zweiter tag mainz

heute war strahlendes wetter und wer schatten suchte, kam ganz bestimmt nicht zu uns.

und gutenberg schaute auf uns herunter:

  
fast symmetrisch vor mcdonalds. 

meine ausbeute war gut. ich brauche immer weniger worte und kann mich gut auf mein gegenüber konzentrieren. also muߟ ich nur jederzeit bereit sein.

zweimal hat uns jetzt anna lydia besucht, die erst seit ein paar tagen aus ruanda und uganda zurück ist. sie hat mir einen alten herzenswunsch erfüllt und mir ein wildbuntes afrikanisches gewand mitgebracht. und sie hat es mir sogar geschenkt !!! (im schloߟ freudenberg werde ich es anprobieren)

  
so ging der tag ziemlich schnell dahin und am abend muߟten wir einen riesenumweg fahren, weil zwei rheinbrücken für unsere gewichtsklasse gesperrt waren. allenthalben bröckelt die infrastruktur – das kann ja heiter werden. auf der hinfahrt sind wir (wir konnten nicht mehr zurück) über eine brücke gefahren, die für fahrzeuge über 7,5 tonnen verboten war. in der nacht habe ich mir ausgemalt, wie der groߟe weiߟe doppeldecker zwischen all den kleinen autos aus der perspektive einer überwachungskamera aussehen würde und mich gefragt, ob der cyberspitzel – mensch und/oder maschine –  gerade ausgefallen ist.

der dom steht harmonisch auf einer „modernen“ bank:

  
jetzt sind wir im schloߟ freudenberg – wir haben strom, wasser, können duschen und aufs klo ! 

nach dem essen haben die mädchen geduscht und sich anschlieߟend im gelände umgeschaut. kolja & ich haben aufgeräumt und sachen aussortiert. zum beispiel brauchen wir jetzt keine konventionell-giftigen reinigungsmittel mehr. nur noch em kommen uns ins haus. sogar das mikrobielle milieu auf den goldenen schiene entfaltet spürbare & sichtbare wirkungen. es würde mich wirklich glücklich machen, wenn wir da eine sanfte methode finden würden. die ekligen schwammtücher haben wir durch einfache waschlappen ersetzt – die können wir in die wäsche geben, bis sie zerfallen. bis dahin werden auch sie ein ganz spezielles mikrobielles milieu entwickeln, das mich intuitiv sehr inter-essiert.

und ich habe den klangraum-schlüssel und werde jetzt noch den groߟen gong besuchen.

  

sauber

ein gutes hatten die beiden verregneten tage auf dem parkplatz in bad ems: der omnibus ist jetzt – zumindest innen – ziemlich sauber.

  

seltsame zwillinge

ich hatte gestern noch über die topologie dieser beiden landeshauptstädte nachgedacht: sie küssen sich am jeweils äuߟersten rand der dahinter liegenden bundesländer (zu denen auch städte wie landau und kassel gehören). ihre blütezeiten sind schon eine weile her.

   
 
aber in mainz kann man so ziemlich alles studieren – es gibt hier eine der ältesten universitäten deutschlands. und gleich gegenüber vom omnibus steht gutenberg, der berühmteste sohn der stadt. 

also laufen hier viele aufgeweckte junge menschen herum und der rhein spielt natürlich auch eine rolle in dem flair der stadt. aber alles ist ziemlich gemächlich. im lauf des tages ist es richtig heiߟ geworden. vormittags kam eine frau vom ordnungsamt, die uns anwies, den omnibus in einer absurden weise umzustellen, ohne dafür eine nachvollziehbare begründung angeben zu können: raus aus der symmetrie und mit dem rücken zum publikum sollten wir stehen. sie war unerbittlich und kam mindestens drei mal, aber ich habe mich geweigert.

   
 

wer genau hinschaut, kann in der mitte des omnibus den gutenberg gegenüber herausragen sehen. zeitweise war ziemlich viel los vor dem omnibus, aber das ergebnis war nicht berauschend. irgendwie habe ich mich zu früh gefreut. am abend bin ich noch durch die altstadt gestreift.

