des shootings in berlin sind diese beiden bilder und wundervolle tage in der havelhöhe und zweimal in einer woche quer durch deutschland bei strahlendem wetter im „der-mann-den-sie-pferd-nannten“-modus.
gestern bin ich mit dem X34 von der havelhöhe in die stadt gefahren und habe auf der hin- & rückfahrt da gesessen, wo ich in meinem omnibus nie sitzen kann: vorn oben in der aussichtskanzel. der X34 fährt durch bis zum bahnhof zoo. dort mußte ich noch einmal umsteigen …
ich habe maria besucht in ihrer schönen neuen wg mit kleinkind, dessen eltern und einem weiteren mitbewohner. sie wohnt ganz oben – opi da lang kam schön ins schnaufen – aber das treppensteigen lohnt sich dort: wohnzimmer & küche waren sonnig hell. im wohnzimmer steht auch ihr klavier. während sie dort eine unterrichtsstunde für eine junge mutter gab, habe ich ihren kiez erkundet und in einer schönen kleinen buchhandlung zwei auserlesene bücher gekauft.
wir haben verabredet, am mittwoch um sechs im delphi-kino am zoo den beuys-film anzuschauen … von dort aus kommt sie dann mit zum omnibus, so daß wir am donnerstag nach dem frühstück zusammen nach alfter fahren können. sie hat mich noch zur richtigen buslinie gebracht und wir sind mindesten drei stationen zu fuß gelaufen, während wir uns angeregt unterhalten haben.
vom bahnhof zoo ging es dann mit dem X34 wieder zurück nach alt-kladow.

unterdessen hatten die jungs den omnibus für unser fotoshooting auf hochglanz poliert. abends kamen brigitte & michael und haben bei uns im omnibus geschlafen …
zitat:
„a thousand years from now, when money is so different from what we know today that we might not even recognize it as money, the basic idea of investment will remain.
…
we will always have the wherewithal – increasing over time – to create marvels through collective human effort and in partnership with „Lover Earth“. at the most basic level, sacred investing is simply the intentional channeling of this superabundance toward a creative purpose. it begins with the meeting of needs and unfolds into the creation of beauty.“
der sonntag & die ruhe & die abgeschiedenheit haben mir erlaubt, mich ausgiebig meinen studien zu widmen. ich bin ein großes stück weitergekommen mit „sacred economics“. ohne es zu wissen, ist charles eisenstein zu meinem lieblingsprofessor avanciert – von ihm lerne ich gerade am meisten im hinblick auf freigiebigkeit & ge-lassen-heit.

das nenne ich konkrete poesie – damit kann ich sofort etwas anfangen und meine haltung besser ausbalancieren. ich sehe unendlich viele anknüpfungspunkte. zum beispiel entscheide ich jetzt ganz lokker, das klavierspiel heute ausfallen zu lassen.
unser platz hier in der havelhöhe ist märchenhaft schön. wir sind mit allem versorgt und haben egon’s schlüssel für die schule.

so eine verrückte waldorfschule hätte ich nicht für möglich gehalten – da können die schülerinnen kein abitur machen !!! da bin ich aus vollem herzen neugierig und öffne bereitwillig alle kanäle …


gestern nacht habe ich im eurhythmiesaal seit langem mal wieder ausführlich klavier gespielt. das war erstmal viel lokkerungsarbeit – bis ich mich aus der uhr-zeit voll ausgeklinkt und auf den pentatonischen raum konzentriert habe: das war der übergang zu etwas wildem & freiem. da konnte ich mich differenziert & sentimental austoben.
das hat sich angehört wie diese drei fliegenden teppiche …
im bewährten „der-mann-den-sie-pferd-nannten“-modus bin ich heute bei schönstem reisewetter nach berlin geflogen. von mir aus gesehen, hatte mathias heute seinen ersten geburtstag. seit einem jahr haben wir eine gemeinsame entwicklung und ich lote immer weiter die möglichkeiten des oszillierenden rollentauschs aus.
wir sind beide eigenbrötler und reden am liebsten nur das nötigste, weil wir so beschäftigt sind – was ist das gegenteil von small talk? wenn wir ungestört sind, entspinnen sich ganz direkte & praktische gespräche. wir synchronisieren unsere betriebssysteme und lernen jeweils neue anwendungen kennen, die wir sofort im alltag erproben können. am schönsten entwickelt sich das, wenn er sagt: „werner, darf ich dir mal eine persönliche frage stellen?“
wir schenken uns die volle aufmerksamkeit – besser gehts nicht. deshalb verging die zeit wie im fluge.

