bolo ‚bolo habe ich rückwärts gefunden: in der reihe „nautilus flugschrift“, in der auch das unsichtbare komitee „an unsere freunde“ veröffentlicht hat, habe ich ein buch von p.m. gefunden, das in den nullerjahren erschienen ist und eine art update von „bolo ‚bolo“ ist. das habe ich zuerst gelesen …
fare well enoch
jetzt ist auch enoch aufgebrochen in sein leben – er wird jetzt bald in erfurt studieren und hatte nach seinem reisejahr seine eltern nur kurz gesehen, bevor er zum omnibus kam. er muß sich eine wohnmöglichkeit in erfurt suchen & einrichten und all den bürokratischen kram, der mit der aufnahme eines studiums verbunden ist, erledigen, ohne sich die laune verderben zu lassen.
da geht er hin – der pressereferent meiner träume. könnte ich ihn doch nur anheuern. es hat sich sehr ausgezahlt, an jedem standort noch einmal die medien zu versuchen. enoch war ein naturtalent.
ich habe mit ihm auch immer wieder intensive & kurzweilige gespräche geführt, bei denen die zeit bedeutungslos wurde.
karawanserei
inzwischen sind wir auf einem wohnmobil-stellplatz gelandet, haben unseren wassertank aufgefüllt, sind an den strom angeschlossen, haben alle öffnungen aufgemacht und sind jede für sich ihren beschäftigungen nachgegangen: ich konnte zum beispiel das schöne buch zuende lesen und fast den ganzen spiegel von dieser woche.
wir haben lekker gegessen und gleiten in die nacht …
am rand von wilhelmshaven, und leider gibt es hier kein klo.
bolo ‚bolo
auf irrwitzig vertrackten wegen ist mir ein buch in die hände gefallen, das ich vor über zehn jahren im buchladen des zegg gekauft habe. das wurde aus dem omnibus gestohlen (ich hatte es noch nicht gelesen, obwohl ich mich ganz spontan hingezogen fühlte). ich kann nur sehr hoffen, daß die diebin das buch auch gelesen hat. es ist von einem schweizer und wurde 1983 veröffentlicht. jetzt gibt es eine wunderschöne neuausgabe:
das unsichtbare komitee hat mich auf die spur dieses wunderschönen buches gebracht: ein anarchistischer märchentraum über kugelförmige hierarchien. die erde ist vielfältig & freilassend überzogen mit möglichst autonomen bolos, die sich nach einfachen regeln bis auf die planetarische ebene abstimmen. jedes ibu kann nur ein taku sein eigen nennen und ein nugo, mit dem es sich jederzeit umstandslos das leben nehmen kann. alles hat zeit.
als autor ist nur p.m. angegeben. zürcher postdadaismus, frühe achtziger. kalter krieg in vollem gange. keine personal computer, kein internet, keine smartphones. alle unsere heutigen probleme bereits deutlich sichtbar. und das ist vor über 30 jahren geschrieben. in die dort geschilderten regeln würde ich sofort einwilligen.
quartett
heute war der letzte arbeitstag des ultimativen trios:
es war strahlendes wetter auf der rambla unter einem bewegten platanendach – viele kamen ganz gezielt wegen des artikels. enoch war phänomenal, an jedem ort hat er die medien geduldig bearbeitet, ganz verbindlich & freundlich und auf eine unaufgeregte weise selbstbewußt & stolz. ich würde ihn sofort zum professor erklären.
und die blitzgescheite kleine maike, die manchmal vor lauter inter-esse zappelt. am meisten begeistern mich ihre schnelligkeit und ihr lerneifer – sie ist erst siebzehn jahre alt. wir freunden uns immer mehr an und erforschen zusammen die welt. wir können auch herzhaft miteinander lachen, je besser wir uns kennenlernen. sie wird uns alle leichten fußes überholen, wenn sie so weitermacht. alle indizien deuten darauf hin.
das abschiedsfoto von enoch kommt noch.
und heute hat anna, auch siebzehn jahre alt, ganz beherzt & unbekümmert unser trio erweitert zu einem einzigartigen quartett, das mit voller kraft pulste, aber lässig und mühelos. mit intensiven einzelgesprächen kreuz & quer. das zusammenspiel war eine perfekte mixtur.
bravo bravissimo
und jetzt schaut mal, wie spät es ist. das zeigt, wie voll ich meine tage mit dieser band ausgekostet habe. es war wunderbar.
wilhelmshaven
unter dem wasserspiegel dem meer und der marsch abgetrotzt in kriegerischem größenwahn – so wie einen weltkrieg später die nazis wolfsburg aus dem sumpf gestampft haben.
das wetter ist wieder schön geworden – und der platz erweist sich als tauglich. schon gestern in heide ist anna aus witten zu uns gestoßen, 17 jahre alt, waldorfschülerin & cellistin. sie macht ein betriebspraktikum und war schon ein paar tage bei brigitte im büro. so konnte sie gestern schon einmal eine längere fahrt erleben und uns „vor der arbeit“ kennenlernen. und erst einmal eine nacht im omnibus schlafen. sie ist ohne scheu in die arbeit hineingesprungen und hatte schon in den ersten stunden eine telefonnummer auf ihrer liste. ein volk-foto werde ich nachliefern …
enoch ist wieder erfolgreich auf medienhatz gegangen – er dreht den spieß einfach um und keiner kann ihm widerstehen. und ich habe einen mann kennengelernt, der mir ganz viel futter für meine demokratischen ausgrabungen gegeben hat, indem er mir von den „sieben friesischen seelanden“ erzählt hat, die sich ziemlich egalitär & gleichberechtigt organisiert haben und nach langen vergeblichen eroberungs- und missionierungsversuchen durch die franken von karl dem großen weitgehende autonomie erhalten haben, ihre angelegenheiten auf ihre weise zu regeln. diese sieben friesischen seelande erstreckten sich über den gesamten küstenstreifen bis zur insel texel in den niederlanden und reichten bis ins neunte jahrhundert zurück, lange vor der bauernrepublik dithmarschen.
und wieder gab es nur zwei dicke romanschwarten über diese zeit. einen roman mußte ich einfach kaufen, denn er hieß „freyas land – historischer roman aus friesland“. und wenn ich ihn nur als dekoration in meiner umgebung halte und oft genug an freya denke. wenn sie den roman haben will, werde ich ihn ihr natürlich schenken.
und der andere, der noch voluminöser ist, liefert mir noch einmal eine andere perspektive – ich muß versuchen, die wie märchen zu lesen und sex, drugs & rock’n roll zu subtrahieren. ich habe jetzt schon einige hinweise darauf bekommen, wie fein ausgetüftelt das rechtssystem in den sieben seelanden gewesen sein muß, und das schönste wort, das mir dazu einfällt ist: palaver.
das schönste ist, das ich auf meinen weiteren stationen im gebiet der sieben seelande in den nächsten zwei wochen noch viele weitere informationen über diese zeit einholen kann – in aurich soll es sogar ein institut geben, das sich vorwiegend mit dieser zeit auseinandersetzt. und ich, der ich geschriebener geschichte zutiefst mißtraue, will gern versuchen, mich näher an die historische wahrheit heranzutasten. ohne vorstellungen.





















