Allgemein
unisono
sofia & ich sind immer öfter unisono, denken das gleiche, sagen das gleiche, sehen das gleiche, hören das gleiche und haben manchmal regelrechte heiterkeitsexplosionen.
wir haben gestern abend begonnen, auch unisono vorn im wohnzimmer zu schreiben. ich hatte mir wohlweislich einen splitter besorgt, an den wir beide unsere kopfhörer anschließen können, mit zugriff auf meine umfangreiche & breitbandige audiothek. über die musik sind wir dann vielleicht passiv unisono und speisen parallel & komplementär verzwirnt unsere er-fahrungen ein. das ist ja wohl der sinn der sache.
carpe diem – morgen fahren wir zu zweit nach hamburg und für beide beginnt ein anderes kapitel.
gerade hören wir „istanbul 1:26 am“ von orient expression und fahren nebeneinander her.
an der fabry-büste

der berühmteste sohn der stadt, begründer der wissenschaftlichen chirurgie …
in hilden sind sofia & johannes wieder zu uns gestoßen – und später am abend kam noch nele dazu, die eine schnupperwoche macht, um herauszufinden, was die praktische arbeit am omnibus bedeutet. sie hat sich schnell eingelebt. die umstände waren ziemlich ungemütlich, und als dann auch noch regnete, ebbte der betrieb am omnibus vollends ab.
der sonnenlauf ist schon ziemlich flach – es entstanden kontrastreiche lichtstimmungen, perlen in der ödnis.
alle sind ziemlich geschlaucht – es ist schwer, innerlich loszulassen, wenn der betrieb aus gründen, die nicht in unserer hand liegen, nicht läuft. da lauert eine sich selbst erzeugende anspannung – das gegenteil von lokker.
naßkalt ist eine der schwierigsten herausforderungen. alle sind dick eingemummelt und immer wieder gibt es frische heißgetränke.
heute morgen hat uns enoch mit den sprechenden händen verlassen müssen: ich habe ihm so gern bei der arbeit zugeschaut und mir vorgestellt, er würde nur töne erzeugen und seinen körper entsprechend bewegen und sein gesicht & seine hände für die feinarbeiten nehmen. er kommt in allen sprachen zurecht und plant, bald für längere zeit nach japan zu gehen – da fliege ich in gedanken gerne mit. er bleibt mir aber weiterhin ein schönes rätsel. ähnlich wie mathias kommt er in längeren gesprächen sehr nah an sperrige menschen heran – und hat am abend quantitativ ein besseres ergebnis als ich. fare well, mein lieber !!!
bochum blues
bochum war erstmal hard core und äußerst anstrengend, dafür später aber umso gastlicher: wir hatten eine wunderbare haltestelle am wochenende: die johanneskirche im glockengarten, wo freitagabend johannes einen vortrag gehalten hat … und samstag vormittag schloß ein seminar daran an.
bärbel & tom tritschel bewirtschaften diese gemeinde mit freundlicher aufmerksamkeit & geistesgegenwart. tom ist ein ultimativer seelsorger – und das sage ich als gottloser nichtchrist & exministrant.
enoch & ich haben unsere zweisamkeit am wochenende genutzt, um zu lesen & zu kramen & zu reden, schön lokker. am abend sind wir zum „pablo“ gelaufen und haben ein lekkeres hirschragout gegessen. danach haben wir uns das original von „die glorreichen sieben“ angesehen, mit dem glatzköpfigen yul brunner in der hauptrolle und horst buchholz hollywood-debüt.
der böse war ein mexikanischer räuber, der mit seiner bande ein mexikanisches bauerndorf terrorisiert …
der böse in dem remake war ein unersättlicher & soziopathischer kapitalist, der rechtschaffene amerikanische farmer malträtiert.
und die hauptrolle spielt jamie foxx, ein schwarzer – und überhaupt: alle sieben sind jeweils totale außenseiter.
alle widerwärtigkeiten des privateigentums waren wie in einem lehrstück zu sehen und die bauern waren in beiden filmen ein commonales gegenbild. die bauern waren die guten, nicht die mietkiller. wir fanden das beide sehr aufschlußreich …
fundsache
das bin ich, im storchenoutfit, als ich mein lieblingsbild von pierre soulages fotografiere. enoch hat das bei unserem denkwürdigen besuch im folkwang museum im winter aufgenommen. es kam ganz unverhofft zu mir, als er mir diese beiden bilder per sms geschickt hat.
seine kamera ist ziemlich schlecht und für bildausschnitte hat er noch kein gefühl entwickelt … aber in dem augenblick, in dem er jeweils auf den auslöser gedrückt hat, fühle ich mich voll wahrgenommen.
diese beiden hat sofia gemacht und ich habe mir auch hier erlaubt, den bildausschnitt zu ändern. das sind die aktuellen fotos der band. und, wo wir einmal dabei sind, auch noch ein volk-foto von johannes:
und, damit alle wissen, wie mein lieblingsbild von pierre soulages aussieht:
postkutsche
die post zeigt der autoindustrie, bei der sie als großkunde mit dem bedarf abgeblitzt war, mit eigener initiative, wie ein praktischer lieferwagen mit elektroantrieb gebaut wird. vorn drauf prangt das posthorn. heute habe ich zum dritten mal einen zu gesicht bekommen. völlig lautlos.
das unternehmen ist unter der schirmherrschaft der post aus einer zusammenarbeit mit der rwth aachen entstanden … das ist moderne ingenieursarbeit. otl aicher hätte freude daran. und eine riesen-zurechtweisung für die autoindustrie, die sich immer wieder als kriminelle vereinigung entpuppt, in schmieriger zusammenarbeit mit den zuständigen organen des staates.