die sicht war grandios – an manchen stellen konnten wir 100 km ins land sehen. in hannover haben wir an der raststelle zwei tramperinnen aufgelesen: anouk & leila aus amsterdam. sie haben oben in der aussichtskanzel gesessen und lauter selfies gemacht, um einen beweis zu haben, mit dem famosen omnibus gefahren zu sein. vor uns waren sie von einem tesla mitgenommen worden – die konnten ihr glück nicht fassen. wir haben sie in alt kladow an der bushaltestelle herausgelassen.
nie hat es heute aufgehört, zu regnen. nicht ein hauch von sonne. ich war mit vergnügen über eine woche barfuß unterwegs – das führt sofort zu den kurzweiligsten konversationen mit höchst unterschiedlichen menschen. kinder schauen mir mit fragendem blick direkt in die augen und scheinen sich an etwas freies & wildes zu erinnern.
ältere damen sorgen sich um meine gesundheit und sagen: „ich würd mir ja den tod holen.“ andere sehen überall scherben & splitter. eine wunderschöne 40-jährige donna sagte: „ich bewundere, daß sie sich das trauen.“ die nackten füße taugen offensichtlich als auslöser für verbundenheit, denn alle diese gespräche sind ruhig & friedlich und ungemein fruchtbar. ich habe allen grund, zufrieden zu sein.
allerdings hat das scheußliche wetter die menschen in ihren behausungen gehalten und die wenigen, die unterwegs waren, haben ihre regenschirme als scheuklappen eingesetzt, um keinen blickkontakt zuzulassen. das quantitative ergebnis ist also erbärmlich. das & die nasse kälte krochen mir am nachmittag in die knochen. um sechs habe ich meinen „kamin“ angemacht und mir die füße gewärmt und anschließend lieber die leguanos angezogen.
wir werden hier noch die nacht verbringen und morgen über tag nach alt kladow fahren …
es gab immer wieder wolkenbruchartige regenfälle – sogar unsere blumen wurden erbarmungslos niedergeschmettert. und ich konnte meine aufmerksamkeit frei schweifen lassen und habe inter-essante einzelheiten über diese einzigartige stadt erfahren. solingen darf sich offiziell „die klingenstadt“ nennen – das steht auch als untertitel auf dem ortsschild. 1403 wurde die zunft der klingenmacher gegründet. ich male mir aus, was jahrhundertelange weltmeisterschaft bedeutet, gespeist aus den vielen bächen & flüssen – da lacht mein herz wie die herzen der meister gelacht haben mögen angesichts der verheißungen der industrialisierung.
die industrialisierung hat hier im bergischen ganz früh eigenartige blüten getrieben: die wuppertaler schwebebahn, die müngstener brücke als höchste eisenbahnbrücke deutschlands, ursprünglich kaiser wilhelm brücke genannt und in solingen das am besten ausgebaute netz von oberleitungsbussen. ich habe mich erinnert, 2009 in sarajewo uralte oberleitungsbusse gesehen zu haben, die noch die beschriftung der solinger verkehrsbetriebe trugen.

