das beton massiv

das goetheanum ist ein schwer auf der erde lastendes gebirge aus beton, einem werkstoff, der möglichst sparsam eingesetzt werden sollte. das konnte herr steiner vielleicht noch nicht wissen. ich sehe es als auswirkung einer posttraumatischen streߟerkrankung, die vom feuertod des ersten goetheanum ausgelöst wurde.

auch im inneren eine pompöse materialschlacht …

ich fand es ganz erstaunlich, wie friedfertig & gelassen sich der omnibus diesem gebilde anschmiegen konnte – die bilder kann ich gleich in meine camouflage-serie aufnehmen:

joseph beuys hätte seine freude daran gehabt, wie sich parallele welten symbiotisch zu einem gröߟeren ganzen miteinander verbinden konnten. in seiner historischen bedeutung finde ich das goetheanum ja durchaus faszinierend.

es hielt auch eine völlig unverhoffte überraschung für mich bereit: die herzliche & respektvolle art & weise, mit der uns gerald häfner willkommen geheiߟen und gleich zu beginn des symposions gebührend angekündigt hat. so etwas erlebe ich nur selten bei solchen veranstaltungen. zum abschied hat er noch ein 45-minütiges gespräch mit der band für goetheanum tv aufgenommen und sich dabei aktiv für unsere arbeit interessiert.

insgesamt war unser abstecher in die schweiz also ein bereicherndes unterfangen.

heimkehr

weil ich mich in den dornacher nächten sehr intensiv mit meinen bildern beschäftigt habe, konnte ich mich beherzt zu einem lange fälligen schritt entscheiden: ich bin schon lange diffus unzufrieden mit dem bildformat meines eifohns – trotz sorgfältiger komposition bleibt ein vages unbehagen. also habe ich nach einer möglichkeit gesucht, grundsätzlich & standardmäߟig zum altvertrauten kleinbildformat der analogen fotografie zurückzukehren, mit dem ich jahrzehnte lang gearbeitet habe. alle bilder, die ich dann versuchsweise umformatiert habe, gefielen mir so viel besser. hier zu anschauung mal ein beispiel, das weiter unten auch im eifohn-format zu sehen ist:

wie bei fast allen schwellenschritten bin ich erleichtert & zufrieden mit dieser prinzipiellen entscheidung …

offline im goetheanum

seit ich in meiner geliebten schweiz bin, lösen die digitalen geräte ihre groߟspurigen versprechungen nicht ein – ich kann jedenfalls nicht (wie fast jeden abend) die erlebnisse des tages durch mich flieߟen lassen, indem ich hier hinten auf dem rücksitz mit einer kanne tee & vielen zigaretten diesen blog schreibe. im licht einer kabellosen tischlampe, die einen intimen lichtkegel auf den schreibtisch wirft. meist noch mit wilder / schöner musik in den ohren.

das hat mir schmerzlich gefehlt. also habe ich naseweis & wunderfitzig den vatikan der anthroposophen auf mich wirken lassen und viel positive resonanz erhalten.

ich habe hundert geschwister getroffen und mich blitzschnell mit dem trompeter markus stockhausen angefreundet, der mit seiner zarten frau das massive treppenhaus ausgesucht hat, um uns dort mit einem wunderbaren konzert zu bezaubern. wir hatten uns gleich viel zu erzählen und haben kontrapunktische geschenke ausgetauscht: ein dreieralbum von seinem jazzquartett gegen „warum haben wir eigentlich immer noch kapitalismus“ – mein schmales buntes lieblingsbüchlein – und die oya ausgabe, in der mein text zu joseph beuys ansprechend abgedruckt ist.

markus kam zu mir mit zwei (prüfungs)fragen:

„haben wir demokratie?“

ich: „nein – und nie gehabt.“

„sind wir ein souveräner staat?“

ich: „nein“

damit hatten wir schnell eine gemeinsame basis für einen bedingungslosen austausch mit allem drum & dran und ohne überflüssige wörter. motivation & gute laune strömten hin & her.

„zarte frau“ habe ich übrigens gesagt, weil mich sehr beeindruckt hat, welch monumentalen klang diese schmale, feingliedrige frau mit ihrer baߟklarinette entfaltete

die kronologie ist mal wieder wild durcheinander geraten – ich werde also von ast zu ast hüpfen müssen.

salto rückwärts

bei meinem abendspaziergang habe ich das „moderne“ wohnviertel durchstreift, das rund um den grünhof aus dem boden gestampft wird. das gegenteil des weltberühmten vaubon-viertels. ich versuche mir vorzustellen, wie es wäre, dort zu leben und es fühlt sich kalt & tot an.

ganz anders geht es im dorf der analogen sklaven aus aller welt zu, die die ganz arbeit machen: da sind menschen zu sehen – da ist musik & lachen zu hören – da ist leben im container.

ironischerweise sind das die gleichen container, die in der lokhalle von digitalen nomaden mit neuer betriebsamkeit erfüllt werden.

