von einem sympathischen mann habe ich erfahren, daߟ die arbeit teil eines street art festivals namens „wright“ war und daߟ der künstler sich „enoc801“ nennt. es gibt im öffentlichen raum noch mehrere arbeiten von ihm zu sehen, zum beispiel vor dem theater von bochum. der mann hat mir auch noch einen katalog des festivals geschenkt, in dem auch noch weitere der beteiligten künstler mit arbeiten vertreten sind. obwohl ich in dem katalog ein interview mit „enoc801“ gelesen habe, habe ich nicht die geringste vorstellung davon, wie er aussieht. aber seine arbeiten rufen laut & klar nach mir.

mir fällt da gleich yunus ein – der ist auch so ein wanderer zwischen morgenland & abendland – und natürlich enoch in tokio – wie er die geheimnisse der japanischen schrift & poesie erkundet.

anschlieߟend bin ich nach meckenheim zur emiko gefahren und habe mich mit ein paar trillionen unsichtbaren helferlein für das biotische milieu im omnibus eingedeckt. dort lief gerade ein em-seminar und ich konnte mich mit meinem freund reinhard mau, dem gründer der emiko, kurzschlieߟen & auf den neuesten stand bringen. im winter will ich ihn mal besuchen und begutachten, wie er seine ausscheidungen in den kreislauf des lebens einschleust. es belustigt mich sehr, wie er die prächtigen früchte seiner arbeit in frieden genieߟen kann, wenn er gierigen besuchern erzählt, daߟ sie aus seiner scheiߟe gediehen sind.

in diesem kostüm bin ich dann zu frau taha, meiner schneidermeistin, gefahren, um zwei neue bunte strampelanzüge anzuprobieren, die wir gemeinsam entworfen haben, einen weiteren westafrikanischen & einen europäischen, dessen muster & farbstellung ich ihr vertrauensvoll überlassen habe. wir haben die feinheiten besprochen und am körper mit stecknadeln festgemacht.

sollte die hitze uns weiter begleiten auf unserer tour, bin ich jetzt bestens ausgerüstet. da war telepathie im spiel, weil ich mich seit dem winter nicht bei ihr gemeldet hatte (sie ist eine viel beschäftigte frau) …

heute morgen nach dem frühstück war der omnibus fertig und ich habe mich herzlich dankbar von mäus’chen & jürgen verabschiedet und den wiederum brüllend heiߟen tag im hafen verbracht – mit vielen kleinen erledigungen, gastlich betreut von ulrike & michael. bei meinem abendspaziergang habe ich mich dann auch in street art versucht:

zum schluߟ das wettermorfo:

mäus‘chen

ich habe so gelacht, als ich das erste mal seinen kosenamen gehört habe – als „kleinster“ unter lauter riesen. er ist wieder unser pfleger & seelenmasseur. der chef ist offline auf mauritius. seine vertretung ist jürgen – der jüngste. die beiden haben uns liebevoll & aufmerksam aufgenommen und mir den schlüssel für die werkstatt überlassen.

seit einem jahr sind die sanitären anlagen meine sorgenkinder – heizung & warmwasser. im winter haben wir nur erfahren, daߟ wir vom hersteller keine hilfe erwarten können. wir haben keine lösung gefunden. es knakkte ungefähr zwanzig mal, ehe der brenner für das warme wasser gezündet hat und das gebläse war sehr laut …

nun haben die beiden das wunder vollbracht, den womöglich weltweit einzigen spezialisten aufzutreiben, einen winzigen betrieb in mönchengladbach. gestern habe ich von logistischen improvisationen gesprochen und gleich heute hatte ich die gelegenheit: mäus’chen hat die heizung ausgebaut und fachmännisch in dem kastenwagen der firma verstaut und mir einen navi programmiert. jürgen hat mir ein bündel geldscheine für die reparatur in die hand gedrückt und ich bin mit dem firmenwagen mit voll runtergedrehten seitenscheiben nach mönchengladbach gefahren. auf dem hof gab es auߟer wohnmobilen auch eine gut besuchte imbiߟbude. ein mann kam freudestrahlend auf mich zu, der den omnibus beharrlich in ein kleines dorf nahe iserlohn eingeladen hatte, bis freya ihn erhört hat und vor zwei jahren sogar selbst bei dieser veranstaltung dabei war. in mönchengladbach entdeckt der mich ohne omnibus, im auto einer lkw-werkstatt. wir haben uns kurzgeschlossen & ausgetauscht – mich würde es freuen, wenn wir wieder was zusammen machen würden.

und flugs war die heizung repariert und ich konnte mich auf den rückweg begeben. es war mir ein vergnügen, mäus’chen beim einbau der heizung zu beobachten und ihm bei bedarf zu assistieren – er arbeitet sehr geduldig & genau, mit einer vorliebe für spielerische lösungen. am ende fiel uns ein stein vom herzen, als der boiler nahezu geräuschlos funktionierte.

ich habe heute das neue buch von otto scharmer angefangen – es ist sehr auf die praktische anwendung ausgerichtet und hilfreich für die kunst des lebens.

morgen gehen die logistischen improvisationen weiter mit der koordination von mindestens drei terminen …

im stall

dieser anblick bietet sich mir beim schreiben – ich verbringe mit dem omnibus die nacht im stall – es gibt eine sonderprüfung und die letzte gelegenheit, sich um den technischen zustand zu kümmern – bis zum ende der tour bin ich nicht mehr zuhause. ich versuche, etwas auszuspannen und beiläufig alle möglichen aufgelaufenen sachen zu erledigen …

