gastspiel

das ist ein fliegender teppich von katharian mit tränenblech wie bei mir zuhause. was hat sich karl heinz wohl bei müller gekauft?

gestern nachmittag hat uns katharian auf unserem wochenendplatz besucht. er ist sofort zuhause im omnibus und mir total vertraut – unmittelbar volle bandbreite. zusammen mit yunus entspann sich das schönste palaver. mit dieser band würde ich jederzeit ins studio gehen. 

nebenbei haben wir uns aus lauter kleinen lekkereien ein köstliches mahl bereitet. ich habe meinen kannenförmigen tomcat (so heiߟt der auf dem bildschirm des eifohns) heruntergeholt und wir haben uns reihum musik vorgespielt und auch sonst lebhaft die dateien kreisen lassen. endlich mal ein digitaler eingeborener ohne feehsbukk & wottsäpp & sowas.




mit kuߟhand biehme ich ihm diesen remix und wünsche mir von herzen, daߟ er nach wiesbaden zu unserer geburtstagsfeier kommt.

als krönenden abschluߟ haben wir uns vergnügt in der spätvorstellung „fack ju göhte 3“ angeschaut, einen hemmungslosen klamauk mit selbstironischen obertönen. angenehm kontrapunktisch zu diesem mekka des bildungsbürgertums und der pensionierten oberstudienräte aus dem westen, die hier die gentrifizierung & den konsum anheizen.



yunus & ich



seit gabriele gestern nachmittag abgereist ist, sind yunus & ich wieder zu dritt und lassen lokker unsere eurhythmystische improvisation laufen.

und die heizungen im omnibus, denn es ist drauߟen stürmisch & kalt geworden. nach einem friedlichen frühstück kam renß© bestvater mit dem auto vorbei und hat mit yunus zusammen zwei gasflaschen ausgetauscht, so daߟ wir am wochenende sicherlich nicht erfrieren werden (heute war die letzte gelegenheit).

yunus hat dann ein kunstvolles mahl komponiert. er könnte auch mahlerei studieren!




mangold & schwarzwurzeln – ganz schlicht & elementar.


unverhofft

& freundlich unbeschwert hat uns karl heinz tritschler am omnibus besucht und abends zum essen ausgeführt. yunus hat bei ihm geduscht und dabei auch schon einmal einen blick auf katharian erhascht, der jetzt 19 jahre alt ist und ein eigenbrötler nach meinem geschmack.

er hat kein abitur gemacht und treibt gerade milieustudien in einer beruflichen orientierungsmaߟnahme – er ist künstler geblieben und hat sich in seiner entwicklung überhaupt nicht beirren lassen. gestern habe ich ihn endlich wiedergesehen. er war uns gleich ein lieber artgenosse und ein wunschkandidat für jede band.

ich habe mich so über diese wiedersehen gefreut, daߟ ich nicht mal ein volkfoto von den beiden gemacht habe.

im angesicht von katharian steht mir der zeitraum meiner fahrt als gigantisches gebilde vor augen. als er drei jahre alt war, ist er zum ersten mal mitgefahren und ich habe ihm vorn im omnibus während der fahrt das wort “ ex terri tori ahhhl“ beigebracht. jetzt überragt er mich und paߟt perfekt in die riege der „gutartigen riesen“.




schon vor zehn jahren waren wir kämpferische weggenossen – mit blanken transparenten drauߟen vor dem schwarzen loch von joseph beuys in düsseldorf.


das ist emil

mit dem ich mich behutsam anfreunde. er ist drei jahre alt und hat zuhause ein klavier zur freien verfügung. seine mutter clara habe ich in kassel während der documenta kennengelernt.

an unserem ersten tag in weimar ist sie zusammen mit joshua conens in einem bus an uns vorbeigefahren – volltreffer. sie studiert hier in weimar kunst und hat uns vorgestern abend zum essen & zum duschen zu sich nach hause eingeladen. sie hatte bei karl heinz tritschler kunstunterricht und war schülersprecherin an der waldorfschule. sie wohnt auch gleich bei karl heinz um die ecke auf der lisztstraߟe.

