kein netz

hoch im norden hinterm deich hatten wir kein ausreichendes digitales netz, dafür war das analoge netzwerk quicklebendig – freudige wiedersehen und kreuz & quer verschränkungen. und schöne neue bekanntschaften. ich habe esther & thomas kennengelernt, die landwirte des scharmer-hofes. wir haben uns spontan angefreundet und eine haltestelle vereinbart: der omnibus ist jederzeit herzlich willkommen und ich brenne darauf, den betrieb kennenzulernen.




es war ganz ruhig dort in der nacht und ich war am ersten abend in der schönsten schreibstimmung – ich hatte auch schon texte & bilder im kopf.  als ich merkte, daߟ das digitale netz nicht ausreichte – flog ich gleich aus meinem digitalen kontinuum heraus. fühlte sich seltsam an. ich habe dann sinnend mit schöner musik und hoch gelegten füߟen die zeit verstreichen lassen.



mojn

besser gehts nicht. realisierte dreigliederung im unternehmen. da geht mein herz auf und ich realisiere, daߟ die kunst gerade für das wirtschaftsleben die einzige rettung ist. 

ich kannte sui dschen schon bevor sie paul gefunden hat, der der schöpfer von mojn ist – ein unternehmen, dessen produkte ich auf meiner fahrt an allen möglichen orten sehe. ich verfolge die entwicklung mit höchsten inter-esse. paul ist maler & bäcker, was für mich auf das gleiche hinausläuft.

jetzt verantworten sui dschen & paul als ein ganz erstaunliches künstlerpaar gemeinsam das unternehmen und bilden so ein trio wie freya & ich mit dem omnibus – und ich weiߟ: besser gehts nicht. 

sui dschen ist nicht da und paul steckt mitten in einem millionenteuren ausbau. er hat uns an beiden tagen in glückstadt kurz am omnibus besucht und wir haben ganz nebenbei unser nachtlager bei mojn organisiert, ganz lässig und ohne umstände. heute hat er mir den firmenschlüssel gegeben und mir kurz alles gezeigt, weil niemand mehr da sein würde, wenn wir ankommen.




himmlische ruhe und bald ist vollmond!


wexelbäder



aus der vibrierenden urbanität der documenta sind wir in einem strom von polizeikräften durch die abriegelungen von hamburg  ins sehr überschaubare elmshorn gefahren und hatten dort nur sehr spärlichen publikumsverkehr.




das trio spielt friedlich & inspirierend. mit jonas habe ich seit längerem eine telepathisch-digitale fernbeziehung und bin dankbar für die analogen erweiterungen. und gabriele schenkt mir ihre mütterlichen fähigkeiten, in denen ich mich sehr geborgen fühle.




wir sind voll da und die – zu wenigen – gespräche sind intensiv & klar. ich bin mal gespannt auf unsere quote. inzwischen sind wir in glückstadt.  die stadt wurde vor vierhundert jahren von einem dänischen könig gegründet. hier war ich bestimmt schon fünf mal. liebe freunde haben hier ein unternehmen, das wir am freitag besuchen werden.




gute nacht



herzlichen glückwunsch

das ist claudine – inmitten ihrer töchter. sie hat jetzt ihr erstes halbes jahrhundert vollendet. herzlichen glückwunsch claudine – ich schenke dir diese eigenartige etappe und bin doch tatsächlich in



gelandet – hier feiern sie ihr vierhundertjähriges bestehen. und jule, die ältere tochter von claudine, wurde der legende nach in meinem bett gezeugt und ist damit genauso alt wie meine verbindung zum omnibus – ich kann also auf mehreren ebenen über zeit & rhythmus nachsinnen.

documenta 14

es hätte mir viel besser gefallen, wenn das fridericianum auf diese weise verhängt worden und der schöne weite platz verschont geblieben wäre von dieser billigen monstrosität, die nun schon das markenzeichen dieser documenta geworden ist:




wie lobe ich mir da den „vertikalen erdkilometer“ von walter de maria und unsere patenbäume – an dem ersten baum ist ziemlich gefühllos herumgeschnippelt worden und er sieht nicht gesund aus – das hat meinem herzen einen heftigen stich versetzt.



