salto rückwärz

in kempten standen wir weithin sichtbar vor einer konsumhölle, leicht abseits von der schönen altstadt. am zweiten abend haben wir zusammen mit barbara, die für ein paar tage schnuppern wollte und donnerstag abends zu uns gestoߟen ist, in einem traditionellen restaurant lekkere regionale spezialitäten gegessen. bedient wurden wir von einer freundlichen & selbstbewuߟten frau im dirndl – drauߟen, unterhalb von einem brunnen.

wir standen die meiste zeit im schatten und konnten uns auch über publikumsmangel nicht beklagen, aber das führte nicht zu entsprechend vielen gesprächen. ich hatte den eindruck, daߟ die reaktion auf den omnibus stark verlangsamt war und womöglich erst zündete, wenn die menschen schon mitten in der konsumhölle waren.

seit ich im allgäu bin, sinne ich darüber nach, wieso ich solche schönen landschaften immer mit „wohlstand“ assoziiere – das ging mir schon in marktoberdorf durch den kopf. die menschen sind modisch gekleidet und fahren fette autos – alle annehmlichkeiten sind in reichweite, da kümmert es wenig, was drauߟen in der welt passiert. die landschaft macht die menschen in einer schönen wexelbeziehung zufriedener. sie ahnen nichts von einer auf sie zu rasenden ökologischen & sozialen katastrophe. auch nicht nach zwei jahren coronairrsinn & razismus.

gleichzeitig inspiriert die üppige landschaft auch die landwirtschaftliche avantgarde, wofür der andreashof ein leuchtendes beispiel ist. er wird auch „rosenhof“ genannt.

schöne begebenheiten

ein mann, der möglichst wenig datenspuren hinter sich lassen will, schaufelte uns aus vollen händen münzen rüber – wir haben herzlich gelacht über diesen handel: alle beteiligten fühlten sich füsiologisch erleichtert. volle dosis gute laune.

vorher: ein etwa sechzigjähriger, freundlich lächelnder sparkassendirektor hört mir geduldig & aufmerksam zu, auch, als ein hyperaktiver mann uns penetrant von der seite reinredete … er gab mir umstandslos seine telefonnummer, zückte seine geldbörse und reichte mir mit den worten „fürs erste mal“ hundert euro, damit wir sofort etwas davon hätten … wunderbar!

an einem arbeitstag, der mit einem gewitter endete. mitten im gewitter sind wir losgefahren, durch den bis zur schmerzgrenze idyllischen allgäu richtung bodensee. ab lindau brach die sonne durch die wolkendecke. wir konnten die schweizer alpen sehen – voll die romantik.

mit dem mut zur lükke will ich nur vermelden, daߟ wir auf dem andreashof angekommen sind, wo die lichtwurz kultiviert wird – eine heilige oase, in der wir die pfingsttage verbringen. ich bin mal gespannt, ob der heilige geist lauter zu mir sprechen wird als sonst immer.

marktoberdorf

ein kleines städtchen, mit wohlhabend breiten häusern und einer öffentlichen toilette, die rund um die uhr geöffnet ist. wow – das ist leider selten der fall. mir also sehr sympathisch. der platz war prima – das wetter sehr wexelhaft – pralle sonne – kalt – regen. es war wenig los und die drei tage zogen sich schleppend lang hin.

ich habe versucht, herauszufinden, wie viele omnibusse diese gewaltige granitskulptur wiegt und muߟte feststellen, daߟ man hier weiterhin nur verstümmelt in die rathäuser reinkommt. am telefon konnte mir niemand meine frage beantworten. kann mir jemand auf die sprünge helfen ?

mangels menschen bin ich mit dem ergebnis unzufrieden und unzufrieden, daߟ ich unzufrieden bin. mich tröstet das erleben der filmburg …

tankstelle

seit ewigen zeiten war ich mal wieder im kino – und zwar im hübschesten kino, das ich kenne: die filmburg – gebaut, als ich fünf jahre alt war. in etwa so lange, wie ich mit dem omnibus unterwegs bin, getragen & aktiv kultiviert von einem verein kunstsinniger menschen, von denen wir zwei sympathische protagonistinnen kennengelernt haben.

