global forum

wir standen zusammen mit der „european public sphere“ in eisigem schatten weitab vom geschehen. am anderen ufer war wohlig warmer spätsommer.

andererseits ziemlich zentral: gleich neben dem beliebtesten postkartenmotiv und dem gigantischen hyperbahnhof in der anderen richtung.

dadurch im gesamtgeschehen auch wieder klitzeklein & unbedeutend. das lebendigste, was da entstehen konnte, sah etwa so aus:

wir alle – der omnibus & meine engel & ich – fühlten uns wie besucher aus einer parallelwelt, auch & besonders weil unsere unschuldige einreise in die schweiz zu einem kafkaesken alptraum eskalierte: ein paar kilometer nach der grenze forderte uns ein polizeiwagen auf, ihm zu folgen – und lotste uns auf komplizierten wegen zu einem technischen untersuchungsamt der polizei. wir wurden gewogen & vermessen. ich wurde in die grube zitiert und auf verschiedene technische mängel hingewiesen. alle papiere (auch die ausweise der engel) wurden geprüft und es stellte sich heraus, daß die vignette, die mir freunde am goetheanum mit der versicherung geschenkt hatten, damit könne ich das ganze jahr über in die schweiz einreisen, lächerlich unzureichend sei. ich müsse eine tageweise schwerlastabgabe zahlen, die etwa 150 euro betrage. ich könne mir eine äpp runterladen und mit meiner mastercard digital bezahlen. meine mastercard funktionierte nicht. pia hat versucht, mit der kreditkarte ihres vaters zu bezahlen, aber der war gerade wandern. am ende hat simone’s mutter bezahlt … und wir dachten, jetzt sei alles erduldet … ich wollte nur noch unsere papiere & die quittung abholen … da erklärte mir der „bad cop“ ( der „good cop“ hatte sich schon längst verzogen) ohne mit einer wimper zu zukken, der omnibus sei einen zentimeter zu hoch und er müsse die angelegenheit an die staatsanwaltschaft weiterleiten – er hielt mir wie einem analfabeten verschiedene diagramme vor, um mir den weiteren gang dessen, was nun auf mich zukommen würde, zu erklären. damit ich weiterfahren könne, müsse ich allerdings noch eine kaution von etwa 500 euro bei ihm hinterlegen, wovon mir eventuelle differenzen erstattet würden. und ja, die könne ich auch mit der ezehkarte bezahlen, mit der ich meine tankrechnungen begleiche. meine fantasie galoppierte mir davon: ich bin schon öfter in die schweiz gefahren – ich bin bis nach istanbul gefahren, nach holland & nach frankreich. und durch dänemark. und zweiundzwanzig jahre durch deutschland. als gast eingeladen zum „global forum on modern direct democracy“ ins mutterland der direkten demokratie – und dann sowas!

ich vermute, dies ist der längste beitrag überhaupt geworden – das gegenteil von epistemologischer askese – aber ich mußte das loswerden. ohne meine engel hätte ich das nicht heil überstanden. sie haben mich quasi nach luzern getragen und ich konnte die schweiz bestaunen und alle hirngespinste vergessen.

das ist noch längst nicht alles.

remix

diese bilder hat mir pia geschenkt. sie hat sie aufgenommen, während wir wunderfitzig vereint luzern auf uns wirken ließen …

heute hat sie mich zum ersten mal „flamingo“ genannt.

neubad

michael hat mir dieses bild geschickt und mich in die wellen des „neubad“ katapultiert, wo teile des programms stattfanden.

ein schillernd pulsierender netzknoten nach meinem geschmack, dieses mal in einem schwimmbad. ich bin da staunend rumgeschwommen.

für einen bekennenden spinner wie mich eine labsal – das beste, was in einer metropole heutzutage möglich ist. wie der lokschuppen in freiburg & das unternehmen mitte in basel.

auf dächern & terrassen gab es einen schönen garten – und warmen sonnenschein. (das kann ich mir inzwischen überhaupt nicht mehr vorstellen … )

und danke, lieber michael, für dieses ultimative albumcover: besser läßt sich mein zusammenspiel mit den engeln nicht erklären: sie verleihen mir flügel !!!

das hab ich gefunden.

