feiertage

gestern vor 200 jahren wurde karl marx geboren und heute war der „weltlachtag“ und es war kommunalwahl in schleswig-holstein. davon habe ich nichts gemerkt, auch weil holger seit vielen jahren der hiesige zeremonienmeister des weltlachtags ist.

diese rolle sitzt bei ihm wie maߟgeschneidert. er lacht ohnehin sehr gern & oft. wer ihn kennt, kann von glück sagen. ich kenne seinen alltag nicht und wir brauchen kaum zu reden. mit ihm bilde ich immer gleich ein trio, das dem leben einen freundlichen & liebevollen drall geben kann.

ich mag kein „ringelpiez mit anfassen“ und also auch nicht auf zuruf lachen, aber das bild eines um den globus wandernden gelächters finde ich sehr schön und an sich schon belustigend. also bin ich mit benjamin losgelaufen, ohne mir den weg vorher auf der karte angesehen zu haben. mit einer vagen entfernungsangabe. wir sind ziemlich rumgeirrt und ich habe benjamin beiläufig erzählt, was ich über die landschaft durch holger erfahren habe.

nur durch ihr lachen haben wir die anderen menschen gefunden, die sich zur feier des weltlachtags versammelt hatten: eine lebendige & vielfältige mischung aus drei generationen. manche kamen aus flensburg im äuߟersten norden. wir wurden sehr freundlich aufgenommen & interessiert ausgefragt. alle wollten unbedingt den omnibus besichtigen und am ende sind wir auf der ultimativen veranda der lotsenstation gelandet.

ich habe einige expeditionen zur eider unternommen und sie dann doch fotografiert:

himmlische ruhe – da wirkt der kanal als menschenwerk sehr grobschlächtig dagegen. das wetter war traumhaft schön – die wegränder sind mit löwenzahn gesprenkelt.

für mich waren das heilige tage, lokker oszillierend zwischen innen & auߟen. ich fühlte mich völlig zuhause in dieser wunderbaren omnibus-herberge und werde so oft wie möglich hier auftauen.

höchstes lob & herzlichen dank an die unvergleichlichen herbergseltern !!!

herberge

das war das wort, das ich suchte, als ich „karawanserei“ gesagt habe. das hörte sich weit hergeholt an. die alte lotsenstation ist für mich & den omnibus & die jeweilige band eine herberge geworden, die alle gestärkt & lustvoll inspiriert verlassen. goldmedaille – fünf sterne – meisterschaft.

das wetter war strahlend schön und windstill – das gibt es hier fast nie. cordula hatte für uns gekocht und wir haben im garten am kanal gegessen, die füߟe im sandkasten …

spontan & aus der hüfte habe ich den paparazzo in mir freigelassen: cordula & holger, ganz entspannt im hier & jetzt. sie verkörpern leibhaftig & vorbildlich, was ich mit „immer schön lokker bleiben“ meine. beide sehen unverschämt jung aus und ihr gemeinsamer sohn gedeiht ganz prächtig. es wärmt mein herz, solche menschen in voller analoger bandbreite zu erleben. eine oase leichtherziger friedfertigkeit.

als es kühler wurde, haben wir feuer gemacht und ich habe mich von dem besonderen ambiente verzaubern lassen.

verrückter tag

wir sind früher aufgestanden und gleich losgestürmt, denn theoretisch hätten wir das ergebnis von gestern noch einmal deutlich übertreffen können. die äuߟeren umstände waren ideal. am ende hatten wir hundert unterschriften weniger als gestern. ich fühlte mich total unterfordert.

mittags habe gabriele zum bahnhof gebracht. immer atme ich erleichtert auf, wenn sie zum omnibus kommt – sie hält mir mit herzlicher aufmerksamkeit total den rücken frei und hat viel freude an den „enkelinnen“. sie ist die beste hauswirtin, die sie sich wünschen können.

max haben wir in neumünster zurückgelassen, weil sein zug erst spätabends losfuhr. kolja wollte unbedingt die lotsenstation kennenlernen und fährt morgen mittag ab rendsburg nach hause.

mit dieser band + benjamin haben wir in weniger als zwei wochen 2.673 unterschriften gesammelt.

von meiner seite noch einmal ganz ausdrücklich:

ganz groߟes

an die band – und danke für alles!