   

futsch

jetzt ist mein ganzer heutiger eintrag samt den sorgfältig zusammengestellten bildern nicht rückholbar verschwunden, weil ich den bildschirm an einer falschen stelle berührt habe … (drei tassen tee habe ich dabei getrunken und mehrere zigaretten geraucht)

also nochmal:

  
szenenwechsel: nachdem ich bad ems erleichtert „auf nimmerwiedersehen!“ zugerufen hatte, bin ich ungefähr hundert kilometer durch waldreiche taunusberge gekurvt – rauf & runter. und jetzt mal wieder in einer landeshauptstadt gelandet. der omnibus steht ganz pompös und weithin sichtbar vor einem theater.

   
   

nach dem abendessen bin ich noch zum rhein gelaufen und anschlieߟend, meinen regenschirm im rhythmus der musik schwingend, durch die „groߟstadt“ gestreift.

in hell erleuchteten schaufenstern habe ich kostüme für sofia fotografiert. sie hat ganz eigenwillig eine formvollendete, wunderbar persönliche bewerbung hervorgebracht, über die wir letzte nacht lange am telefon gesprochen haben, weil ich mir die  rechtschreibung angesehen hatte. oh, wenn ich für sie eine sponsorin finden würde, ich würde sie vom fleck weg engagieren !!! 

  
so, bis hier erstmal – es ist schon spät.

okay, vielleicht noch ein stimmungsbild.

  

refrath

ich bin ja am wochenende mit sofia in ihrem kiez herumgestreift und wir haben einen wunderbaren platz für den omnibus gefunden, auf den ich gern mal fahren würde. es gab einen guten bioladen und am samstagvormittag herrschte eine freundliche atmosphäre.

und ich habe den anfang von sofia’s schulweg gesehen. sie hatte jeden tag zwei stunden schulweg mit öffentlichen verkehrsmitteln. gabriele hat ganz bewuߟt die verantwortung dafür übernommen und damit wirklich einen groߟen anteil an der „bildung“ ihrer töchter, der eigentlich in der verantwortung der schule liegen würde. und hat ihre kinder damit gewappnet für die welt, in der sie leben.

   
 

grotesk

  
gleich morgens hat ein kalter nieselregen eingesetzt, der den ganzen tag nicht aufgehört hat. ich bin ins rathaus gegangen und habe mein problem geschildert und von meinen erfahrungen mit dem letzten mal vor etwa acht jahren erzählt. der mann vom amt hat so getan, als ob er jetzt wirklich nach einer lösung suchen würde, aber ich ahnte da schon, daߟ er mich eine stunde später anrufen würde und sagen würde, wie leid es ihm täte, daߟ es woanders nicht ging. 
ab & zu kamen wohnzimmerhelden, die nicht mit ihren frauen ins rewe xxl in den untergrund fahren wollten. einer schleimte sich in widerlicher weise an die mädchen ran. ich saߟ mit riesengroߟen ohren hinten im omnibus und habe 133 analoge datensätze entziffert und in meinen schoߟcomputer eingegeben. wir sind zu viert: sophie, britta, kolja & ich.

britta ist zur zeitung gelaufen und später ist ein freundlicher redakteur gekommen, der ein foto von uns vor dem omnibus gemacht hat und uns zumindest morgen auf der ersten lokalseite kurz ankündigen will. kolja hat im regen die experimente mit den mikroorganismen auf der goldenen schiene wieder aufgenommen, die jetzt an manchen stellen schillert wie eine ölpfütze. und sophie hat sich nützlich gemacht, wo sie konnte und zum ersten mal den omnibus eingenebelt.

abends haben wir gekocht und lekker gegessen. die anderen haben sich danach oben in die decken gekuschelt und britta hat aus „herr der ringe“ vorgelesen, wenn ich das richtig mitgekriegt habe. ich bin noch im erbarmungslos trippelnden regen herumgelaufen und habe mir eine toilette gesucht (die kneipen hatten alle montags zu). ich muߟte ziemlich weit laufen …