am nachmittag haben uns michael & thomas, die betreiber der „bundesagentur für freiheit“ im omnibus besucht. zusammen mit thomas sind wir – von ihm eingeladen – in einem dieser oberleitungsbusse ins 10 kilometer entfernte solingen-ohligs gefahren. während der fahrt hat mir thomas etwas über die seltsame topologie dieser großstadt (160.000 einwohnerinnen) erzählt: die bebauung zieht sich über lange bergrücken hin – dazwischen gibt es lebendige biotope mit fließendem wasser – mir war bei der anfahrt schon aufgefallen, daß es im stadtgebiet immer wieder serpentinen gab.

thomas hat unterwegs schon ein paar pizzen bestellt, die wir dann in der agentur zusammen verspeist haben, während thomas & michael lauter fragen über ihr projekt beantwortet und uns über die „bundesagentur für freiheit“ ins bild gesetzt haben. nach & nach kam dann eine etwa 15-köpfige runde von menschen zusammen zu einer improvisierten abendveranstaltung, zu deren einstimmung ich ziemlich musikalisch mein lieblingskapitel aus der „blütenstaubwirtschaft“ vorgelesen habe – das quirlte die runde auf zu einem sehr lebendigen gesprächsabend, bei dem alle sich beteiligten – die atmosfäre hat mich an unser aktionscamp mit daniel häni anfang des jahres erinnert.
hauptstraße, am stein – unser erstes ziel.. bei unserem ersten versuch haben wir gesehen, daß wir höchstens aus der gegenfahrbahn rechts abbiegen könnten – danach haben wir uns ziemlich festgefahren … bis uns ein freundlicher motorradpolizist auf eine komplizierte weise zu unserer einfahrt lotste, indem er geduldig vorausgefahren ist. es geht hier rauf & runter. die berühmten täler des bergischen landes, wo die wasserkraft so klug eingesetzt wurde, daß die besten werkzeuge dort hergestellt wurden. ganz viel handwerkliches können, höchst analog.

solingen, heimat meiner geliebten windmühlenmesser. dort durfte ich während der arbeitszeit der belegschaft die arbeit des omnibus vorstellen. abgerundet wurde unser besuch durch eine lehrreiche prozession durch die produktion. mit frank, der das unternehmen zusammen mit seiner schwester in der x-ten generation leitet, habe ich mich spontan angefreundet.
er hat mir einen händlerrabatt für den omnibus angeboten, weil er mir meine freude an guten messern gleich angesehen hat. als ich dann einmal wild entschlossen mein absolutes lieblingsmesser bestellt habe, hat er es einzeln anfertigen lassen, rostend, santoku-form, der griff aus vogelaugenahorn.
in dem paket, das mich an einem osterwochenende bei sui dschen in schleswig-holstein erreichte, lag ein brief von ihm, in dem er erklärte, daß er mir die ganze sendung als dank für meine arbeit schenken würde. ich hab mich gefühlt wie im märchen. leider ist der betrieb in einem 10 km entfernten stadtteil und ich werde ihn wohl dieses mal nicht sehen können.

wir stehen in einer von den konsumhöllen an der peripherie leergesaugten fußgängerzone aus den sechziger jahren. hier können sich nur noch italiener & türken halten. viele italiener wurden in der ersten flut hier angespült – das ruhrgebiet und die landeshauptstadt sind ganz nah.
ich vermute, daß wir zum abendessen bei dem ältesten italiener der stadt waren – sehr auf rustikal gebrasselt (die unbegreiflichen deutschen schienen das zu mögen). inzwischen wirklich alt(modisch. das essen war wirklich lekker. mindestens drei resigniert brummelige ältere herren aus der ersten generation, die in deutschland hängengeblieben ist, haben uns bedient.
ich studiere mit voller aufmerksamkeit, wie sich nichtdeutsche hier assimilieren, weil ich selbst überall ein fremdling bin. geschmeidige assimilation ist eine meiner professionen und ich kann von fremden so viel lernen. besonders viel von kindern & schönen frauen …


wie bin ich jetzt nur darauf gekommen? ach so, ja: bei den brummeligen alten italienischen männern habe ich gedacht: „wenigstens haben sie ihre schöne sprache!“