… da waren es nur noch zwei
heute ist mathias für zwei wochen nach hause gefahren. und ich freue mich jetzt schon auf die nächste gelegenheit.
er erweist sich als leuchtendes pilotprojekt: er ist der erste, der ein halbjähriges praktikum bei uns macht und die spannende frage war: was soll er machen, wenn ich verrückter spinner nicht mit ihm zurechtkomme ???
wir haben uns gleich verstanden und er kann mit kußhand die ganze zeit am omnibus sein. zu ihm sage ich nicht junggeselle, sondern bursche, obwohl er auch gerade seinen bachelor macht.
ich muß ihm alles nur einmal erklären – und gleich ist er enthusiastisch bei der sache. er schafft es, eine emphatische haltung zu bewahren und ist ausgesucht höflich. zum beispiel fragt er: „darf ich dich etwas fragen?“
und weil er so lange da ist, lernt er alle facetten & begleitumstände unserer arbeit ausführlich kennen – und als dreingabe viele personen aus den unterschiedlichsten netzwerken & arbeitszusammenhängen. er ist ein völlig eigensinniger, oft amüsierter beobachter, von dem ich mich gern beobachtet fühle. ich habe den eindruck, daß wir unsere wahrnehmung so unbefangen synchronisiert haben, daß wir besonders im hinblick auf unsere jeweiligen blinden flecken viel voneinander lernen können.
junge, komm bald wieder !
der omnibus weint wieder …
umstellung
wir sind jetzt in coburg – und die stimmung ist wieder völlig anders als in haßfurt. unser platz ist der bestmögliche, wir sind mit strom versorgt und beide zeitungen werden morgen einen artikel bringen. aber die meisten menschen sind schwer zugänglich oder äußerst frustiert, obwohl das hier auch franken sind, mit denen wir so viele gute erfahrungen haben.
es gab hier schon viele bürgerentscheide, die von den stadträten einfach ausgesessen wurden. nur einer ist gelungen: dieser schöne platz, auf dem wir stehen, war früher so eine art busbahnhof, den haben die bürgerinnen befreit …
ich bekomme eine ahnung, wieso coburg die erste stadt war, in der die nazis eine wahl gewonnen haben und die adolf hitler die ehrenbürgerwürde verliehen hat. das wirkt wahrscheinlich wie ein böser fluch.
über allem ein wilder bayrischer himmel und immer wieder rapide wetterstürze. gut, daß wir auf der fahrt hierher reichlich schönkraft tanken konnten, die uns über den tag geholfen hat. wir haben in dieser viermal größeren stadt unter guten umständen gerade mal ein ergebnis geschafft, das wir in haßfurt ganz lokker erzielt haben. wir sind unverdrossen und haben uns nach dem abschied von christopher (der die karten besorgt hat und eigentlich mitgehen wollte) im „utopolis“ einen scheppernden jason bourne hollywoodschinken angeschaut, der mal wieder so dröhnte und so schnell geschnitten war, daß wir keine einzelheiten mehr erkennen konnten. ganz schön geschludert. mir stellt sich die frage, mit welchen augen meine enkel sowas sehen – und ich bin ganz erleichtert, daß sofia & mathias, die theoretisch meine enkelinnen sein könnten, das genauso empfinden wie ich. danke für diese vergewisserung!
übrigens fühle ich mich mit meinen nackten füßen irgendwie jünger.
lebe wohl & machs gut
christopher wurde heute nach der arbeit von einem freund mit einem fetzigen bmw abgeholt – das sollte er sich nicht entgehen lassen …
dieser freund war noch größer als meine riesen und hat dann dieses schöne bandfoto von uns gemacht. das schenken wir christopher zum abschied. er hat nämlich seinen bachelor gemacht – er hat sehr mit sich gerungen und hat am ende ausdrücklich & einvernehmlich sein junggesellendasein begonnen. wir waren kreuz & quer verbunden und haben nach kräften versucht, christopher für seine schwierige entscheidung unsere volle aufmerksamkeit zu widmen und uns intensiv & ehrlich darüber auszutauschen.
wir beglückwünschen christopher zu seinem entscheidenden schritt und stehen voll hinter ihm. und der omnibus weint, daß er weg ist …
die band ist göttlich
sofia ist von den dreien die älteste, und mathias, der größte, ist der jüngste – und feierlich von allen zum administrator ernannt. sie necken sich fröhlich & intelligent und die riesenjungs brauchen gelegenheiten, sich auszutoben.
hier klamüsern sie zum beispiel unter der regie des administrators etwas digitales aus:
dieses trio & ich – obwohl wir ausgeprägte eigenbrötlerinnen sind, helfen wir uns gegenseitig auf die sprünge, indem wir einander liebevoll zugewandt sind und einen winzigen superorganismus bilden – mehr jedenfalls als die summe der individuen und vollkommen unabhängig vom geschlecht.
fluxus
zur nacht noch ein zarter gruß von sofia.
nomen non est omen
heute war der dritte tag in haßfurt neben den haßbergen (und der fünfte insgesamt). atmosfärisch konnten wir wohlig eintauchen … allseits freundliche gelassenheit, gute gespräche und schöne ecken zu entdecken. bayrischer sommer, blau-weiß mit üppigen wilden wolken.
