blackout

heute ist hier im norden weiträumig der strom ausgefallen. und damit auch das netz. für mindestens fünf stunden. die aha-erlebnisse ploppten allenthalben auf. eis wurde zu schleuderpreisen angepriesen und mittags gabs keine warme mahlzeit. das maind weitete sich aus und alle versuchten, sich ihre apokalyptischen ahnungen nicht anmerken zu lassen.

ich fantasierte über anarchistische hacker & verwitternde machtstrukturen. und realisiere gleichzeitig: wenn sowas sich häuft, bin ich in meiner inspirierenden & belebenden symbiose mit dem omnibus ganz schön aufgeschmissen. odrrr?

fliegender wexel

schlagartig sind wir in der groߟstadt – auf einem unbekannten kahlen platz im flutlicht. zwei niedere amtspersonen wollten mich für die nacht verjagen – am ende sind sie mit drohend erhobenen zeigefingern abgedampft.

ein neues trio für drei tage in der groߟstadt: das fühlte sich ziemlich absurd an. jonathan war noch nie am omnibus und in der groߟstadt gehen einzelne sammler im gewimmel unter, wenn sie keinen ankerplatz finden oder aus dem sammeln einen tanz im rhythmus der stadt machen. in meinem kopf ratterte die rechenmaschine.

die beiden haben mir richtig leid getan, denn ich hatte ideale bedingungen. ich stand mit schlanken füߟen wie auf dem präsentierteller im schatten und konnte mich lokker verausgaben. jonathan ist sofort voll eingestiegen und auf simone kann ich mich sowieso verlassen. hier sind sie am ende des zweiten tages zu sehen, als sie errechnen, daߟ wir bis jetzt 5.035 unterschriften gesammelt haben – besser gehts nicht.

nachtisch

wenn ich unterwegs bin, läuft ein gedicht aus autokennzeichen immer mit. konkrete poesie.

als ich die hoffnung längst aufgegeben hatte, diese kombination zu finden, habe ich sie am sonntag auf einer abgeranzten vw-pritsche auf dem hof dannwisch entdeckt: noch ein bild von pinneberg.

die wundersammlerinnen

simone & isa nehme ich nach einer woche mit kuߟhand in die riege der wundersammlerinnen auf, was in etwa einem omnibus-bachelor entspricht.

mit deva könnten die beiden das ultimative mädchentrio bilden – wir wären meistinnen zusammen.

isa muߟte samstag mittag abreisen und ist noch mit zum hof dannwisch gefahren, wo wir aufmerksam empfangen & liebevoll in ruhe gelassen wurden. und wir hatten gelegenheit, runterzukommen und in friedlicher eintracht & vertraulichen gesprächen diese prallvolle woche ausklingen zu lassen …

das ist die einzige zufahrt zum hof dannwisch – schleuse zu einem erholsamen paralleluniversum und einer idealen omnibus-haltestelle. esther & thomas sind einverstanden.

hof dannwisch ist eine 800 jahre alte hofstelle am urstromtal der elbe, die ursprünglich zu einem kloster gehörte. der hof wird seit 60 jahren biologisch-dynamisch bewirtschaftet. drei bauernfamilien teilen sich die arbeit und möglichst viele der produkte werden direkt vermarktet. es arbeiten rund 60 menschen dort. soweit ich das beurteilen kann: ein mustergültiger betrieb.

es war schon wieder ein traum-wochenende. am samstag abend sind esther & thomas mit einem groߟen topf spargelsuppe & lekkeren schinkelröllchen zu uns in den omnibus gekommen zu einem unterhaltsamen abendmahl mit kennenlernen. die landwirtschaft ist für mich ein groߟes thema und ich hatte viele fragen.

bei einer kleinen betriebsführung haben sie uns auch den hofkindergarten gezeigt, in den ich am liebsten gleich reingekrochen wäre. zum abschluߟ haben wir die hühner ins bett gebracht – die am tag tausend eier legen.

die zeit verfloߟ unaufgeregt & lokker und nebenbei habe ich noch 600 seiten in dem superspannenden neuen roman von frank schätzing gelesen.

laut & deutlich: danke an alle beteiligten.

andersrum

am zweiten tag in pinneberg war der sorgfältig ausgesuchte platz durch die staatsgewalt verboten. ich habe überhaupt keine lust zu streiten und versucht, andersrum den besten platz zu finden.

ich stand mal wieder den ganzen tag mit geschwollenen füߟen in der prallen sonne – die drostei, das gesicht der stadt, stand uns gegenüber. die wenigen menschen suchten nach schatten und konnten den omnibus weiträumig umgehen. es war doch kein artikel in der zeitung, obwohl die redakteurin uns wohl gesonnen war. uns allen kam die stadt schon ziemlich abgegrast vor. die beharrlichkeit, mit der isa & simone & benjamin unterwegs waren, kann ich nur bewundern.