das abendessen war ein wunschkonzert aus wirsing & lauch. dazu gab es ein laibförmiges serviettenknödel, das, als wir ankamen, formvollendet in ein tuch eingehüllt seiner bestimmung harrte.

und bei dieser gelegenheit konnten emil & ich uns umkreisen & beschnuppern.


zeitreise



brigitte wollte nur ein paar bilder von der tour – und ich habe arglos am anfang begonnen und wurde mitgeschwemmt vom strom der erinnerungen und war die halbe nacht damit beschäftigt, tausend bilder durchzusehen und eine halbwegs gerechte auswahl zu treffen.




erst gegen mitternacht kam ich dazu, an meinen neuen bildern zu arbeiten und will jetzt gleich ins bett.  

es gäbe noch viel zu erzählen …



heimspiel



unsere auftritte in weimar kommen mir immer mehr wie heimspiele vor. dieses mal war ich wieder live aus dem studio von radio lotte zu hören. und der mdr hatte einen dreiߟigsekündigen fremd moderierten spot in einem nachrichtenmagazin gesendet, für den ein team ausgerechnet in gera gefilmt hatte – der hintere teil des omnibus sah aus wie eine verführerische verkaufstheke. 

das und die ankündigung in der tageszeitung haben uns einen lebendigen betrieb beschert – gesprenkelt mit den schönsten wiedersehen & erlebnissen. und mit zeitlosen neuen entdeckungen.


hier könnten wir auch ruhig mal ne woche bleiben. dieses mal werden wir in fuߟläufiger entfernung vom zentrum das wochenende auf einem wohnmobilplatz mit strom & wasser verbringen. wir haben also noch zeit für streifzüge.




wir werden von menschen, die wir gerade erst kennengelernt haben, zum essen & duschen eingeladen. das wetter ist auߟergewöhnlich warm, denn im augenblick stehen wir in der morgendämmerung auf und arbeiten bis zur abenddämmerung. am wochenende wird die zeit umgestellt – dann wird es ab sechzehn uhr dunkel.



wir wollen versuchen, uns stilistisch darauf einzulassen und mit dem wandel der stimmung zu synkronisieren …



rolle rückwärts

schon am samstag mittag haben wir erleichtert die grenze zu thüringen überquert und sind gleich auf die „eventfläche“ vor der kultur & kongreߟhalle in gera gefahren – allein auf weiter flur:




während ich am sonntag langmütig die kassenbücher für das ganze jahr geschrieben und die belege monatsweise sortiert & zugeheftet habe, haben gabriele & yunus auf jeweils eigenen wegen die stadt erkundet. die stadt ist eigenartig abgelegen am äuߟersten östlichen rand des landes, sie war mal die residenzstadt der reuߟen und ihre blütezeit liegt offensichtlich lange zurück. 




wir haben uns bereitwillig in diesen „eastern blues“ fallen gelassen und das trio hatte einen schönen melancholisch mitfühlenden groove.




die arbeit lief wie am schnürchen. wir hatten einen schönen zeitungsartikel unter einer fürchterlichen schlagzeile, in der das wort „stimmenfang“ vorkam. scheint aber keiner bemerkt zu haben, denn die gespräche, die sich daraus ergaben, waren produktiv & freundlich.

am ende sind auf märchenhafte weise zwei neue talismane bei uns gelandet.



purzelbäume

saxen hat mich schön ins schleudern gebracht. ich bin aus der kronologie herausgefallen und habe mich voll auf das leben konzentriert. auf das wesentliche & notwendige. totales inter esse. ich habe liebevoll & friedfertig ausschau gehalten nach schönheit & lebendigkeit …




gleichzeitig habe ich mich so gut es ging in die welt entäuߟert, unter der maߟgabe: immer schön lokker bleiben.