manchmal hat es auch geregnet. unser platz war ideal. auf der T-kreuzung war irre was los – futter für unsere höchstpersönlichen gespräche. wir fühlen uns alle hier wohl …
obwohl wir verboten dicht vor dem bürgerhaus standen, kamen in den letzten beiden tagen drei uniformierte mitarbeiterinnen des ordnungsamts nicht etwa zu uns, um uns nach der genehmigung zu fragen, sondern um sich ausführlich über unsere arbeit zu informieren und sich am ende des gesprächs in die kandidatinnenliste einzutragen. unglaublich.
heute kamen gegen 14:00 uhr ein redakteur mit assistent und fotografin, der bürgermeister von haßfurt und zwei weitere bürgermeisterinnen aus der nahen umgebung sowie der vizelandrat zum omnibus. wir haben uns bei der eisdiele auf dem markt zwei tische zusammengeschoben und dort ein etwa anderthalbstündiges gespräch geführt, das ich damit eröffnet habe, mich für das unkomplizierte willkommen in der stadt zu bedanken und ein loblied zu singen auf die bayrische kommunalpolitik und darauf hinzuweisen, daß die besondere qualität darin besteht, daß die bürger sich ihre mitwirkungsmöglichkeiten selbst gegeben haben.
alle waren mir – unabhängig von ihren rollen – grundsympathisch. der bürgermeister von haßfurt sieht aus wie christopher’s vater und hatte auch ein sehr ähnliches wesen. christopher hatte schon vorher mit ihm gesprochen – mir war spontan jan’s vater eingefallen, dem er auch ähnelte, aber mir wurde schlagartig klar, daß christopher’s vater noch genauer paßte.
es war deutlich zu spüren, daß das alles praktiker waren, die nicht besonders gut auf die landes- oder gar bundespolitik zu sprechen waren, denn was von dort kam, hatten sie vor ort auszubaden, zu unrecht gescholten von bürgern & medien. natürlich mußten sie im sinne des systems argumentieren und wollten den unterschied zwischen referenden und volksabstimmungen nicht begreifen – geschenkt. es war für mich eine inter-essante erfahrung, weil ich eine empathische haltung bewahren und das monster in schach halten konnte.
haßfurter tagblatt
dieser ausführliche artikel steht heute im haßfurter tagblatt … und soeben erhielt ich einen anruf aus der redaktion mit der anfrage, ob ich bereit sei, morgen im omnibus mit drei politikern ein gespräch über direkte demokratie zu führen. da hab ich natürlich gern zugesagt.
heute regnet es, aber dem betrieb am omnibus schadet das nicht – unser graffito sieht nach einer nacht & regen heute so aus:
kaum zu glauben
unsere freudigen erwartungen an die mainfranken wurden weit übertroffen. wir hatten uns wirklich unverschämt (wofür sollten wir uns schämen?) dicht vor das bürgerhaus gestellt. am kopf einer T-kreuzung – alle, die über die einzige mainbrücke in die stadt kamen, konnten uns sehen – blumenbekränzt. niemand hat auch nur nachgefragt, wer uns erlaubt hat, dort zu stehen. lauter freundliche & höfliche menschen kamen vorbei und der verkehr pulsierte den ganzen tag über lebendig, zwischendurch hübsche jungbauern auf riesigen traktoren mit mehreren anhängern und allerlei ernte-gerätschaften.
HAS-CH, HAS-H, HAS-E, HAS-I, HAS-TU (mal ne mark), HAS-TA (la vista), HAS-T, manchmal HAS-S, und zweimal BA-LU.
wir waren in der zeitung angekündigt und morgen wird es einen artikel mit foto geben – das sommerloch ist für uns ein segen. wir sind sogar umstandslos mit strom versorgt. und die sonne brannte zwischendurch so sehr, daß wir die regenbogenschirme rausholen mußten. vorsorglich habe ich meine fußrücken mit sonnencreme geschützt.
sofia ist mit dem prototyping einer omnibus-schablone, an der sie jetzt eine woche hingebungsvoll gebastelt hat, fertig geworden. wir haben endlich sprühkreide gefunden und haben feierlich auf der fahrbahn vor uns das erste graffito realisiert. jetzt können wir zwei tage lang beobachten, wie es sich in wind & wetter und unter reifen verhält.
ich bewundere ihre ernsthaftigkeit & produktivität – sie treibt als voll verantwortliche solistin den rhythmus der band und choreografiert unseren tanz auf eine weise, die das beste aus allen herausholt. heute hat mathias sich ihr als administrator angeboten und wir alle bemühen uns nach kräften, sie von allen möglichen sachen abzuhalten, damt sie nach herzenslust arbeiten kann.
mich freut besonders, daß sie am omnibus lokker lassen kann und ganz zugänglich ist. wir lachen viel und sind voll verbunden. traumhaft.
maike wird volljährig
herzlichen glückwunsch vom omnibus-team, liebe maike. wo du auch immer bist. wir fragen uns, ob du schon in nicaragua bist.
heute habe ich gelesen, daß die frau des ewigen präsidenten und ex-revolutionärs daniel ortega jetzt als vizepräsidentin nominiert ist: sie spricht mehrere sprachen und ist sowieso seit langem politisch aktiv. unter anderem hat sie durchgesetzt, daß alle öffentlichen gebäude in ihrer lieblingsfarbe rosa gestrichen wurden.
du mußt mir unbedingt erzählen, ob das stimmt …
also: machs gut und alles liebe von uns. wenns geht, laß mal von dir hören.































