wabi sabi

bei meinem abendspaziergang habe ich diese fassade entdeckt, die sich auf avantgardistische weise in diese schmale gasse fügt, die zum uralten rathaus führt. hinter dem lebendigen grün & den „modernen“ bauelementen befand sich – irgendwie passend – ein yoga studio.

mühlhausen hat mich in seinen bann gesogen und ins 16. jahrhundert katapultiert. ich habe alle sinne voll geöffnet und lauter zusammenhänge & abfolgen haben sich offenbart.

und augenblizze

jetzt habe ich den kopf voll mit bildern & geschichten und die uhr tikkt völlig asinnkron mit meinem empfinden. da muß ich aufpassen, daß ich im alltag voll bei der sache bleibe und nicht mechanisch werde.

ich bin doch nur so winzig !

guten flug mein lieber

nachdem wir jetzt zwei monate unisono mit dem OMNIBUS einen gemeinsamen körper gebildet haben, mußte danilo zurück nach hamburg – für mich fühlt sich sowas immer an wie eine amputation und ich muß mich ständig ermahnen: „immer schön lokker bleiben!“

er ist ein musiker und dabei frei wie ein vogel – das liebe ich am meisten – wir kommen in vollen einklang und verschwenden keine worte.

er fliegt auch nach hause, weil er mit seiner familie ein album aufnehmen will – naima & seine eltern sind alle musikanten. ich freue mich schon jetzt auf das ergebnis.

und ich betrachte es als kleinen trost für meinen fantomschmerz, daß er das einzigartige didgeridoo, das er aus japanischem staudenknöterich gebastelt hat, hier gelassen hat …

also nochmal:

guten flug mein lieber !

mühlhausen

in dieser kirche hat thomas müntzer gepredigt – und in dieser stadt ist er am ende bestialisch gefoltert worden. im alter von nur 35 jahren wurde er enthauptet, sein kopf wurde aufgespießt und sein geschundener körper wurde an den füßen aufgehängt und öffentlich zur schau gestellt. er hatte es gewagt, als anführer der bauern die mächtigen seiner zeit „militärisch“ herauszufordern. etwa so wie wenn taiwan die volksrepublik china angreifen würde.

das resoniert ganz tief in mir und ich muß an so leute wie jesus, georg büchner, erich mühsam, che guevara und ulrike meinhof denken. und an jede menge freiheitskämpfer, die ihr leben gegeben haben.

immer wenn mir die frage gestellt wurde, ob ich mich an frühere leben erinnern kann, habe ich geantwortet, daß ich in einem vorigen leben als frau einen entscheidenden fehler gemacht haben muß, weil ich mich zu diesem leben als mann verurteilt fühle –

oder

ich sei ein bauernkrieger gewesen, weil mich die vorstellung von „parasitären eliten“, adligen herrschaften, degenerierten pfaffen und zunehmend von akademischen klugscheißern zutiefst empört. und ich mich solidarisch den bauern als hüter von unser aller mutter erde verbunden fühle –

jetzt habe ich die lösung:

ich war eine bäuerin an der seite von thomas müntzer, die ihn nicht von seinen „militärischen“ anwandlungen abhalten konnte !

jedenfalls will ich mich jetzt mal ausgiebig mit seiner biografie beschäftigen …

home turf

eigentlich wollte ich mich hier so richtig über die grauenhafte häßlichkeit des platzes auskotzen, der nur hundert meter von unserem angestammten platz entfernt liegt:

wem würde das helfen – ich bescheide mich lieber mit ein paar bildern

ich will lieber über meine spiegelbildliche perspektive nachsinnen und habe deshalb ausdrücklich dieses bild an den anfang gestellt

denn ich habe brigitte in der „grünen perle“ besucht und michael hat uns mit nachschub versorgt und uns einen drucker gebracht, der hoffentlich allen beteiligten die arbeit wesentlich erleichtern kann. es hilft mir immer sehr, mich mit den beiden in fleisch & blut kurzzuschließen und in einklang zu bringen.

ich hab fast meine ganze lokale verwandtschaft gesehen und wunderbare junge eltern allerlei geschlechts mit ihren kindern kennengelernt oder wiedergesehen. in drei junge mütter habe ich mich unsterblich verliebt. das allein war die mühe wert.

und je länger ich darüber nachdenke – desto mehr interessante soziale augenblicke fallen mir ein! da kann ich doch ganz zufrieden sagen: „schiff ahoi“

ich sollte besser nur ganz bewußt schwarzweiße bilder machen

wittzig

wir sind ganz schnell & unerwartet für drei tage in witten gelandet, wo ich meine winter verbringe und mich jetzt aus der umgekehrten perspektive an gelungenen sachen erfreue – wie an diesem laden, der schallplatten & wein anbietet

im fenster war sogar eins meiner lieblingsalben – „nina hagen band“ – mit dem nina hagen wie eine rotzfreche granate im westen eingeschlagen ist. „naturträne“ ist mein lieblingslied.

den laden finde ich wittzig wie eine blume in der wüste.

voll im stau

wir hatten mal wieder kein wochenende – der OMNIBUS war eingeladen in die „jahrhunderthalle“ in bochum, wo die gls bank mit einer zweitägigen messe ihren fünfzigsten geburtstag feierte.

das bombastische gelände hat mich sofort in seinen bann gesogen – ab mitte des 19. jahrhunderts wurden dort immer neue verfahren der stahlerzeugung erfunden und steigerten sich parallel zum kaiserreich in skrupellosem größenwahn bis zu einem der wichtigsten rüstungsproduzenten der nazis. am ende des zweiten weltkriegs arbeiteten dort 7.000 zwangsarbeiter und 1.500 kz-häftlinge.

wenn das nicht ein denk mal ist !!! das ruhrgebiet ist voll davon. schon als kind hat es mich fasziniert, wenn sich am anderen ufer des rheins der himmel rot verfärbte, weil in einem hochofen ein abstich gemacht wurde – als meßdiener habe ich mir so ungefähr das fegefeuer vorgestellt und war froh, in einem dorf auf der linken seite des rheins zu leben.

wir standen an der periferie eines unglaublichen getümmels und sind überhaupt nicht von unseren einladern begrüßt oder in den reden der offiziellen & gratulanten erwähnt worden.

wir fühlten uns wie schamanen und haben unsere zauberkräfte spielen lassen …

tausend wunderbare analoge vollkontakte – ich mußte mich zwingen, zu essen und über die messe zu streifen. da habe ich mich wunderfitzig mit allen möglichen ausstellern kurzgeschlossen und auf den neuesten stand gebracht.

und wieder schloß sich ein kreis: der messestand von michael und der olivenölbande war in seiner schlichten klarheit eine selbstbewußte verkörperung von „small is beautiful“ – es war ein vergnügen, die ganze bande in aktion zu erleben.

ihr stand war bei weitem der schönste – ich habe absichtlich kein foto davon gemacht!