auch der film war ein wahrer glüxtreffer: „der waldmacher“, den volker schlöndorff über tony rinaudo gedreht hat, einen australischen agrarwissenschaftler, der lange in niger lebte und die ökologischen probleme der sahelzone am eigenen leib erfahren hat. er hat beharrlich nach möglichkeiten gesucht, die verwüsteten landschaften wieder lebendig zu machen. er hat herausgefunden, daߟ unter dem verdorrten boden wurzelnetzwerke liegen, die sich wieder aktivieren lassen. in der sahelzone hat er ganze landstriche begrünt und erklärt heute afrikanischen bäuerinnen die möglichkeiten der agroforstwirtschaft. das nenne ich avantgarde!

afrika ist seit jahren mein herzenskontinent – also hat dieser film mich ganz besonders beeindruckt.

unter der bahn

haben wir ein skurriles wochenende verbracht – bis samstag fünfzehn uhr hat uns niemand begrüߟt oder instruiert. nachts vibrierte der omnibus mit dem rattern endloser güterzüge – ich mag das.

eine anarchistische oase im irrsinnig teuren münchen – ganz in meinem sinne.

regine hat die freie zeit genutzt, den omnibus blitzsauber zu machen – die scheiben waren unsichtbar und unsere diva strahlt von innen & auߟen.

das „frühlingsfest“ war dann schön lebendig und ein leuchtendes beispiel für wiederbelebte nachbarschaftliche beziehungen – sehr sympathisch.

das ist der omnibus mit der beuys-esche – eine „persönliche postkarte“. und der baum sieht sorgfältig gehegt & gepflegt aus:

die krönung unseres aufenthalts war dann eine einladung von yutta & gerd, die gleich um die ecke wohnen und mit denen ich immer gleich auf einer schönen wellenlänge bin – ich fühle mich verstanden. es gab lekker zubereiteten spargel – in einem türmchen im sexten stockwerk auf der stadt schwimmend – traumhaft – am ende habe ich noch den letzten teil des endspiels liverpool gegen real madrid mit den beiden angeschaut.

sonntag mittag sind wir durch regenwetter nach marktoberdorf gefahren. seit pullach ist es immer kälten geworden – und jetzt ist es wirklich scheiߟkalt – und meine füߟe freuen sich.

dreigliederung

carl hat mir erzählt, daߟ sich viele junge menschen aus seinem umfeld sehr für die idee der dreigliederung des sozialen organismus interessieren. während ich ihn schmerzlich vermisse, ist er unterwegs zu allen möglichen treffen, wo es darum geht, einen freien studiengang zu diesem thema zu basteln, also noch mehr theorie anzuhäufen, während wir am omnibus immer ganz praktisch an der verwirklichung der dreigliederung des sozialen organismus und der ausbildung der menschlichen voraussetzungen arbeiten.

carl kommt hoffentlich noch für ein paar wochen, aber ab august ist er weg und macht in der schweiz ein praktikum. ab anfang august bis zum tourende hat brigitte den personalnotstand ausgerufen: wir haben keine mitspieler:innen – dabei kann mensch am omnibus das ultimative dreigliederungspraktikum machen und vielleicht auch die bachelaurette …

wer sowas lernen will, ist hier immer herzlich willkommen !!!

null solar

wir stehen jetzt zwei tage auf einer ehemaligen bushaltestelle, direkt unter einer bahnlinie, wo ab morgen mittag ein frühlingsfest der bürgerinitiative „mehr platz zum leben“ zur feier des umgestalteten platzes stattfindet. zum 100. geburtstag von joseph beuys wurde eine „blumenesche“ (ein klimawandelgehölz) gepflanzt.