elektrische busbahnen

in luzern sind mir sofort die doppelgelenkbusse mit oberleitung aufgefallen – unter den gegebenen verhältnissen eine kluge lösung …

sie waren scheu und ließen sich nur schwer in voller länge fotografieren – ich lag mehrere tage auf der lauer …

überhaupt haben mich die schweiz & luzern so geballt fasziniert, daß ich das hier nur stoßweise und in bildern erzählen kann …

nachtz zum beispiel:

und der gigantische bahnhof:

diese nachtbilder sind meine überleitung ins bett, denn ich bin müde & friere.

meine engel

ohne pia & simone, die übrigens mit zweitem namen auch pia heißt, wäre der omnibus möglicherweise in der von mir so geliebten schweiz aus dem verkehr gezogen worden und ich in einer klapsmühle …

… und mir ging die ganze zeit wie ein ohrwurm „charlie’s angels“ durch den kopf, wenn ich an unser perfektes zusammenspiel dachte – ohne sie wäre ich aufgeschmissen gewesen. der deutsche titel des films war: „drei engel für charlie“ – das hat mich irritiert, bis mir einfiel, daß ja eigentlich auch isa in der band sein sollte. sie hat kurzfristig abgesagt.

und es brannte mir auf der seele, den beiden meine überschwappende dankbarkeit auszudrücken – ganz losgelöst von der kronologie und ohne charlie.

da bin ich wieder

… und erleichtert, wieder in meinem vertrauten umfeld zu sein, wo die digitalen geräte funktionieren und ich voll assimiliert bin, ob ich will oder nicht: das ist inzwischen ganz deutschland. von mir aus könnten alle grenzen sich in durchlässige membranen verwandeln, die sich dynamisch um die ereignisse ranken.

jetzt weiß ich nicht, wo ich anfangen soll, denn es liegen überaus ereignisreiche tage in der schweiz hinter mir – wo ich in den gesichtern der menschen die wirkungen von direkter demokratie lesen kann. wenn ich nichts wichtigeres zu tun hätte, könnte ich da jahrelang herumstreifen. dieses mal hab ich leibhaftig die volle bandbreite erleben können.

ich fühle mich angereichert mit unvergeßlichen begegnungen & erlebnissen, die ich nicht in vertrauter weise verdauen konnte, weil alles so dicht aufeinander folgte …

jetzt sind wir wieder zu unserem ausgangspunkt in deutschland zurückgekehrt: die raststätte im hegau, die letzte oder erste auf deutscher seite. da gibt es diese kapelle, deren architekt sich sehr an tadao ando angelehnt hat, dessen „lichtkreuz“ allerdings ein wahrhaft erleuchtetes original ist.

dessen ungeachtet ist es hier gelungen, neben der rauschenden autobahn einen stillen & heiligen raum zu schaffen. da war ich mit meinen „engeln“ einer meinung.

und ich bin erleichtert, daß ich hier meinen gedanken wieder freien lauf lassen kann.

wieder winzig

mittwoch abend haben mich maya & wilma sicher nach ulm gelotst – da war ich zum ersten mal auf der „probefahrt im regen“ (der text müsste unter meinen texten auf der omnibus-seite zu finden sein) im märz 2001. schon damals habe ich darüber spekuliert, ob „ulm“ ein adjektiv sei, das die stimmung hier beschreibt.

um den platz vor dem münster ist hundert jahre gestritten worden. herausgekommen ist das vielseitig nutzbare, transparente „stadthaus“ von richard meier, das einen krassen kontrapunkt zum greisen münster bildet, auf das sich die touristenmassen stürzen.

die tage waren verregnet & kalt und die stimmung war m“ulm“ig. ich will aber, daß die mädels gute laune haben und mache sie auf alle möglichen sehenswürdigkeiten aufmerksam, jeweils passend für die fünfzehnjährige maya & die bald siebzigjährige wilma.

ich bin sowieso nur in ulm, weil ich den hundertsten geburtstag von otl aicher feiern will. also haben die mädels ihre heimfahrt für samstagvormittag gebucht und mich noch auf den „kuhberg“ geführt, wo 1953 der grundstein für die hochschule für gestaltung gelegt wurde:

bei klarem wetter sind von dort aus die alpen zu sehen.