dazu gehört eben auch, hier nicht zwanghaft irgendwelche reihenfolgen einzuhalten, wenn das trio miraculoso gerade breitbandig analog mit dem leben improvisiert. omi & opi da lang & der prinz aus dem morgenland. einfach zauberhaft.





ali baba fällt mir da ein und die märchen aus tausendundeiner nacht. so zauberhaft kann also arbeit sein. in den wenigen stunden, die mir blieben, habe ich lieber an bildern gearbeitet & gelesen: „qualityland“ von marc uwe kling. über dessen „känguru chroniken“ im netz kriegen sich leute, die zu faul zum lesen sind, vor begeisterung nicht mehr ein. das buch kann ich denen allen wärmstens empfehlen – es ist geschrieben wie ein schneller comic und geht rein wie butter.



saxen knaxen

obwohl ich schon zwei tage in thüringen bin, habe ich noch schwer an den saxen zu knaxen, und ganz besonders an karl marx stadt. das war der krönende abschluߟ. diese stadt, die vor hundertfünfzig jahren explosionsartig gewachsen ist, führt mir im zeitraffer das rattenrennen von industrialisierung & massenkonsum und die menschlichen konsequenzen drastisch vor augen: bei der bundestagswahl hatte die cdu nur einen hauchdünnen vorsprung vor der afd. der säxische ministerpräsident ist zurückgetreten, weil er sich vor mutti fürchtet und sich nicht getraut hat, härter gegen die dunkelhäutigen horden, die die säxischen frauen anfallen, durchzugreifen.

im kontrast dazu die drei tausendjährigen städte, die wir vorher besucht haben, wo die afd überall stärkste partei ist. wenn ich es recht überlege, waren mir in görlitz die polinnen, in bautzen die sorbinnen, in freiberg die weltläufigen studentinnen und in chemnitz die marktfrauen am meisten sympathisch.




dabei waren die äuߟeren umstände traumhaft – goldener oktober bis zuletzt – und wir waren guter dinge. wir haben schätze entdeckt und uns auch nicht die laune verderben lassen, wenn schon unser nummernschild wüste schimpfkannonaden ausgelöst hat. viele einheimische scheinen unter einer bipolaren störung zu leiden – früher nannte sich das manisch depressiv – lebhaft oszillierend zwischen quengeliger resignation & gröߟenwahnsinnigem parolengebrabbel. in dieser intensität habe ich das noch nie erlebt: eine infektion des sozialen organismus. wie gut, daߟ ich überall ein fremder bin.




nur damit hier kein falscher eindruck entsteht: wir waren ganz friedlich & freundlich und haben unser bestes gegeben. die wenigen echten kontakte liefen ganz entspannt & ruhig ab und wir haben viel gelernt. 




die nacht von freitag auf samstag haben wir im regen auf einer raststätte in der nähe von chemnitz verbracht – und sind am sonntag nach thüringen gefahren.

ich hoffe das kapitel saxen ist damit abgeschlossen und unser traumtrio atmet aus.




ab ins reich der träume …


haus schocken

kurz bevor die nazis kamen, hat erich mendelsohn wie ein appetitliches stück sahnetorte das haus schocken als archetypisches kaufhaus in die stadt dekoriert – der massenkonsum hatte da schon richtig fahrt aufgenommen und DAStietz reichte nicht mehr aus.






heute ist es aufwendigst restauriert und als „staatliches museum der archäologie“ mit den weihen der kultur versehen wie „DAStietz“. diese stadt ist mir ein hoch inter-essantes rätsel. die tempel von produktion & konsum werden zweckentfremdet für kultur. „stadt der postmoderne“ klingt für mich stimmiger.




unersättlicher & besinnungsloser fortschritt – schneller höher weiter. angesichts der schicksalsschläge weht es mich kalt an.