tief in westberlin

zehlendorf – am teltower damm. hier war ich noch nie. wo sich vereinzelte breite schneisen kreuzen – und dazwischen wohnen und schlafen die menschen. in gründerzeit-villen oder in gartenkolonien, jedenfalls nicht in wohnmaschinen wie in der innenstadt. wir standen am rand einer solchen lebhaft befahrenen schneise. vor einem riesigen, leicht ramponierten bezirksamt, aus dem aber ein guter geist wehte: kaum waren wir angekommen, haben uns die männer vom wachdienst, ohne daß wir danach gefragt hätten, die ganze nacht zugang zu den toiletten angeboten. vollkommen unbürokratisch sind wir mit strom versorgt versorgt worden. diese umstandslose hilfsbereitschaft hat mir sehr gefallen …

ganz schön kafkaesk. ein rechtwinkliges labyrinth. da quietschten die schuhe ganz laut. an der fassade draußen waren die baumförmigen schemen einer herabgerissenen bepflanzung zu sehen, die sich offensichtlich ziemlich festgekrallt hatte.

es ist nicht das erste mal, daß ich eine solche erfahrung in den vorstädten berlins gemacht habe und ich stelle fest, daß die menschen mir sympathisch sind. direkt, sachlich, unglamourös, eigenartig. no nonsense. es ist platz hier und viel grün. ich bin erwartungslos und ganz offen hergekommen und fühle mich wohl  auch ohne effizienz. ich verstehe immer mehr, daß effizienz  (bei kampagnen) etwas kaltschnäuzig-technisches ist, voll in der konsumenten-matrix.

da habe ich lieber die helle freude an dem goldenen punkt und dem beherzten ja der schweizerinnen. diese geste will ich bei meiner arbeit beherzigen – auf diese weise komme ich auch auf den punkt und liebevoll zur sache. unser quartett ist so gut eingespielt, daß ich nebenher auch noch lauter updates & backups machen und meine emails abarbeiten konnte. meine tage sind so voll, daß ich zwar immer zu erreichen, aber kaum noch online bin. zu wenig bandbreite. ich nutze das digitale netzwerk vorwiegend als lebendig vibrierende enzyklopädische datenbank und zum schreiben und telefonieren.

und hier – tief im westen – gibt es sogar „erfurter passe“, die ich sonst im westen nur höchst selten zu gesicht bekomme.

gute nacht und schöne träume.


26.05.2016 - 00:38