
verrücktes upgrade

bei voller funktionalität durch bestehende unterführungen ist dem bahnhof dieses seltsame upgrade angepfropft worden, das mich magisch angezogen hat.




wenn doch wenigstens mit geringem aufwand gleichzeitig ein übergang in ein höher gelegenes stadtviertel geschaffen worden wäre, dann hätte dieses gebilde einen nachvollziehbaren sinn ergeben. dafür fehlte dann das geld.

fasziniert war ich trotzdem: ich liebe solche sparsamen, fast gerüstartigen strukturen, die für nüchterne alltagsbelastungen ausgelegt sind. die trittstufen waren lebendiger als tränenblech.

danke für die einladung

nach neustadt an der weinstraße. ganz besonders an olaf & yonas, die in bewundernswerter weise unter heftig oszillierenden und durchaus auch mal widrigen umständen (pralle sonne, regenschauer, anflüge von gewittern, wexelnde plätze, wenig betrieb) geduldig & kurzweilig mit uns ausgeharrt haben.




das ist der besagte marktplatz, wo der amtsinhaber uns vor zehn jahren nicht sehen wollte. leider war ich unterwegs, als der gegenwärtige oberbürgermeister dem omnibus einen besuch abgestattet hat. er hat auch für die volksabstimmung unterschrieben und wahrscheinlich war das auch eine prima vernetzungsgelegenheit für olaf, einen künstler, der sich hier mit einigen mutigen & großzügigen projekten praktisch in die regionalentwicklung einmischt. das sind meine helden.

trotz viertelfinale war der vortrag von johannes gut besucht und bei dem seminar am samstagvormittag kamen noch menschen hinzu. mich hat ganz besonders gefreut, daß ulrike stüttgen mitgekommen ist. am ende waren wir uns einig, daß der omnibus-besuch einen nachhallenden akzent gesetzt und türen für alles mögliche geöffnet hat.
irgend jemand hat mehrere volkfotos gemacht von olaf, yonas & mir. die würde ich hier gern zeigen, aber die sind mir nicht – wie versprochen – gesendet worden.
stattdessen gibt es das dynamische weiße eines zebrastreifens:

puhh

nach einem besonders für die beiden neulinge superanstrengenden tag in der prallen sonne auf dem ominösen marktplatz sind wir alle erleichtert auf unserem schlafplatz angekommen, auf dem wir morgen & samstag auch arbeiten. nur freitag „müssen“ wir tagsüber noch einmal auf den marktplatz. hier stehen wir viel schöner unter großen bäumen.

danke meistin

es hat mir viel bedeutet & sehr geholfen, daß DU mir starthilfe in die zweite halbzeit gegeben hast. ich wünsche dir viel glück für alle deine unterfangen.
fünf stunden

bin ich mit freya unter praller sonne & mit offener tür zu diesem ankerzentrum gefahren – in neustadt an der weinstraße, wo alle in ein heilloses rechts/links dilemma verstrickt sind und unbedingt das hambacher schloß als gesinnungssymbol für sich reklamieren & ausschlachten wollen. deshalb dürfen wir über nacht nicht auf dem marktplatz stehen und müssen jeweils morgens dort anfahren. mir gefällt es hier besser als auf dem touristisch bewirtschafteten marktplatz, wo wir nach einem ersten stadtbummel unser begrüßungsessen für dorothee & jonas zelebriert haben. sie sind beide ganz neu am omnibus und ich bin sehr froh, daß freya sie morgen in den omnibus-alltag einweisen und dafür sorgen wird, daß wir uns wohlbehalten auf diesem ominösen marktplatz installieren können.