gegenüber vom todesstern

sind wir gegen sieben eingelaufen. vorn rechts lisa & carl, die heute wahre heldentaten vollbracht haben: sie haben nun auch die obere hälfte des omnibus von den schwarzen streifen befreit. so weiߟ war der omnibus seit jahren nicht mehr.

der todesstern ist die universitätsbibliothek – 24 stunden geöffnet und dadurch für uns bisher ein ständiger zugang zu den toiletten …

jetzt macht er seinem namen alle ehre: mensch kommt da nur verstümmelt rein. die linientreue der akademischen welt entsetzt mich jedesmal aufs neue. ich bin einfach unterm radar mit offenem visier da reingegangen und hätte mich über jede art zurechtweisung gefreut, um zu antworten: „das leuchtet mir nicht ein.“. um mich abzureagieren, habe ich noch zwei todesstern-morfos aufgenommen:

der grünhof

der grünhof und der winzige omnibus – ich könnte da einfach reinfahren und würde nicht besonders auffallen. dieses unternehmen ist in meinen augen ein meisterwerk der digitalen eingeborenen, das ich dankbar bestaune und das mich auch heute wieder begeistert hat.

ich konnte ganz für mich in der riesigen lokhalle auf entdeckungsreise gehen und ein sinnliches vollbad nehmen.

wie gesagt: ich bin bezaubert von der intelligenten verspieltheit auf der höhe der zeit – frage mich allerdings, wie ich digitaler idiot da zurechtkommen würde. ich freue mich sehr für jonathan, der in diesem avantgardistischen unternehmen genau seine aufgabe gefunden hat – die perfekte erfüllung einer biografie.

ent-setzen

neben allen diesen schönen erlebnissen klebt mir im hinterkopf etwas fest, was ich in „wer schweigt, stimmt zu“ von ulrike gueron gelesen habe:

laut eine umfrage des „spiegel“ vor einigen monaten fand eine mehrheit der menschen in deutschland „verstümmelte“ grundsätzlich sympathischer & vertrauenswürdiger als menschen, die ihr gesicht herzeigen.

ich muߟte das einfach loswerden (ent-setzen) – auch in der hoffnung, daߟ das „mit-teilen“ den kleber auflöst.

traumreise

der freitag machte seinem namen alle ehre: wir sind nämlich genüߟlich durch das weltkulturerbe mittelrhein gegondelt – bis koblenz rechts- und ab da über die b9 linksrheinisch weiter. in diese richtung war ich noch nie über die b9 gefahren – also gab es auch für mich lauter neue perspektiven und eine wundervolle überraschung: vom anderen ufer konnte ich endlich mal den loreleyfelsen in seiner eindrucksvollen gesamtgestalt wahrnehmen.

leider schaffe ich es noch nicht, durch augenzwinkern bilder abzuspeichern.

zum ausgleich habe ich im schloߟ freudenberg, wo wir die nacht zum samstag verbracht haben, diese beiden „postkarten“ aufgenommen. das trio ist ein herz & eine seele und alles läuft wie von selbst – ich kann langsam lokker lassen. technische macken werde ich versuchen, durch zauberei zu heilen.

heute ging es dreihundert kilometer weiter nach freiburg. unterwegs haben wir einen wandergesellen aufgegabelt und vorwitzig ausgefragt. es war ziemlich ungewiߟ, ob wir vor oder in der nähe der lokhalle einen platz finden würden, aber mein alter freund jonathan, der die lokhalle als mitunternehmen verwaltet und selbst im schwarzwald war, hatte in anatalem austausch mit mir alles, was er konnte, perfekt organisiert und wir haben uns in unschuldigem vertrauen diesen abgesperrten platz erschlichen. auf die vielen menschen, die hin & her wexeln, wirkt unser ensemble ganz selbstverständlich.

das schönste ist: wir haben einen schlüssel zu dieser architektonischen perle, in die ich mich vor jahren auf den ersten blick verliebt habe – ich hab mich sooo darauf gefreut …

herrlichkeit erpel

herrlichkeit erpel am vater rhein – ich liebe den rhein lieber als muttersöhnchen.

heute habe ich wunderfitzig dieses über 950 jahre organisch gewachsene fachwerk-städtchen erkundet und bin ganz bezaubert. schon als kind hat das leben der menschen in diesem engen tal meine fantasie beschäftigt – bei hochwasser war ich ganz fassungslos fasziniert.

zum ersten mal seit langem hatte ich wieder lust, bilder sprechen zu lassen:

analog zur berühmten lorelei gibt es hier die erpeler ley: einen riesigen basaltfelsen vulkanischen ursprungs:

allerdings dominieren die martialischen tortürme der zerstörten brücke von remagen, die aus militärischen erwägungen gebaut wurde …:

rechts oben sind die vom anderen ufer:

fundstück

auf dem hof von herrn eicker habe ich auf einem wohnmobil diesen wunderbaren spruch entdeckt, den ich am liebsten als postkarte mindestens neunundneunzigmal ausdrucken würde.