… wenn ich schön lokker bleiben will, sind komplexe logistische improvisationen notwendig. kein ende abzusehen und ich bin so zufrieden wie möglich.

democracy in motion

während des auftritts von johannes fiel mir sofort unsere südost-europa-tour ein und die hoch konzentrierte aufmerksamkeit, weil verschiedene sprachen im spiel waren. im publikum waren keine deutschen muttersprachlerinnen, aber alle waren voll bei der sache. insofern war das ein besonders gelungener auftritt, der damit endete, daߟ die zuhörerinnen beim nächsten mal über ökonomie sprechen wollen – johannes fährt nochmal zu den 100 tagen. die reise kann ich nur wärmstens empfehlen.

die sehr gelungene tafelzeichnung habe ich oben auf einem bett nach hattingen kutschiert – in meinen heimathafen, wo ich hoffe, diese woche meine digitalen geräte mal auf die reihe zu bringen und ernsthaft den übergang zu meiner neuen telefonnummer einzuleiten – hier noch mal zur erinnerung:

null eins fünf eins – eins acht vier vier acht zwo null neun / 0151 – 18448209 – im augenblick läuft da eine rufumleitung hin und ich kann schon mal neue bilder machen …

… während noch tausend bilder vom vorläufer hier herüber geschaufelt werden müssen – kann mir jemand einen tip geben, wie ich das am einfachsten bewerkstellige

friesische morfos

die sind in den letzten prall gefüllten tagen entstanden – wir empfinden unseren aufenthalt bei louwrien & egon als überaus anregend. es kam noch eine junge künstlerin mit kamera hinzu, die uns unbedingt interviewen wollte und nur niederländisch und englisch sprach. egon hat jeden tag für alle ayurvedisch inspirierte mahlzeiten gezaubert, während er schnibbelnd den gesprächen lauschte.

gestern mittag kamen dann johannes & christoph an und es war köstlich, dem wiedersehen von louwrien & johannes beizuwohnen und ihren gesprächen zu lauschen.

louwrien ist eine liebenswürdige alte dame, die in der ganzen welt herumgekommen ist – auch im fernen osten. sie hat eine hellwache auffassungsgabe & einen reichen erinnerungsschatz. wie eine lebensweise & wohlwollende königin. wir haben eifrig an unserem netz gesponnen und sind nun für immer in verbindung.

das ist nicht nur eine optimale omnibus haltestelle, das ist ein ausländisches konsulat in einem beschaulichen dorf mit einem riesigen friesischen himmel.

100 tage beuys

wir stehen in dem winzigen friesischen dorf ferwert gegenüber von einem ehemaligen schönheitssalon, den louwrien & egon für ihre aktionen gemietet haben. ihr laufendes projekt, zu dem morgen auch johannes stüttgen anreisen wird, heiߟt „100 dagen joseph beuys 2018“. so lange, wie die documenta dauert, sind die beiden anwesend und offen für alles. sie laden interessante menschen ein für vorträge & gespräche, sie zeigen filme. egon kocht für die gäste. der schönheitssalon ist eine schatztruhe mit den schönsten preziosen & raritäten zu joseph beuys.

louwrien hat als junge frau viel dafür getan, joseph beuys mit dem dalai lama und andy warhol zusammenzubringen. sie hat auf der ganzen welt unzählige gespräche mit den protagonistinnen der kunst, der wissenschaft, der ökonomie, der ökologie und der spiritualität aufgenommen, veröffentlicht und archiviert. ich vermute, daߟ da auch noch einige schätze ihrer erlösung harren, die bisher mangels finanzieller unterstützung nicht bearbeitet werden konnten. wir haben uns alle spontan angefreundet und jeweils viele fragen aneinander. die beiden sind ganz begeistert vom omnibus und wir haben heute schon ein gespräch von brigitte & louwrien aufgenommen, die sich prächtig verstehen, obwohl sie verschiedene muttersprachen sprechen.

egon kommt ursprünglich aus düsseldorf, lebt aber schon ewig in den niederlanden. die beiden haben bis vor fünf jahren in amsterdam gelebt und sind weltweit zusammen unterwegs gewesen. so ergibt sich ein lustiger mischmasch aus niederländisch, englisch, plattdeutsch und deutsch, der die atmosfäre angenehm auflokkert und unsere aufmerksamkeit stimuliert.

ich habe endlich mal den beuys-film anschauen können, über den so viel geredet wurde. als rhea thönges darüber gesprochen hat, wie fremd sich beuys als kind schon in seinem elternhaus gefühlt hat, habe ich schlagartig begriffen, wieso ich schon immer eine affinität zu ihm gespürt habe.

und hier erfahre ich auch, daߟ joseph beuys friesische vorfahren hat und schwelge umso mehr in meiner zuneigung zu den friesinnen.

buiten

seit gestern abend bin ich im niederländischen teil von friesland, an der küste, vor der die insel ameland liegt. dort habe ich in meiner frühen jugend mehrmals die sommerferien verbracht, mit katholischen altersgenossinnen …

das bild ist ein dokumentarischer zeitstempel und der versuch, hier wieder einen lässigen rhythmus zu finden – es gäbe so viel zu erzählen.

bei meinem nachtspaziergang haben meine nackten füߟe das ziegelpflaster entdeckt & genossen, das hier üblich ist. eine interessante variante – meinen füߟen hat sie gut gefallen.

brigitte hat mich wohlbehalten in dieses buitenland gelotst, das ich schon als kind als völlig andere welt empfunden habe. jetzt ist es wieder so und ich öffne alle kanäle zur gegenwart, die ich eher in bildern metabolisiere …

eine hommage an pierre soulages.

und ein kleiner ausblick auf heute.