morgen fängt dann auch passend ein neuer lebenszyklus in unserer blumenvase an. apropos lebenszyklus: auf der fahrt habe ich mich mit freya auch über das siechtum des wo lang blogs unterhalten – ich hatte befürchtet, daß ich mich mit meinem digitalen gefummel da rausgeschmissen hatte, weil ich schon so lange keinen beitrag mehr mitgekriegt habe. aber da war auch tatsächlich so lange nichts mehr los. traurige sache, weil die verbindungen zu mir, die sich dadurch nebenbei ergeben haben, gleich mit gekappt werden.
prompt kam dann heute ein beitrag von enoch, der durchblicken ließ, daß er durchaus ein bedürfnis hat, sich da zu öffnen und die potenziale dieses mediums zu erkunden. also spreche ich hier mal die grundsätzliche einladung aus, zum schatz der er-fahrungen beizutragen, denn ich verfolge ohnehin diese spur und sehe da viele möglichkeiten. stichwort: verbundenheit unabhängig von zeit & raum. da sind wir ja schon weit vorangekommen.

diese bilder habe ich auf meinem abendspaziergang gemacht: wer denkt denn da an neustadt an der weinstraße?

erleichtert

… weil mir erspart bleibt, daß enthemmte deutschland-fans den omnibus attackieren, schaue ich mir im afrikanischen strampelanzug die achtelfinalspiele der weltmeisterschaft an, von weit außen. ich kapiere zum beispiel überhaupt nicht, daß es schlagartig nirgendwo „public viewing“ gibt. ich schaue mir das an wie die „documenta“ und hätte mir zum beispiel heute gewünscht, daß die japaner gewinnen.

mir fallen enoch & johannes ein, die intelligentesten & sympathischsten fußballfans, die ich bisher kennengelernt und mit vergnügen studiert habe. hallo, hallo – ich sende die wärmsten grüße und würde mich gern mit euch über die wm unterhalten.
morgen ist meine halbzeit zu ende und freya – die mich überhaupt dazu gebracht hat, fußballspiele anzuschauen – wird mich nach neustadt an der weinstraße geleiten, berühmt für gutes wetter. mir ist das wetter unheimlich – als ob die sonne dem omnibus folgen würde. paar wolken wären mir lieber. im omnibus läßt es sich nur aushalten, wenn ich gleich morgens alle fenster & türen aufreiße.

langsam aber sicher mühe ich mich mit der endgültigen inbetriebnahme & synchronisation des neuen eifohns herum, die schon lange hätte vonstatten gehen sollen.
meine aufenthalte hier im heimathafen sind immer wieder kleine erholungen & gelegenheiten, mich zwischendurch mal zu sortieren. ich fühle mich gastlich aufgenommen & beschenkt.

dieser erste anblick, der sich mir beim aufwachen bot, illustriert sehr schön, wie ich mich fühle.
sommerhitze

mit dem vollmond ist auch hier im revier die augusthitze ausgebrochen, die den omnibus im norden & osten begleitet hat, während wir vom süden & westen ganz andere berichte gehört haben – zum beispiel von rinnsalen, die sich blitzartig in reissende flüsse verwandelt haben. in den letzten tagen in friesland hatte es hie & da genieselt und der himmel wurde grau. war mir ganz recht.

während am omnibus die letzten arbeiten gemacht wurden, bin ich mit voll runtergedrehten seitenscheiben erst mal zum haareschneiden zur saskia gefahren und habe das grafitto besucht, das mich beim letzten mal so fasziniert hat.

dieses mal bin ich in den laden reingegangen und habe mich nach der künstler erkundigt – von einem sympathischen mann habe ich erfahren, daß die arbeit teil eines street art festivals namens „wright“ war und daß der künstler sich „enoc801“ nennt. es gibt im öffentlichen raum noch mehrere arbeiten von ihm zu sehen, zum beispiel vor dem theater von bochum. der mann hat mir auch noch einen katalog des festivals geschenkt, in dem auch noch weitere der beteiligten künstler mit arbeiten vertreten sind. obwohl ich in dem katalog ein interview mit „enoc801“ gelesen habe, habe ich nicht die geringste vorstellung davon, wie er aussieht. aber seine arbeiten rufen laut & klar nach mir.

mir fällt da gleich yunus ein – der ist auch so ein wanderer zwischen morgenland & abendland – und natürlich enoch in tokio – wie er die geheimnisse der japanischen schrift & poesie erkundet.