neumünster

quer im äuߟersten zipfel des langgezogenen „groߟflecken“ haben wir die nacht verbracht – eine eigenartige, wenig verheiߟungsvolle position. wir haben eine ganze weile gebraucht, uns alle an der optimalen stelle zu verwurzeln. für mich mit dem omnibus im rücken ist das noch am leichtesten. wenn zu wenige menschen vorbeikommen und ich rufen muߟ, um jemanden zu erreichen, fühle ich mich allerdings ziemlich gefesselt & ohnmächtig, weil es beim kampfsammeln in erster linie um den quantitativen erfolg geht. als dirigent komme ich da total ins schwimmen, weil ich weiߟ, wie schwer es für die mitspieler ist, die beste stelle im menschenstrom zu finden und sich da sicher zu verankern.

der erfolg hat dann meine kühnsten erwartungen übertroffen: 387 unterschriften sind zusammengekommen. die band ist spitze und ich kann ihr voll vertrauen! morgen gibt sie ihre abschiedsvorstellung, wir werden früher aufstehen, weil markt auf dem groߟflecken ist …

zweitausendzwölf

die band geht voll ab – heute haben wir bei zunehmend schönem wetter wieder unseren eigenen rekord überboten und haben unser tief zu einem hoch umgestülpt. ich konnte wieder barfuߟ laufen. der profisammler benjamin hat uns genau zum richtigen zeitpunkt als ausgeprägter solist um eine neue klangfarbe bereichert. die jungs haben mit ihm & gabriele die bestmöglichen ausbilderinnen erwischt und unglaublich schnell gelernt. und ich lerne, mit einer milden grundstimmung die jeweilige einzigartigkeit der verschiedenen besetzungen zu genieߟen & auszukosten, obwohl der rheinische hektiker in mir an allen etwas auszusetzen hätte.

ich sinne über meine seltsame rolle nach: ich bin der dirigent einer improvisierenden band und beginne langsam zu verstehen, daߟ in einer frei improvisierenden band potenziell alle dirigenten sind. so entsteht ein vielschichtig schillerndes „ganzes“, das viel gröߟer ist als die summe der beteiligten. das nenne ich „oszillierenden rollentausch“. von yunus habe ich gelernt, mich da lokker rein fallen zu lassen.

mit facebook will ich nichts zu schaffen haben – deshalb hier das dokument einer übergabe: heute hat uns (während seiner arbeitszeit) dr. reinhard knof besucht, der vertrauensmann der volksinitiative. ein überaus sympathischer pragmatiker, der sich gründlich in die materie „fracking“ eingearbeitet hat und nicht bereit ist, tatenlos hinzunehmen, daߟ so eine völlig destruktive technologie zur anwendung kommt. er hat ein paar stunden mit mir vor dem omnibus gesammelt, mit einer freundlichen seelenruhe, voll authentisch und ohne jegliche persönliche eitelkeit. sein beispiel hat mein herz erfreut. ich überreiche ihm die 1.555 unterschriften, die wir bis gestern gesammelt hatten. in der mitte zwischen uns steht benjamin, dessen persönlichkeit mit einer „normalen“ frisur viel besser zur geltung kommt.

jetzt bin ich in einer ganz anderen raumzeit – und mitternacht ist mal wieder vorbei:

tag der arbeit

das wetter war noch beschissener als gestern: sieben grad, und zum regen kamen noch stürmische böen hinzu – kaum menschen waren unterwegs. es war total ungemütlich und ich habe die tote zeit dazu genutzt, betriebssystem-updates & backups zu machen – mit den üblichen unerklärlichen sackgassen & hindernissen. langsam komme ich vorwärts mit der einstimmung der digitalen gerätschaften, aber mein neues eifohn iks habe ich noch immer nicht in betrieb genommen – das ist zweitrangig in meiner prioritätenkaskade.

erstmal möchte ich meinen analogen avatar an die heftig wexelnden umstände anpassen und mitten im leben einen lässig synkopierenden groove finden. den tanz des alltags. ich habe endlich meine neue tasche eingeräumt & umgehängt:

sie sieht aus wie ein kind meines ledermantels und da paߟt zur not alles rein. ich kann sie umhängen, wie eine aktentasche tragen oder in einen rucksack verwandeln – sie ist mir auf die seele geschneidert. wie gut, daߟ ich so viele jahre nicht nach ihr gesucht habe.