jetzt hat die post ihr unternehmen um die elektrofahrzeugherstellung erweitert und leistet einen riesigen beitrag zur luftqualität in den innenstädten. und sie bietet die produkte auch auf dem freien markt an – da bin ich jetzt mal sehr gespannt, ob die das schaffen oder ob sie von verwaltungsbürokraten und gedungenen söldnern gekillt werden.
schrecklich kalt
waren das wetter und das ambiente in bochum – umzingelt von billigkommerz traten verwirrend viele offen verrückte menschen auf … das macht die arbeit sehr anstrengend & ineffizient. das ergebnis ist wahrscheinlich mager.
es war so kalt, daß ich mir erstmals seit zweieinhalb monaten die leguanos übergestreift habe – das sind so sockenschuhe. ich mußte das tun, damit das barfußlaufen keine masochistische note bekommt. ich habe es sehr genossen und werde in zukunft soviel wie möglich barfuß laufen.
freya hat uns besucht und fürsorglich warme anziehsachen für sofia und die jungs besorgt. die mitfühlende seele. und am abend hat uns nach viel zu langer zeit jan hagelstein mit seinem besuch erfreut.
wuppertal barmen
ich bin froh, daß wir gleich am ersten abend ausführlich mit der schwebebahn gefahren sind. ansonsten haben wir nicht viel von der stadt mitbekommen, weil wir die ganze zeit zu tun hatten bis zur letzten minute.
am nachmittag ist freya gekommen, um mit uns gemeinsam nach bochum zu fahren. sie ist freiwillig meine lotsin gewesen. ich lasse mich immer gern von ihr anleiten. wenn sie in der nähe ist, werde ich gleich lokkerer, weil sie aktiv zu einer entspannten atmosphäre beiträgt. alle haben sich prima verstanden und die fahrt verlief sehr unterhaltsam.
in bochum stehen wir erstmalig auf dem husemannplatz und mußten den omnibus erst noch einmal verrücken, weil wir einem cafe die sicht versperrten. jetzt ragen wir in die haupteinkaufsstraße hinein – mal was anderes.
wir sind noch ausgiebig durch die stadt geschlendert – bis zum bermuda-dreieck – und haben uns ein passendes restaurant für unser abendmahl gesucht. während des essens stellte sich heraus, daß johannes ein ziemlich neues, schlankes macbook air hat und wir haben uns eine vorführung gewünscht …
freya & sofia brauchen nämlich sowas. freya hat sich garage band angeschaut und damit herumgespielt. sie würde gern songs schreiben & aufnehmen. so ein macbook wäre das ultimative werkzeug für sie, mal davon abgesehen, daß sie das sowieso für ihr studium braucht (sie macht im moment alles mit einem uralten eipätt mit 16 giga speicher). ach, wäre ich doch ein reicher gönner. es wäre mir ein vergnügen, die mädels mit guten werkzeugen zu versorgen. die jungs sind fast immer besser ausgerüstet.
ach so: liebe grüße von sofia an das wo lang publikum (sie konnte heute ihren kopf nicht bewegen). wir haben einen lustigen spitznamen für mich gefunden: „opi da lang“ und schallend darüber gelacht – und ihr gings gleich besser.
theatralisch
so habe ich unseren platz gestern beschrieben. nach & nach habe ich mich dann an ein drama erinnert, das sich auf diesem platz abgespielt hat:
am zwölften september zweitausendeins war ich mit dem omnibus auf diesem platz – ein tag nach nine eleven! die menschen waren fassungslos und viele sind richtiggehend durchgedreht. renate riepe war im omnibus-team. wir wurden gezwungen, den omnibus vom platz zu räumen, weil dort eine gedenkstunde mit der städtischen prominenz stattfand und der oberbürgermeister schwülstig & überzogen die „unverbrüchliche solidarität mit amerika“ herausposaunte. da war eigentlich der afghanistan-krieg schon besiegelt. das internet war noch ganz jung – und ein ganz neuer menschenschlag tauchte auf: die paranoiden verschwörungssüchtigen, die mir hoch geheime internetseiten ins ohr raunten und nächtelang auf erbärmliche bildschirme starrten. bei der vorstellung krieg ich schon pickel.
und dann heißt der platz auch noch „johannes-rau-platz“. der hat als kultusminister von nordrhein-westfalen joseph beuys gewaltsam & unrechtmäßig aus der kunstakademie düsseldorf entfernt. später hat er sich als „bruder johannes“ noch in das beschämende panoptikum der bundespräsidenten eingereiht – ich könnte kotzen, wenn ich wollte.
lieber lokker bleiben und mir ein beispiel an der schwebebahn nehmen.
wir hatten viel zu tun, denn alle halbe stunden wurde im radio auf uns hingewiesen und wir waren auch bestandteil der lokalen fernsehnachrichten. nur die zeitungen haben nicht berichtet (das zur information für mathias). johannes mußte ins kalte wasser springen und war gleich voll beschäftigt.
meister peter hat seinen werkstattwagen vorbeigeschickt und einer seiner liebenswürdigen riesenmechaniker hat unser getriebe begutachtet & gereinigt. nirgendwo tritt sichtbar öl aus, aber auf dem ganzen gehäuse steht so eine art schweißfilm. er konnte weiter nichts machen als alle muttern des deckels nachzuziehen und die verschiedenen anschlüsse nachzusehen. zum abschied hat er gesagt, daß er noch nie ein trockenes getriebe in einem omnibus gesehen habe. soll mich das beruhigen?


