am nachmittag ist benjamin abgedampft zu neuen taten. er hat absolut zuverlässig sein pensum erfüllt und sogar noch zwischendurch den gröߟten teil des goldenen gürtels gewienert.

kristi himmelfahrt

an feiertagen haben wir keine sondernutzungsgenehmigung – beim kampfsammeln ist das verschenkte zeit. ich versuche deshalb, feiertagee zu ignorieren und zum beispiel ganz unschuldig & selbstverständlich auf dem platz stehen zu bleiben und für jegliches inter-esse zugänglich zu sein.

mit kristi himmelfahrt hatten wir unverschämtes glück: es fiel ganz geschmeidig zusammen mit unserer premiere auf hof dannwisch, auf die ich mich gefreut habe, seit ich im vorigen sommer esther & thomas kennengelernt habe. in schönster abendsonne wurden wir mit liebevoller aufmerksamkeit aufgenommen und mit allem versorgt. heute war „zufällig“ groߟes hoffest.

für die „volksinitiative zum schutz des wassers“ die ultimative sammelgelegenheit. die mädels haben ganz unverwüstlich alle rekorde gebrochen. spielstand am abend: 4.200.

die logistik des fests lief wie am schnürchen und es hat die gute stimmung kaum gestört, daߟ es seit langem zum ersten mal geregnet hat und deutlich kälter geworden ist.

durch diese hohle gasse sind wir zufrieden wieder nach pinneberg gefahren und haben den omnibus synkopisch verdreht installiert – morgen soll es einen zeitungsartikel geben.

und das schönste ist: morgen abend fahren wir für das wochenende wieder zum hof dannwisch …

pinneberg

diese bilder habe ich von meinem ersten abendspaziergang in pinneberg mitgebracht – kontrapunktisch zu den beiden postkartenmotiven gestern.

mitten im gesicht

der ansonsten völlig gesichtslosen stadt habe ich den omnibus installiert – eine echte win-win-gelegenheit, die die amtsinhaber nicht wahrnehmen konnten und gewaltsam unterbunden haben: wenn wir am donnerstag abend wiederkommen, ist es uns ausdrücklich verboten, wieder so zu stehen. so what? ich werde mich nicht darüber ärgern – schlieߟlich stand ich den ganzen tag im schatten – ich sehe schon wieder ziemlich wettergegerbt aus.

der tag war ein sinnenschmaus – eine frau mit strohhut hat fleiߟig mitgesammelt und die mädels sind naturtalente. am ende des tages war unser zählerstand: 3.777 !!!

elmshorn

heute morgen um halb sieben wurden wir von unserem platz verjagt – da war nichts zu machen. wir landeten verborgen in der hintersten ecke des platzes. der einzige vorteil war, daߟ ich wenigstens den vormittag über schatten hatte. die sympathischsten menschen hatten schon unterschrieben und es tröpfelte so dahin …

isa war an ihrem allerersten tag die erfolgreichste sammlerin. ich ahnte es schon: die eurythmie hat uns den tag gerettet. wir landeten durchaus zufrieden bei circa 350 unterschriften.

die drei

heute morgen um acht kam simone an – sie war in berlin um halb sechs losgefahren. wir sind in elmshorn, einem wirrwarr miteinander streitender bauwerke. zum sammeln eignen sich nur der platz vor dem omnibus, den ich leicht allein bedienen kann, und eine abgeranzte, immer schäbiger werdende fuߟgängerzone bis zum bahnhof. da haben sich simone & benjamin reingestürzt und ich habe sie den ganzen tag über nur jeweils kurz gesehen.

simone scheint die geborene kampfsammlerin zu sein. das sage ich, ohne sie heute bei der arbeit miterlebt zu haben, denn sie war den ganzen tag unterwegs. mir war plötzlich sonnenklar, daߟ sie in ihrem element sein würde.

benjamin ist ein alter sammelhase, den ich überhaupt nicht zu beaufsichtigen brauche.

ich stand den ganzen tag in der sengenden sonne und hatte dicke füߟe. wenn das so weitergeht, hole ich morgen meinen afrikanischen strampelanzug raus.

das frische trio ist sofort losgeflogen und hat eine unübertreffliche uraufführung gegeben: wir haben über 3hundert unterschriften gesammelt und damit triumfal die 3tausender-marke überschritten. bravo – das war einmalig!

auch weil wir ab morgen ein gleichmäߟig gemischtes doppel sein werden, heute abend ist isa zu uns gestoߟen, eine studentin der eurythmie. sie ist zum ersten mal im omnibus. ich werde versuchen, ihr credit points für ihr studium zuzuschanzen, denn was wir hier machen, ist ja angewandte eurythmie.