zum tanz des alltags zählen auch meine abendlichen spaziergänge und das schreiben hier – da laߟ ich gern mal 100 emails auflaufen und sinne nach über eine rosa neonschrift meines wahlspruchs: „immer schön lokker bleiben“ …

morgen können wir aus diesem tief herauskommen: benjamin, der profisammler, ist zu uns gestoߟen und wir haben den omnibus umgestellt, weil morgen markt ist – ideal zum sammeln. holger wird uns zuhilfe kommen (womit wir ein sextett wären) und das wetter kann nur besser werden.

heavy duty

schon die letzten tage war das wetter ab mittags so unbehaglich naߟkalt, daߟ ich meine leguanos angezogen habe. letzte nacht brach dann synkron mit dem vollmond ein gewitter los, das in den mittag hinein ausklang und in schauerlichen regen überging. brrr.

wir waren zu dritt und haben keine geschützten sammelplätze gefunden. wenige menschen waren unterwegs – wir begriffen, daߟ heute ein brückenmontag war. beim besten willen konnten wir gerade mal 145 unterschriften sammeln. kurz vor „feierabend“ kam dann mit dem genesenen kolja die pralle sonne.

zur entspannung habe ich alle (auch cordula & holger) ins kino gelotst und wir haben uns „ready player one“ von steven spielberg angeschaut – ich war nachher so entspannt, daߟ ich meinen kaschmirschal, der mir gerade jetzt so gute dienste leistet, im kino vergessen habe.

also habe ich zu meinem nachtspaziergang den schal eingeweiht, den yunus‘ mutter mit der hand bestickt hat. und prompt diese seltsamen bilder gefunden:

halb zwei – gute nacht!

happy weekend

das ist die „freya“. laut holger ist sie das schönste schiff auf dem nord-ostsee-kanal – ein eleganter raddampfer aus der kaiserzeit. da fällt mir gleich meine meistin und die gleichnamige nordische göttin ein und die „friesische bauernrepublik“ als hundertfünfzig jahre währende uraufführung von direkter demokratie, die nur mit militärischer brachialgewalt aller umgebenden „reiche“ äuߟerlich niedergeschlagen werden konnte.

in den geschichtswissenschaften und im allwissenden internet klafft da ein hundertfünfzig jahre groߟes schwarzes loch und dirigiert mich in die schönsten gedankenspiele, z.b. ob holger ein aus der zeit gesprungener botschafter der bauernrepublik sein könnte.

vor fünfzehn jahren habe ich ihn kennengelernt und die lotsenstation ist eine ständige anlaufstelle geworden, wenn ich in der gegend bin. für mich ist das jedes mal „recreation“ im besten sinne. ich kann nur wärmstens empfehlen, mal auf den link zu klikken. holger ist aus dem rattenrennen ausgestiegen und läߟt die zeit frei flieߟen. lachend & entspannt. er meistert sein leben auf vorbildliche weise und hat mich von anfang an immer wieder inspirierend verblüfft. die lotsenstation ist eine oase lebensbejahender sinnlichkeit – deshalb habe ich sie auch gestern „karawanserei“ genannt.

bei unserem spaziergang über den von holger angelegten sinnweg direkt am kanal habe ich zum ersten mal ein frei fliegendes seeadler-paar gesehen – und bei meinem nachtspaziergang in rendsburg dann später dieses plakat.

und holger hat uns an die eider gelotst, die hier parallel zum kanal verläuft – das gegenbild zu dem gründerzeitlichen gröߟenwahn des kanals. eine völlig andere welt, die ich ehrfürchtig nicht fotografiert habe. die eider ist der gröߟte fluߟ schleswig-holsteins.

um halb sieben hat holger uns mit dem auto die wege & plätze für den omnibus gezeigt und uns auf allerlei sehenswürdigkeiten hingewiesen, zum beispiel die längste rolltreppe westeuropas, die in den fuߟgängertunnel unter dem kanal führt.

und die passage eines titanicmäߟigen ungetüms auf dem kanal:

ich bin glücklich & zufrieden und gehe jetzt schlafen …

kulisse

auf dieser bühne war ich heute voll in meinem element und bin zu der besten mir möglichen form aufgelaufen mit über hundert unterschriften und sehr intensiven kontakten. mehrere menschen haben gesagt, daߟ ihnen unsere begegnung unvergeߟlich bleiben würde und sich ausdrücklich für meine arbeit bedankt.

gegen drei haben wir eingepackt und sind zur alten lotsenstation am nord-ostsee-kanal gefahren, wo mein alter freund holger schon seit vielen jahren eine omnibus-karawanserei betreibt.