ich bin mit voller aufmerksamkeit & blanken pfoten herumgetigert und hatte die schönsten erlebnisse – von meinen auߟenpolitischen aktivitäten mit der pink republik einmal ganz abgesehen.




in einer dieser verhüllten torwachen habe ich arbeiten von edi hila, einem albanischen maler, entdeckt, die mich sehr tief berührt haben. allein dafür hat sich jeglicher aufwand gelohnt und für den ausblick gleich noch einmal:



 


ich habe vieles mitgenommen, was am rande meiner runden lag, die mich immer wieder zu meinen lieblingsarbeiten geführt haben …




steinzeitliche artefakte – liebe grüߟe aus einer zeit paradiesischer verbundenheit.   die gleiche sinnlichkeit habe ich in vielen arbeiten wiedergefunden:





und ich habe erfahren, daߟ das ottoneum das erste öffentliche theater europas war und das fridericianum das erste öffentliche museum. vorher war die kunst exklusiv für bonzen & pfaffen oder zur subversion auf gedeih & verderb verdammt. das ist ja bis heute so geblieben. den künstlern kann ich das nicht vorwerfen – nur den vielen kunstschmarotzern & verbrauchern.




es hat mir einen schönen perspektivwechsel beschert, daߟ im fridericianum die sammlung eines athener museums für zeitgenössische kunst gezeigt wurde, die in griechenland noch nie gezeigt werden konnte – das war für mich wie ein film mit unbekannten schauspielerinnen.




und da finde ich diesen kommentar zu g20, festung europa, migrationsströmen und tödlicher technologie.



im fridericianum hat es leider nur für einen durchgang gereicht … dafür bin ich ziemlich oft in der neuen documentahalle gewesen, die war voll von sinnlicher schönheit:



ich sollte aufhören – es ist schon wieder zwei uhr morgens – also nur noch ein kleines betthupferl:




herzlichen dank

das ist unser haltestellenschild bei marianne & hermann, die ganz unkomplizierte & mitfühlende gastgeber waren – schön an der periferie des documentatrubels, insel der besinnung.




der kontrapunkt ist das gefängnis nebenan. ein wie aus der zeit gefallenes zeugnis besinnungsloser gewaltausübung. das läߟt sich nicht intellektuell & theoretisch verbrämen und ist genauso häߟlich wie viele der von schlechtem gewissen triefenden „westlichen“ kunstwerke, die auf der documenta gezeigt werden und mich völlig kalt lassen.





aber für diese arbeit allein hätte sich die reise schon gelohnt. diese anderthalb wochen waren traumhaft – ich fühle mich bereichert & ermutigt & beruhigt. ich bin bestimmt hundertfünfzig kilometer barfuߟ gelaufen und habe im gehen die schönsten erfahrungen & eindrücke durchgekaut & verstofflicht.

und es war jedes mal schön, auf allen möglichen wegen an die periferie heim zu kommen – ein wunderbares zuhause auߟerhalb der zeit:


 

synchrones blitzlicht

da jauchzte mein anarchistenherz:

das neue trio mit gabriele & jonas ist heute fast vierhundert kilometer von kassel nach elmshorn gefahren, einschlieߟlich tanken, wasser auffüllen, brauchwasser ablassen usw.

heute scheinen sie geübt zu haben, die a7 und den elbtunnel abzuriegeln – die letzten 30 kilometer waren voll verstopft, manchmal dreispurig.

und am rande des quälenden staus droschen wie verrückte derwische zwei schlagzeuger auf ihre percussiven sammelsurien ein: eine wilde animation gegen g20 – voll analog vor einem riesigen, zufällig zusammengesetzten, wehrlosen publikum, das gaaanz langsam vorbeigeschoben wurde.

hurra hurraa hurraaa

was für ein schöner kontrapunkt zu den vielen polizeitransportern, die an uns vorbeieilten, als die fahrt noch frei war. sogar zwei wasserwerfer haben uns überholt – ein oldtimer aus meinen sturm & drang zeiten und eine wirklich gruselige variante aus robocop.

passend dazu höre ich gerade das album „anarchitecture“ von skunk anansie.