die gesamte dachfläche des omnibus liegt im dunklen – also kein input. wir haben jetzt seit über fünf wochen an keiner steckdose gehangen – das kommt mir vor wie ein wunder. die leute vom tiny pop up haben die installation begutachtet und mir versichert, daߟ diese anlage „state of the art“ ist und sie sich das leider nicht leisten könnten.

tanzende temperaturen

es hat zeitweise heftig geregnet und die temperatur ist abgestürzt – nachts ist es richtig kalt. seit wir bei nikolaus sind, scheint wieder die sonne – mit erfrischenden schatten.

meine füߟe sind begeistert und bleiben schlank. auf einem ausgedehnten spaziergang mit regine konnte ich sie sogar in der isar kühlen.

regine sorgt emsig für sauberkeit & ordnung. heute hat sie die fenster geputzt. vor allem füttert sie mich reichlich – auch mit ihrem lachen. wegen meines derzeitigen kostüms hat sie mich „flamingo“ getauft und ich finde das lustig, weil ich von allen seiten komplimente bekomme.

alles in allem eine heilige oase.

mit nostalgischen gefühlen

haben wir zum seele baumeln lassen bei nikolaus teixeira in pullach angedockt. wenn ich helden wollen würde, wäre nikolaus ganz prominent in meiner galerie vertreten: er war einer der protagonisten des legendären „bienen volksbegehrens“, das ein quantensprung der direkten demokratie in deutschland war und den machthabern einen ebenso mächtigen schrecken eingejagt hat.

beim unterschriftensammeln für die volksinitiative haben wir uns angefreundet und zum ersten mal in pullach ganz in seiner nähe ein wochenende verbracht. seitdem bin ich sein bedingungsloser bewunderer.

hier habe ich auch die letzte nacht vor unserer italienfahrt verbracht – auslöser vieler schöner erinnerungen.

durch wundersame wendungen des lebens lebt nikolaus hier inmitten stinkreicher nachbarn auf einem grundstück, das auf dem immobilienmarkt 10 millionen euro einbringen könnte. er hat einem sehr sympathischen jungen paar (feli & jonas) erlaubt, sich mit ihrem tiny house bei ihm anzusiedeln und ein tiny biotop zu bauen, das der öffentlichkeit als beispiel präsentiert werden kann – ich fühlte mich tief im herzen angesprochen und habe wunderfitzig alles aufgesogen,

heute nachmittag hatten wir einen anregenden gesprächskreis mit etwa 20 leuten auf dem gelände rund um „wohnen“ & „geld“ & „demokratie“. fast alle wollten anschlieߟend auch den omnibus sehen und uns ausfragen …

das ist meine „persönliche postkarte“, die ich dankbar den erbauerinnen widme.

dialog raum geld

das war die überschrift eines dreitägigen konvents, der im kongreߟzentrum augsburg stattfand. peter war einer der hauptverantwortlichen für die organisation & vorbereitung und hat auch während der veranstaltung überall nach dem rechten gesehen. wen das programm interessiert, der kann hier klikken.

kurt wilhelmi hat einen workshop zum thema „unternehmen grundeinkommen“ angeboten. drauߟen leuchtete der omnibus magisch wie ein raumschiff aus einer parallelwelt und hat in den pausen viele interessierte & interessante menschen angelockt. als spinner von netzwerken war ich voll in meinem element.

am montag ist regine angereist, mit der ich jetzt für einige zeit zu zweit unterwegs sein werde. ich bin gespannt, ob aus uns ein trio wird: das ist der kleinste superorganismus. ihr weithin hörbares lachen wirkt wie ein traktorstrahl mit magnetischer anziehungskraft …

alexandra aus brasilien war begeistert vom omnibus und hat mir einen schweren buchklotz geschenkt mit dem titel: „1000 peace women across the globe“

jetzt bin ich wieder leidlich synkron und kann erleichtert ins bett gehen.