wir haben uns umgesehen und noch eine nacht zusammen gefroren. nach unserem letzten gemeinsamen frühstück habe ich sie morgens zur straßenbahn begleitet.

jetzt bin ich allein an diesem besonderen ort und friere.

gleichwohl bin ich mit dem ersten tag ganz zufrieden und gehe jetzt in das vorgewärmte bad …

zu heidenheim

… ist noch nachzutragen, daß am zweiten tag ein großer artikel in der lokalzeitung erschien, der einige menschen veranlaßt hat, zum unterschreiben extra in die stadt zu kommen. maya hat schon gleich ihre ersten förderkandidatinnen gewinnen können und so waren wir qualitativ & quantitativ während der drei tage ziemlich erfolgreich.

wobei das wetter verrückt spielte und es in den nächten saukalt war.

meine spaziergänge kann ich immer nur im dunkeln unternehmen – dieses mal habe ich nachdenklich eine „moderne“ wohnanlage für die leitenden angestellten von voith auf mich wirken lassen.

wie fühlt es sich wohl an, so zu leben ?

heidenheim an der brenz

am montag fing in bawü die schule wieder an. gleich am vormittag haben uns katrin (die mutter von carl) und eine kollegin von der waldorfschule besucht und viele eltern waren mit ihren kindern unterwegs, um schulsachen zu kaufen. ein interessierter junger lokalredakteur kam vorbei und hat mich ausgefragt.

ich habe einen der drei männer getroffen, die unser getriebe nach langer krankheit geheilt haben – die ultimativen spezialisten. ihr schwäbisch klang angenehm authentisch. der älteste war schon längst in rente und ist abends noch aus seinem kleingarten hinzugerufen worden. der ist inzwischen verstorben.

christopher’s bruder aaron ist vorbeigekommen – von dem ich niemals vermutet hätte, daß er neun jahre älter ist als christopher. da fiel mir ein, daß auch vater pinnekamp wie ein junge aussieht. aaron ist klassenlehrer in der waldorfschule und lebt mit seiner italienischen frau und drei kleinen kindern irgendwo an der periferie.

vor allem konnte ich mich mit zwei schwestern voll analog kurzschließen. mit nadja aus giengen haben wir einen lebhaften & allseits anregenden montagabend verbracht – im besten asiatischen restaurant. ich habe leider kein bild von ihr. ich fühle mich für immer verbunden mit ihr, obwohl ich sie im lauf der letzten jahre nur zweimal gesehen habe. wenn wir uns sehen, sind wir sofort in voller analoger bandbreite verbunden und können uns viele worte sparen.

und endlich sarah, allein erziehende mutter von drei tollen töchtern an der schwelle zur pubertät und gute seele des „haus der gesundheit“, die ich von anfang an bewundert habe als inbegriff weiblicher vitalität. ich würde ihr am liebsten mal ein paar tage über die schulter schauen, um zu ermessen, was sie alles leistet. ich habe tausend fragen und mit jeder antwort gefällt sie mir besser.

am dienstag ist sie mit zweien ihrer töchter das erste mal vorbeigekommen – hier posieren wir für ihre kamera.

sie hat mir gleich einen herzenswunsch erfüllt und den kontakt hergestellt zu dr. thomas hardtmuth, dessen bücher für mich eine heilige oase in der coronawüste bildeten. leuchtendes vorbild eines nicht korrumpierbaren wissenschaftlers. wir haben uns zwar dieses mal nicht persönlich treffen können, aber in einem schnellen imehlwexel unsere kontaktdaten ausgetauscht und uns gegenseitig alles gute gewünscht.

ich habe sarah & ihre töchter herzlich für näxtes jahr in die omnibus band eingeladen – und sarah hat gesagt „au ja, da hätte ich lust drauf“. ich konnte mein glück nicht fassen.

es ist jetzt spät & kalt und dieser beitrag, den ich zum ersten mal in zwei etappen geschrieben habe, ist ja irre lang geworden, aber ich fühle mich beim schreiben wie auf einer aufholjagd, um auf den neuesten stand zu kommen, denn ich bin natürlich schon längst ganz woanders.