anschließend bin ich nach meckenheim zur emiko gefahren und habe mich mit ein paar trillionen unsichtbaren helferlein für das biotische milieu im omnibus eingedeckt. dort lief gerade ein em-seminar und ich konnte mich mit meinem freund reinhard mau, dem gründer der emiko, kurzschließen & auf den neuesten stand bringen. im winter will ich ihn mal besuchen und begutachten, wie er seine ausscheidungen in den kreislauf des lebens einschleust. es belustigt mich sehr, wie er die prächtigen früchte seiner arbeit in frieden genießen kann, wenn er gierigen besuchern erzählt, daß sie aus seiner scheiße gediehen sind.

in diesem kostüm bin ich dann zu frau taha, meiner schneidermeistin, gefahren, um zwei neue bunte strampelanzüge anzuprobieren, die wir gemeinsam entworfen haben, einen weiteren westafrikanischen & einen europäischen, dessen muster & farbstellung ich ihr vertrauensvoll überlassen habe. wir haben die feinheiten besprochen und am körper mit stecknadeln festgemacht.
sollte die hitze uns weiter begleiten auf unserer tour, bin ich jetzt bestens ausgerüstet. da war telepathie im spiel, weil ich mich seit dem winter nicht bei ihr gemeldet hatte (sie ist eine viel beschäftigte frau) …

heute morgen nach dem frühstück war der omnibus fertig und ich habe mich herzlich dankbar von mäus’chen & jürgen verabschiedet und den wiederum brüllend heißen tag im hafen verbracht – mit vielen kleinen erledigungen, gastlich betreut von ulrike & michael. bei meinem abendspaziergang habe ich mich dann auch in street art versucht:

zum schluß das wettermorfo:

mäusâchen

ich habe so gelacht, als ich das erste mal seinen kosenamen gehört habe – als „kleinster“ unter lauter riesen. er ist wieder unser pfleger & seelenmasseur. der chef ist offline auf mauritius. seine vertretung ist jürgen – der jüngste. die beiden haben uns liebevoll & aufmerksam aufgenommen und mir den schlüssel für die werkstatt überlassen.

seit einem jahr sind die sanitären anlagen meine sorgenkinder – heizung & warmwasser. im winter haben wir nur erfahren, daß wir vom hersteller keine hilfe erwarten können. wir haben keine lösung gefunden. es knakkte ungefähr zwanzig mal, ehe der brenner für das warme wasser gezündet hat und das gebläse war sehr laut …

nun haben die beiden das wunder vollbracht, den womöglich weltweit einzigen spezialisten aufzutreiben, einen winzigen betrieb in mönchengladbach. gestern habe ich von logistischen improvisationen gesprochen und gleich heute hatte ich die gelegenheit: mäus’chen hat die heizung ausgebaut und fachmännisch in dem kastenwagen der firma verstaut und mir einen navi programmiert. jürgen hat mir ein bündel geldscheine für die reparatur in die hand gedrückt und ich bin mit dem firmenwagen mit voll runtergedrehten seitenscheiben nach mönchengladbach gefahren. auf dem hof gab es außer wohnmobilen auch eine gut besuchte imbißbude. ein mann kam freudestrahlend auf mich zu, der den omnibus beharrlich in ein kleines dorf nahe iserlohn eingeladen hatte, bis freya ihn erhört hat und vor zwei jahren sogar selbst bei dieser veranstaltung dabei war. in mönchengladbach entdeckt der mich ohne omnibus, im auto einer lkw-werkstatt. wir haben uns kurzgeschlossen & ausgetauscht – mich würde es freuen, wenn wir wieder was zusammen machen würden.

und flugs war die heizung repariert und ich konnte mich auf den rückweg begeben. es war mir ein vergnügen, mäus’chen beim einbau der heizung zu beobachten und ihm bei bedarf zu assistieren – er arbeitet sehr geduldig & genau, mit einer vorliebe für spielerische lösungen. am ende fiel uns ein stein vom herzen, als der boiler nahezu geräuschlos funktionierte.

ich habe heute das neue buch von otto scharmer angefangen – es ist sehr auf die praktische anwendung ausgerichtet und hilfreich für die kunst des lebens.
morgen gehen die logistischen improvisationen weiter mit der koordination von mindestens drei terminen …



